mal was anderes…

…zur Abwechslung – und nicht nur, weil zur Zeit allerlei seltsame Musik in der (Faschings)Luft liegt – ein ansprechendes musikvideo:

Enzo Darren: “kNot”

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=rfMIB3eifmA]

Die älteste & teuerste Kamera der Welt wird versteigert

Am 29. Mai 2010 versteigert WestLicht Photographica Auction in Wien eine historische Sensation ersten Ranges: Einen “Daguerréotype”, die erste kommerziell hergestellte Kamera!


Peter Coeln, CEO von WestLicht Photographica Auction in Wien, mit dem ‘Daguerreotype Giroux’ von 1839. Die erste kommerziell verkaufte Kamera der Welt wird bei der WestLicht Photographica Auction am 29. Mai 2010 in Wien versteigert. Der Schätzpreis liegt zwischen 500.000 – 700.000 Euro.

Die hölzerne Schiebekastenkamera wurde im September 1839 von Alphonse Giroux, dem Schwager von Louis-Jacques-Mandé Daguerre in Paris hergestellt. Daguerre, der Erfinder des ersten praktikablen fotografischen Verfahrens, hat die Kamera zum Zeichen ihrer Authentizität persönlich signiert. Nur fünf Tage nach der öffentlichen Bekanntmachung der Erfindung der Fotografie erschien am 24. August 1839 in Paris die erste Anzeige für den “Daguerréotype” im “Journal des Débats”. Es ist nicht überliefert, wie viele Kameras insgesamt von Giroux hergestellt wurden – da es aber sehr bald preisgünstigere und verbesserte Kameras zu kaufen gab, wird die Gesamtzahl eher bescheiden gewesen sein. Heute sind weltweit nur einige wenige Exemplare bekannt, die sich alle in öffentlichen Museen befinden.


Die Hersteller-Plakette des ‘Daguerreotype Giroux’ von 1839 mit der eigenhändigen Unterschrift des Erfinders Daguerre.

Der “Daguerréotype Giroux”, der bei WestLicht Auktion versteigert wird, war bisher völlig unbekannt und wurde niemals publiziert. Die Kamera war seit Generationen in norddeutschem Privatbesitz. Bemerkenswert ist der hervorragende Originalzustand des über 170 Jahre alten Gerätes. Niemals vorher wurde eine solche Kamera zum Verkauf in einer Auktion angeboten. Die deutsche Fassung der Originalanleitung aus 1839 ist auch Bestandteil dieses sensationellen Fundes.


Der ‘Daguerreotype Giroux’ von 1839
Es wird erwartet, dass der von WestLicht Auktionen gehaltene Weltrekordpreis für eine Kamera in der Höhe von 576.000 Euro um einiges übertroffen wird. Der Startpreis beträgt Euro 200.000, der Schätzpreis Euro 500.000 – 700.000.
Der “Daguerréotype” ist derzeit im Fotomuseum WestLicht
ausgestellt.

fotocredits: alle Fotos © Westlicht, Pressefotos

Einblick in das Sammel-Konzept

Von immensem Interesse für Künstler (zumindest was die Ankäufe zeitgenössischer Kunst betrifft), scheinbar undurchschaubar für Museumsbesucher und manchmal für die Öffentlichkeit wie das subjektive Kunstwerk-Roulette: die Sammeltätigkeit großer Museen.

Annette Messager
Gonflés, dégonflés, 2005/2006
Installation aus 28 aufblasbaren Elementen aus bemalter Seide, mit Motor; Dimensionen variabel
Foto: Marcus J. Leik
© VBK, Wien, 2009

Unter dem Titel “Aspekte des Sammelns” lud das Essl Museum – bezüglich der Auswahl der Museen: diese erfolgte in erster Linie durch persönliche Kontakte des Sammlers Karlheinz Essl -  zehn internationale Ausstellungshäuser zur Teilnahme an diesem Projekt ein. Sie alle – und natürlich auch der Gastgeber Karlheinz Essl selbst –  erhielten € 200.000,-  für den Ankauf von Kunstwerken, die Auswahl der Werke trafen die jeweiligen Museumsdirektoren, beziehungsweise Kuratoren. Esgab lediglich die Empfehlung, den Fokus auf aktuelle Kunst zu richten. Nach der gemeinsamen Präsentation der Werke im Essl Museum wandern die Kunstwerke für mindestens 10 Jahre als Dauerleihgaben in die einzelnen teilnehmenden Museen:

