Peter Infeld’s Spuren

Gestern im “Haus der Kultur”, Halbturn, und  – scheinbar -  wie an den vorangegangenen Vernissagen in Peter Infeld’s Kunstrefuigum: zur Präsentation eines ungewöhnlichen Künstlers (Robert Zeppel-Sperl) eine große Versammlung von Freunden des Hausherrn, Kunstliebhabern und Künstlern, ein Musik-Special der besonderen Art, herausragende Gästebetreuung.

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Gestern nahm Peter Infeld’s Portrait den Platz des Kunstsammlers bei der Ausstellungseröffnung ein, rechts von seiner Witwe.

Und doch war in den gedämpften Unterhaltungen zu spüren, dass die Trauer um den kürzlich verstorbenen Hausherrn Peter Infeld (+ 15. April 2009) allgegenwärtig war. Peter Infeld verstarb vor einigen Wochen – und es war dies die erste Veranstaltung in seinem “Haus der Kultur” nach seinem Ableben. Ich habe schon viele Male die Ausstellungseröffnungen in Halbturn besucht und sie immer als ein ganz besonderes Ereignis empfunden. Auch wenn Peter Infeld als Gastgeber sich dank seiner Schüchternheit nicht wirklich in der Menge sonnte und sich oft nach der offiziellen Eröffnung auf seinen Stammtisch im Hintergrund zurückzog: er war präsent! Und konnte manchmal erst dann, wenn der Großteil der Besucher bereits den Heimweg angetreten hatte, seinen Entertainer-Qualitäten freien Lauf lassen: ob durch Gesang oder durch Vortrag seiner eigenen Gedichte – oder manchmal beides hintereinander – und mit Anekdoten und Erlebnissen seine Gäste unterhalten. Er hatte schon seine liebenswürdigen Eigenheiten, wie viele andere Kreative auch.
Und er hat unzweifelhaft eine Lücke hinterlassen: als einer der größten Kunstsammler und -förderer und als Mensch.
Eines der letzten Interviews mit Peter Infeld führte René Desor vor einigen Wochen, nachzulesen unter “at the end of a rainbow” auf seinem blog.

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Der Künstler Robert Zeppel-Sperl war mit Peter Infeld sehr befreundet, was sich in der Benennung eines seiner 2 Gästezimmer ausdrückt:  in seinem Halbturner Refugium gibt es ein “Zeppel-Sperl-Zimmer”! Zur gestrigen Ausstellungseröffnung waren auch zwei künstlerische Weggefährten gekommen: Franz Ringel und Wolfgang Herzig.

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Wilfried’s (links) “4 Xang” konnte feinfühlig und gekonnt mit Stimmakrobatik und Humor die Stimmung aufhellen, ganz im Sinne des verstorbenen Hausherrn!

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- zu später Stunde gab es noch einen musikalischen “Nachschlag” im Innenhof
(prominente Zuhörer, links, sitzend: Fria Elfen und Andreas Roseneder)

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im Innenhof: Skulptur von Bruno Gironcoli

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Es fällt einem wirklich schwer, die gesammelten Eindrücke und Emotionen die über diesem Ereignis lagen in Worte zu fassen, aber ein Dankeschön! an Peter Infeld angesichts seines Engagements in Sachen Kunst – und damit ist selbstverständlich auch seine Förderung und Unterstützung der Musikszene gemeint – muss sein!
Peter, Leute wie du sind rar gesät! Wie schön, dich kennengelernt zu haben.

links:
Infeld Haus der Kultur
Das Unternehmen “Thomastik-Infeld” von Peter Infeld
Die Sammlung Infeld

Paul Flora, Meister des hintergründigen Humors, gestorben

Paul Flora starb am 15. Mai 2009 in Innsbruck, im Kreise seiner Familie, im Alter von 86 Jahren.

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Dass Paul Flora, Mitglied im legendären “Art Club”,  ein genialer Zeichner und Chronist war, ist unbestritten. Seine Liebenswürdigkeit, sein Humor und seine Geduld machten ihn zu einem der beliebtesten Zeitgenossen. Sein augenzwinkernder Blick auf die Welt hat alle berührt, die das Vergnügen einer Begegnung mit seiner Kunst hatten.
Ich bin sicher nicht die Einzige, die sich ihn insgeheim zum Großvater wünschte.