1. ARKEN Museum for Moderne Kunst – Ishøj/Dänemark
2. India Habitat Centre – New Delhi/Indien
3. LOUISIANA Museum for Moderne Kunst – Humlebæk/Dänemark
4. MART Museo di arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto – Italien
5. MdM Museum der Moderne – Salzburg/Österreich
6. MOT Museum of Contemporary Art – Tokio/Japan
7. ms Muzeum Sztuki w Łodzi – Polen
8. Muzej suvremene umjetnosti – Zagreb/Kroatien
9. Städel Museum – Frankfurt a. M./Deutschland
10. TATE Liverpool – Großbritannien


Sarah Morris
1972 [Rings], 2006
Household gloss paint on canvas
289 x 578 cm
Courtesy White Cube
© Sarah Morris

Was haben nun die einzelnen Kuratoren für ihr Museum eingekauft? Pardon, “eingekauft” stimmt so nicht, denn sie haben sich lediglich eine Leihgabe “erkauft”, die Werke bleiben selbstverständlich im Besitz des Zahlenden, Baumax-Besitzer Karlheinz Essl.
“….elf Ankaufskonzepte – der zehn Teilnehmer und des Essl Museums – zeigen eine größtmögliche Vielfalt. Die Bandbreite reicht von dem Erwerb einer einzelnen Arbeit (Tate, MOT, Essl) über die Ergänzung von Sammlungsschwerpunkten (MdM, Louisiana), zu einer kuratorischen Recherche von Einflüssen einer älteren auf die jüngere Künstlergeneration (Städel), einem thematisch bestimmten kuratorischen Konzept (MART, MSL) bis zu breiten Ankäufen von junger Kunst (MSU, IHC). Eines wird dabei besonders deutlich: die Fülle an Möglichkeiten, Sammlungen zu erweitern und zu vertiefen und wie wichtig und notwendig es ist, diese zu fördern und zu stärken…..” Zitat Essl-Museum.

Kaufentscheidungen, u.a.:

das Muzeum Sztuki w Lodzi erwarb abstrakte Kunst (u. a. von Heimo Zobernig),
das MART in Rovereto Skulpturen italienischer Künstler,
das Museum of Contemporary Art in Tokio eine neue Video-Installation von Pipilotti Rist,
die Tate Liverpool eine Reflexion über das Logo der Olympischen Spiele von Sarah Morris,
für das Salzburger Museum der Moderne ergänzte Direktor Toni Stooss den Sammel-Schwerpunkt Menschenbilder mit Schnitzereien Stephan Balkenhols sowie einer typischen Muntean/Rosenblum-Arbeit,
und für sein eigenes Museum kaufte Essl eine Installation aus 28 sich aufblasender Organe und Körperteile von Annette Messager an.

Kunterbunt scheint diese Auswahl und für den orientierungssuchenden Künstler oder Kunstinteressenten heißt es verwirrenderweise: “Alles ist möglich”. – und das wiederum gehört ja zu den spannenden Aspekten in der Kunst und in der Kunstsammlung!

more: youtube-link zum Essl-Videokanal

“Aspekte des Sammelns”
Essl Museum, Kunst der Gegenwart
Dauer: 20.11.09 – 28.02.2010
Kuratoren: internationale Museumsdirektoren
Ausstellungsorganisation: Anna Szöke, Andreas Hoffer

An der Donau-Au 1
3400 Klosterneuburg / Wien
Österreich
T: +43 (0)2243/370 50 DW 150
F: +43 (0)2243/370 50 DW 22
E: anmeldung@essl.museum

ins Stammbuch geschrieben – oder: zum heutigen Reformationstag

alt – aber nicht unaktuell:

 

Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang Goethe: Dem 31. Oktober 1817

Dreihundert Jahre hat sich schon
Der Protestant erwiesen,
Daß ihn von Papst- und Türkenthron
Befehle baß verdrießen.

Was auch der Pfaffe sinnt und schleicht,
Der Prediger steht zur Wache,
Und daß der Erbfeind nichts erreicht,
Ist aller Deutschen Sache.

Auch ich soll gottgegebne Kraft
Nicht ungenützt verlieren,
Und will in Kunst und Eigenschaft
Wie immer protestiren.

Peter Infeld’s Spuren

Gestern im “Haus der Kultur”, Halbturn, und  – scheinbar -  wie an den vorangegangenen Vernissagen in Peter Infeld’s Kunstrefuigum: zur Präsentation eines ungewöhnlichen Künstlers (Robert Zeppel-Sperl) eine große Versammlung von Freunden des Hausherrn, Kunstliebhabern und Künstlern, ein Musik-Special der besonderen Art, herausragende Gästebetreuung.

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Gestern nahm Peter Infeld’s Portrait den Platz des Kunstsammlers bei der Ausstellungseröffnung ein, rechts von seiner Witwe.

Und doch war in den gedämpften Unterhaltungen zu spüren, dass die Trauer um den kürzlich verstorbenen Hausherrn Peter Infeld (+ 15. April 2009) allgegenwärtig war. Peter Infeld verstarb vor einigen Wochen – und es war dies die erste Veranstaltung in seinem “Haus der Kultur” nach seinem Ableben. Ich habe schon viele Male die Ausstellungseröffnungen in Halbturn besucht und sie immer als ein ganz besonderes Ereignis empfunden. Auch wenn Peter Infeld als Gastgeber sich dank seiner Schüchternheit nicht wirklich in der Menge sonnte und sich oft nach der offiziellen Eröffnung auf seinen Stammtisch im Hintergrund zurückzog: er war präsent! Und konnte manchmal erst dann, wenn der Großteil der Besucher bereits den Heimweg angetreten hatte, seinen Entertainer-Qualitäten freien Lauf lassen: ob durch Gesang oder durch Vortrag seiner eigenen Gedichte – oder manchmal beides hintereinander – und mit Anekdoten und Erlebnissen seine Gäste unterhalten. Er hatte schon seine liebenswürdigen Eigenheiten, wie viele andere Kreative auch.
Und er hat unzweifelhaft eine Lücke hinterlassen: als einer der größten Kunstsammler und -förderer und als Mensch.
Eines der letzten Interviews mit Peter Infeld führte René Desor vor einigen Wochen, nachzulesen unter “at the end of a rainbow” auf seinem blog.

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Der Künstler Robert Zeppel-Sperl war mit Peter Infeld sehr befreundet, was sich in der Benennung eines seiner 2 Gästezimmer ausdrückt:  in seinem Halbturner Refugium gibt es ein “Zeppel-Sperl-Zimmer”! Zur gestrigen Ausstellungseröffnung waren auch zwei künstlerische Weggefährten gekommen: Franz Ringel und Wolfgang Herzig.

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Wilfried’s (links) “4 Xang” konnte feinfühlig und gekonnt mit Stimmakrobatik und Humor die Stimmung aufhellen, ganz im Sinne des verstorbenen Hausherrn!

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- zu später Stunde gab es noch einen musikalischen “Nachschlag” im Innenhof
(prominente Zuhörer, links, sitzend: Fria Elfen und Andreas Roseneder)

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im Innenhof: Skulptur von Bruno Gironcoli

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Es fällt einem wirklich schwer, die gesammelten Eindrücke und Emotionen die über diesem Ereignis lagen in Worte zu fassen, aber ein Dankeschön! an Peter Infeld angesichts seines Engagements in Sachen Kunst – und damit ist selbstverständlich auch seine Förderung und Unterstützung der Musikszene gemeint – muss sein!
Peter, Leute wie du sind rar gesät! Wie schön, dich kennengelernt zu haben.

links:
Infeld Haus der Kultur
Das Unternehmen “Thomastik-Infeld” von Peter Infeld
Die Sammlung Infeld

Paul Flora, Meister des hintergründigen Humors, gestorben

Paul Flora starb am 15. Mai 2009 in Innsbruck, im Kreise seiner Familie, im Alter von 86 Jahren.