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Die wenigen Gelegenheiten, ihn persönlich in einem TV-Interview zu erleben, waren “human Highlights” und dazu angetan, wieder an den (angeblich vorhandenen) göttlichen Funken in jedem Menschen zu glauben. Ich hatte immer große Freude daran, seinen Beobachtungen und Rückschlüssen zu folgen.
- und große Begeisterung für seine gezeichneten Geschichten!
Schon Erich Kästner nannte ihn einen “Bilderschriftsteller”.
Er wurde mit unzähligen namhaften Preisen ausgezeichnet, aber ich könnte mir vorstellen, dass ihm die Benennung des Rabenpaares im Innsbrucker Zoo auf “Paul” und “Flora” und der Asteroid “Paulflora” am Besten gefallen hat.

link: einer meiner früheren Beiträge über Paul Flora
tipp: Auf der Webseite (startseite) des verstorbenen Künstlers Paul Flora ein charakteristisches Statement des Künstlers auf die Frage “Was ist schön?” – unbedingt lesenswert!

Gedanken an Beuys – ein “special”

Manchmal tut es gut, sich mit bestimmten Künstlern und ihren Aussagen wieder zu beschäftigen. Auch wenn ein wehmütiger Gedanke bleibt: dass sich scheinbar nicht viel zum Besseren verändert!

“… durch die Kunst wird in den Menschen etwas hineingetragen, das ihn überhaupt erst lebensfähig macht …” – Joseph Beuys, in nachstehendem Video.

“… darf ich Sie fotografieren?” – Andy Warhol zu Joseph Beuys:

Rausschmiss von Joseph Beuys als Professor der Düsseldorfer Kunstakademie:
viel zu beliebt bei den Studierenden, zu großer Studentenandrang in seinen Seminaren, Neid der anderen Professoren, ignoranter Kulturpolitiker (Rau)

GNADENLOS.VISIONÄR – im MAK

“Kunst erfindet sich ständig neu und denkt in Unmöglichkeiten. Ihre Vision ist gnadenlos, ihr Horizont grenzenlos”, stellte Peter Noever, Direktor MAK, anlässlich der MAK-Jahrespressekonferenz 2009 gestern klar.


Peter Noever, in seiner “Grube” in Breitenbrunn, anlässlich des “Tag der offenen Tür”
Die Auseinandersetzung mit Kunst dürfe niemals Routine werden. “Das Vergangene muss immer wieder neu in die Gegenwart übersetzt, das Bestehende in neue Kontexte gesetzt und Zukünftiges entwickelt werden”, forderte er. Die von Peter Noever in Auftrag gegebene Feasibility Study “MAK über Wien. Reparatur, Intervention und Erweiterung” bietet die baulichen Grundlagen, damit das MAK weiterhin seinem Auftrag gerecht werden kann und seine federführende architektonische und programmatische Bedeutung für die Zukunft gesichert wird. Im MAK-Gebäude Stubenring sollen ein Zentrum für Architektur und neue Ausstellungsflächen für die Sammlung des 20. und 21. Jahrhunderts für Architektur, Kunst und Design entstehen. Geplant sind darüber hinaus Sozialräume, neue Logistik- und Ausstellungs-Vorbereitungsfacilities sowie modernste Sicherheitssysteme. Die MAK-Plattform soll ein elementares Verbindungsstück der Stadtachse Innere Stadt – Wien Mitte werden. Mit dieser urbanen Oberfläche bei der Stubenbrücke – über den Wienfluss gebaut – entsteht ein neuer Platz für die Öffentlichkeit sowie Depotflächen für eine der bedeutendsten Kunstbibliotheken.
Der MAK-Terminal, integraler Bestandteil und urbaner Abschluss der Freizeitmeile Donaukanal, soll die Attraktivität des Wien-Deltas maßgeblich aufwerten und setzt der Kunst ein städtebauliches Zeichen. Die derzeitige Nutzfläche des MAK (ohne Dependancen) beträgt 16.731 m2. Durch die neuen Räume kann ein gesamter Nutzenflächengewinn von 9.287 m2 erzielt werden; daraus ergibt sich für das MAK eine neue Nutzfläche von insgesamt 26.018 m2.

Das Ausstellungsprogramm 2009 verspricht den für das MAK unverwechselbaren Dialog im Spannungsfeld zwischen historisch gewachsenen Beständen und zeitgenössischer Kunst, das Aufeinandertreffen von Vergangenheit und Gegenwart.

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Shooting into the Corner, 2009
Ausstellungsansicht “Anish Kapoor. Shooting into the Corner”
© Wolfgang Woessner/MAK

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Anish Kapoor, 2003
Foto: Johnnie Shand-Kydd
© Anish Kapoor

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Push-Pull II, 2008/09
Ausstellungsansicht “Anish Kapoor. Shooting into the Corner”
© Wolfgang Woessner/MAK

Die erste große Schau des Jahres ist “ANISH KAPOOR: Shooting into the Corner” (21.01.-19.04.2009, MAK-Ausstellungshalle). Gezeigt werden vier raumgreifende Wachsarbeiten des Turner-Preisträgers, von denen drei eigens für die MAK-Ausstellung entwickelt wurden. Sie verdeutlichen Kapoors Auseinandersetzung mit dem Raum und der Wahrnehmung sowie das Bekenntnis des MAK zum Experiment. Die Bedeutung von Work in progress nimmt bei seinen Werken eine neue Dimension ein.