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Dass Paul Flora, Mitglied im legendären “Art Club”,  ein genialer Zeichner und Chronist war, ist unbestritten. Seine Liebenswürdigkeit, sein Humor und seine Geduld machten ihn zu einem der beliebtesten Zeitgenossen. Sein augenzwinkernder Blick auf die Welt hat alle berührt, die das Vergnügen einer Begegnung mit seiner Kunst hatten.
Ich bin sicher nicht die Einzige, die sich ihn insgeheim zum Großvater wünschte.

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Die wenigen Gelegenheiten, ihn persönlich in einem TV-Interview zu erleben, waren “human Highlights” und dazu angetan, wieder an den (angeblich vorhandenen) göttlichen Funken in jedem Menschen zu glauben. Ich hatte immer große Freude daran, seinen Beobachtungen und Rückschlüssen zu folgen.
- und große Begeisterung für seine gezeichneten Geschichten!
Schon Erich Kästner nannte ihn einen “Bilderschriftsteller”.
Er wurde mit unzähligen namhaften Preisen ausgezeichnet, aber ich könnte mir vorstellen, dass ihm die Benennung des Rabenpaares im Innsbrucker Zoo auf “Paul” und “Flora” und der Asteroid “Paulflora” am Besten gefallen hat.

link: einer meiner früheren Beiträge über Paul Flora
tipp: Auf der Webseite (startseite) des verstorbenen Künstlers Paul Flora ein charakteristisches Statement des Künstlers auf die Frage “Was ist schön?” – unbedingt lesenswert!

Gedanken an Beuys – ein “special”

Manchmal tut es gut, sich mit bestimmten Künstlern und ihren Aussagen wieder zu beschäftigen. Auch wenn ein wehmütiger Gedanke bleibt: dass sich scheinbar nicht viel zum Besseren verändert!

“… durch die Kunst wird in den Menschen etwas hineingetragen, das ihn überhaupt erst lebensfähig macht …” – Joseph Beuys, in nachstehendem Video.

“… darf ich Sie fotografieren?” – Andy Warhol zu Joseph Beuys:

Rausschmiss von Joseph Beuys als Professor der Düsseldorfer Kunstakademie:
viel zu beliebt bei den Studierenden, zu großer Studentenandrang in seinen Seminaren, Neid der anderen Professoren, ignoranter Kulturpolitiker (Rau)

GNADENLOS.VISIONÄR – im MAK

“Kunst erfindet sich ständig neu und denkt in Unmöglichkeiten. Ihre Vision ist gnadenlos, ihr Horizont grenzenlos”, stellte Peter Noever, Direktor MAK, anlässlich der MAK-Jahrespressekonferenz 2009 gestern klar.


Peter Noever, in seiner “Grube” in Breitenbrunn, anlässlich des “Tag der offenen Tür”
Die Auseinandersetzung mit Kunst dürfe niemals Routine werden. “Das Vergangene muss immer wieder neu in die Gegenwart übersetzt, das Bestehende in neue Kontexte gesetzt und Zukünftiges entwickelt werden”, forderte er. Die von Peter Noever in Auftrag gegebene Feasibility Study “MAK über Wien. Reparatur, Intervention und Erweiterung” bietet die baulichen Grundlagen, damit das MAK weiterhin seinem Auftrag gerecht werden kann und seine federführende architektonische und programmatische Bedeutung für die Zukunft gesichert wird. Im MAK-Gebäude Stubenring sollen ein Zentrum für Architektur und neue Ausstellungsflächen für die Sammlung des 20. und 21. Jahrhunderts für Architektur, Kunst und Design entstehen. Geplant sind darüber hinaus Sozialräume, neue Logistik- und Ausstellungs-Vorbereitungsfacilities sowie modernste Sicherheitssysteme. Die MAK-Plattform soll ein elementares Verbindungsstück der Stadtachse Innere Stadt – Wien Mitte werden. Mit dieser urbanen Oberfläche bei der Stubenbrücke – über den Wienfluss gebaut – entsteht ein neuer Platz für die Öffentlichkeit sowie Depotflächen für eine der bedeutendsten Kunstbibliotheken.
Der MAK-Terminal, integraler Bestandteil und urbaner Abschluss der Freizeitmeile Donaukanal, soll die Attraktivität des Wien-Deltas maßgeblich aufwerten und setzt der Kunst ein städtebauliches Zeichen. Die derzeitige Nutzfläche des MAK (ohne Dependancen) beträgt 16.731 m2. Durch die neuen Räume kann ein gesamter Nutzenflächengewinn von 9.287 m2 erzielt werden; daraus ergibt sich für das MAK eine neue Nutzfläche von insgesamt 26.018 m2.

Das Ausstellungsprogramm 2009 verspricht den für das MAK unverwechselbaren Dialog im Spannungsfeld zwischen historisch gewachsenen Beständen und zeitgenössischer Kunst, das Aufeinandertreffen von Vergangenheit und Gegenwart.

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Shooting into the Corner, 2009
Ausstellungsansicht “Anish Kapoor. Shooting into the Corner”
© Wolfgang Woessner/MAK

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Anish Kapoor, 2003
Foto: Johnnie Shand-Kydd
© Anish Kapoor

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Push-Pull II, 2008/09
Ausstellungsansicht “Anish Kapoor. Shooting into the Corner”
© Wolfgang Woessner/MAK

Die erste große Schau des Jahres ist “ANISH KAPOOR: Shooting into the Corner” (21.01.-19.04.2009, MAK-Ausstellungshalle). Gezeigt werden vier raumgreifende Wachsarbeiten des Turner-Preisträgers, von denen drei eigens für die MAK-Ausstellung entwickelt wurden. Sie verdeutlichen Kapoors Auseinandersetzung mit dem Raum und der Wahrnehmung sowie das Bekenntnis des MAK zum Experiment. Die Bedeutung von Work in progress nimmt bei seinen Werken eine neue Dimension ein.

David Cerný’s “Entropa”

Entropa

David Cerný: "Entropa", 2009

Wie schön! auch Politiker reden wieder über Kunst! Wo sie doch sonst nur vor Kunstwerken (die sie meist nicht einmal kennen) Interviews geben, sich selbst in Szene setzen (nicht den Künstler!), Hände schütteln oder einem Künstler, dessen Namen sie gleich wieder vergessen haben, auf die Schulter klopfen.

Und wie ich der TV-Berichterstattung von der Präsentation des Kunstwerks entnehmen konnte, haben viele dort agierende EU-Beamte mit Freude und Spaß auf die Darstellung ihrer Länder reagiert. Besonders der spanische Beamte, der zugab, dass der Künstler mit seinem Beton-Spanien und einem Betonmischer drauf vollkommen recht habe, denn “…Spanien sei dabei, alles zu betonieren, was nur möglich sei …”! und dass ihm das Kunstwerk gut gefalle.
(Nun ja, nicht alle fanden das Werk lustig. Bulgarien hatte gegen die Darstellung seines Landes als “Steh-Klo” protestiert. Der Slowakei missfiel die Präsentation als Salami, die in eine ungarische Fahne eingewickelt ist. Der Beitrag zu Deutschland ist eine Landkarte, durchzogen von Autobahnen, die einem Hakenkreuz ähneln. Österreich ist als grüne Wiese mit vier AKW-Kühltürmen dargestellt. )

Statue of Sigmund Freud hanging by his arm, above a storefront in Prague

David Cerny: Statue of Sigmund Freud hanging by his arm, above a storefront in Prague

David Cerny, Aktionskünstler und Provokateur hat das geschafft!
Er hat es ja -fast- angekündigt: “Ich bin Autor des Konzepts. Das ganze ist ein großer Spaß. Das hier ist ein schreckliches Haus. (Anm: das EU-Ratsgebäude) Alles ist eng und kühl, alle machen sich wichtig. Alles ist bürokratisch, deshalb wollte ich es bunter machen…”.

David Cerný

David Cerný

Doch er ist nicht nur Autor des Konzepts. Er hat die Anteile der anderen Länder einfach selbst gemacht, entgegen der Vereinbarungen mit der tschechischen Regierung. An dem Gesamtkunstwerk sollten Künstler aus allen EU-Ländern mitwirken. Anlässlich der tschechischen Ratsherrschaft im EU-Rat sollte das Werk dann im Ratsgebäude in Brüssel präsentiert werden.

Das vielbesprochene Kunstwerk ist eine Großinstallation namens “Entropa”, angeblich eine kollektive Arbeit von 27 Künstlern – doch einige der genannten Künstler gibt es gar nicht: nicht nur dem Laien unbekannt, sondern auch den Kunstexperten. Sabrina Unterberger wurde als die für den österreichischen Anteil verantwortliche Künstlerin genannt. Natürlich gibt es sie nicht wirklich. Auch sie ist eine “Erfindung” von David Cerný!

Im Gebäude des Europäischen Rats in Brüssel, Prag’s enthüllt der Tschechische Vizepremier Vondra noch stolz im Nichtwissen um die Hintergründe die Installation von Künstlern aus allen EU-Ländern. (Anm: Vielleicht ein kleiner Hinweis an ständig-irgendwas-eröffnende Politiker: sprecht doch persönlich mit dem Künstler, seht euch das Kunstwerk an, über das ihr bei der Eröffnung sprechen oder fachsimpeln (!!!) wollt! Hintergrundwissen verhindert solche Peinlichkeiten! und wer weiss: vielleicht findet der ein oder andere von euch doch tatsächlich noch einen – das Leben bereichernden -  persönlichen Zugang zu einem Künstler?!)

Der Künstler David Cerný hat sich (Anm: LEIDER!) in einem Brief entschuldigt – und auch auf sein Honorar verzichtet. Es sei nicht gewollt, dass Politiker für diese Art der Satire die Verantwortung übernehmen.
Diesen Schritt habe ich nicht verstanden! Wozu entschuldigen? Erklären schon, aber entschuldigen? Seine ganze künstlerische Entwicklung bis dahin liess für jeden noch so laienhaft agierenden Politiker den Schluss zu, dass er mit einem Werk für Brüssel nicht anders denken und handeln wird, als mit allen seinen zuvor geschaffenen Kunstwerken.  Selbstverständlich soll der Künstler die Verantwortung übernehmen, für alles was aus seiner Werkstatt kommt!

Und dann die nächste Peinlichkeit: Der für Europa-Fragen zuständige Vizepremier Vondra hatte sich in Brüssel bei jenen Ländern entschuldigt, die sich durch das Kunstwerk angegriffen fühlten, insbesondere bei Bulgarien. Vondra hatte erklärt, es handle sich nur um ein Kunstwerk – “nichts mehr und nichts weniger”. Und “Kunst heißt Freiheit”. (In diesen Ländern muss es doch auch Künstler geben, durch deren Wirken die Bewohner für Kunst sensibilisiert wurden,  oder etwa NICHT??? In der multikulturellen EU? Wozu also die Entschuldigung?)

Kritische Stimmen in Tschechien meinen, “…man habe sich nicht genügend abgesichert, angeführte Künstler hätten Einzelverträge unterschreiben sollen…”
Unterstützende Stimmen meinen, “…man brauche eine große Portion Humor. Wenn die Tschechen eine Spur in Europa hinterlassen wollten, hier wäre es ihnen gut gelungen. Man sähe schon jetzt, welche Aufmerksamkeit das Werk errege.”

Und das meine ich auch: ich habe sehr gelacht, als ich die ersten Großaufnahmen von Entropa sah und mir sofort gedacht: der Cerný ist ein Künstler, von dem ich noch viel mehr sehen möchte! Humor und Intelligenz und Engagement – eine gelungene Mischung!

Quo Vadis

David Cerný: Quo Vadis

Eine Skulptur anlässlich der vielen, mit ihren Trabis in den Westen flüchtenden Ostdeutschen.

Bus Stop

David Cerný: Bus Stop

Immer wieder provozierte er die tschechische Regierung mit seinen Kunstwerken. Fantastisch, dass er das nun auch in Brüssel gemacht hat!

Statue of St. Wenceslas riding an inverted horse

David Cerný: Statue of St. Wenceslas riding an inverted horse

The crawling babies sculptures by David Černý on Žižkov Television Tower, Prague, Czech Republic

The crawling babies sculptures by David Černý on Žižkov Television Tower, Prague, Czech Republic

David Cerny: Brownnosers (Futura Gallery, Prague):

Der chirurgische Blick – Inszenierte Fotografie

Einen Blick auf die Wiener Aktionisten wirft die aktuelle Ausstellung im Westlicht, der Galerie für Fotografie in Wien.
Unter dem Titel “Der chirurgische Blick” zeigt man bis 22. März Arbeiten aus der
Sammlung Konzett von Hermann Nitsch, Otto Muehl, Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler.

Hermann Nitsch, 1064

Hermann Nitsch 4. Aktion 1964 im Atelier Nitsch, Brünner Straße in WienHermann Nitsch „4. Aktion 1964“/ © VBK, Wien, 2008

Thematisiert ist die Periode des Wiener Aktionismus, konzentriert auf die Hauptvertreter: Günter Brus, Hermann Nitsch, Otto Muehl und den bereits 1969 verstorbenen Rudolf Schwarzkogler.
Die Exponate stammen aus der Sammlung des Wiener Kunsthändlers Philipp Konzett und beleuchtet den methodischen Ansatz der Fotografie im Wiener Aktionismus der 60er/Anfang 70er Jahre und auch den unterschiedlichen Stil der Fotografen, die mit den Künstlern zusammengearbeitet haben.
Die meiste Aufmerksamkeit genießt in diesem Zusammenhang der 1974 verstorbene Pressefotograf Ludwig Hoffenreich, dem die stärkste Prägung der Fotografie im Wiener Aktionismus zugeschrieben wird. Fotografie und Film waren notwendig, um die Einmaligkeit der Aktionen festzuhalten, die anfangs nur in privatem Rahmen oder für den Fotografen inszeniert wurden. Das Besondere an Hoffenreich: als Pressefotograf war er weder von den skandalträchtigen Inszenierungen schockiert, noch versuchte er diese subjektiv fotografisch aufzuwerten. Diesen kühlen, klaren Zugang wussten die Künstler zu schätzen, die laut Kurator Hubert Klocker in Folge immer mehr Einfluss auf Bildausschnitt, Beleuchtung und Betrachtungswinkel nahmen. Nicht zuletzt, um die fotografische Darstellung ins Gesamtwerk einzugliedern und die eigene Rolle zu spiegeln.

© Günter Brus, Selbstbemalung I, Aktion, 1964

© Günter Brus, "Selbstbemalung I", Aktion, 1964

Versetzt man sich in die Zeit der 60er, müssen die Inszenierungen von Nitsch, Brus, Schwarzkogler und Muehl unglaubliche Affronts gegen die bürgerliche Gesellschaft dargestellt haben. Mag man dem Aktionismus positiv oder negativ gegenüber stehen – Mut und Zugang verdienen Respekt. In Österreich widmet sich diese Ausstellung erstmalig in konzentrierter Form der Fotografie im Wiener
Aktionismus. Neben bedeutenden und erstmalig öffentlich gezeigten Vintage-Prints und frühesten Abzügen werden auch umfangreiche Dokumentationsmaterialien präsentiert – unter anderem Originalplakate, Aktionsprogramme oder Ausgaben des von Brus herausgegebenen Druckwerks “Die Schastrommel – Organ der österreichischen Exilregierung”, das erstmalig 1969 publiziert wurde.
Übrigens kannten sich die Künstler zwar, traten aber unabhängig voneinander auf. Erst später gab es gemeinsame Aktionen von Brus und Muehl.

Der Chirurgische Blick?

Kurator Hubert Klocker bezog den Titel der Ausstellung aus einer Metapher des Kulturtheoretikers Walter Benjamin, in welcher er der Kamera chirurgische Eigenschaften attestierte: Man könne damit “tief ins Gewebe des Gegebenen eindringen”. Empfehlenswert ist die Ausstellung für alle, die einen Blick auf die “Inszenierte Fotografie” des Wiener Aktionismus werfen wollen – die auch einen
international prägenden Einfluss hinterlies.

Ausstellungsdauer: 20. Jänner bis 22. März 2009.
Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 14.00-19.00 Uhr
WestLicht Eve(C) Donnerstag 14.00-21.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag (außer Mo) 11.00-19.00 Uhr
Montag geschlossen
Adresse: 7., Westbahnstraße 40
info@westlicht.com
Telefon: +43 01 522 66 36.
www.westlicht.com

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