David Cerný’s “Entropa”

Entropa

David Cerný: "Entropa", 2009

Wie schön! auch Politiker reden wieder über Kunst! Wo sie doch sonst nur vor Kunstwerken (die sie meist nicht einmal kennen) Interviews geben, sich selbst in Szene setzen (nicht den Künstler!), Hände schütteln oder einem Künstler, dessen Namen sie gleich wieder vergessen haben, auf die Schulter klopfen.

Und wie ich der TV-Berichterstattung von der Präsentation des Kunstwerks entnehmen konnte, haben viele dort agierende EU-Beamte mit Freude und Spaß auf die Darstellung ihrer Länder reagiert. Besonders der spanische Beamte, der zugab, dass der Künstler mit seinem Beton-Spanien und einem Betonmischer drauf vollkommen recht habe, denn “…Spanien sei dabei, alles zu betonieren, was nur möglich sei …”! und dass ihm das Kunstwerk gut gefalle.
(Nun ja, nicht alle fanden das Werk lustig. Bulgarien hatte gegen die Darstellung seines Landes als “Steh-Klo” protestiert. Der Slowakei missfiel die Präsentation als Salami, die in eine ungarische Fahne eingewickelt ist. Der Beitrag zu Deutschland ist eine Landkarte, durchzogen von Autobahnen, die einem Hakenkreuz ähneln. Österreich ist als grüne Wiese mit vier AKW-Kühltürmen dargestellt. )

Statue of Sigmund Freud hanging by his arm, above a storefront in Prague

David Cerny: Statue of Sigmund Freud hanging by his arm, above a storefront in Prague

David Cerny, Aktionskünstler und Provokateur hat das geschafft!
Er hat es ja -fast- angekündigt: “Ich bin Autor des Konzepts. Das ganze ist ein großer Spaß. Das hier ist ein schreckliches Haus. (Anm: das EU-Ratsgebäude) Alles ist eng und kühl, alle machen sich wichtig. Alles ist bürokratisch, deshalb wollte ich es bunter machen…”.

David Cerný

David Cerný

Doch er ist nicht nur Autor des Konzepts. Er hat die Anteile der anderen Länder einfach selbst gemacht, entgegen der Vereinbarungen mit der tschechischen Regierung. An dem Gesamtkunstwerk sollten Künstler aus allen EU-Ländern mitwirken. Anlässlich der tschechischen Ratsherrschaft im EU-Rat sollte das Werk dann im Ratsgebäude in Brüssel präsentiert werden.

Das vielbesprochene Kunstwerk ist eine Großinstallation namens “Entropa”, angeblich eine kollektive Arbeit von 27 Künstlern – doch einige der genannten Künstler gibt es gar nicht: nicht nur dem Laien unbekannt, sondern auch den Kunstexperten. Sabrina Unterberger wurde als die für den österreichischen Anteil verantwortliche Künstlerin genannt. Natürlich gibt es sie nicht wirklich. Auch sie ist eine “Erfindung” von David Cerný!

Im Gebäude des Europäischen Rats in Brüssel, Prag’s enthüllt der Tschechische Vizepremier Vondra noch stolz im Nichtwissen um die Hintergründe die Installation von Künstlern aus allen EU-Ländern. (Anm: Vielleicht ein kleiner Hinweis an ständig-irgendwas-eröffnende Politiker: sprecht doch persönlich mit dem Künstler, seht euch das Kunstwerk an, über das ihr bei der Eröffnung sprechen oder fachsimpeln (!!!) wollt! Hintergrundwissen verhindert solche Peinlichkeiten! und wer weiss: vielleicht findet der ein oder andere von euch doch tatsächlich noch einen – das Leben bereichernden -  persönlichen Zugang zu einem Künstler?!)

Der Künstler David Cerný hat sich (Anm: LEIDER!) in einem Brief entschuldigt – und auch auf sein Honorar verzichtet. Es sei nicht gewollt, dass Politiker für diese Art der Satire die Verantwortung übernehmen.
Diesen Schritt habe ich nicht verstanden! Wozu entschuldigen? Erklären schon, aber entschuldigen? Seine ganze künstlerische Entwicklung bis dahin liess für jeden noch so laienhaft agierenden Politiker den Schluss zu, dass er mit einem Werk für Brüssel nicht anders denken und handeln wird, als mit allen seinen zuvor geschaffenen Kunstwerken.  Selbstverständlich soll der Künstler die Verantwortung übernehmen, für alles was aus seiner Werkstatt kommt!

Und dann die nächste Peinlichkeit: Der für Europa-Fragen zuständige Vizepremier Vondra hatte sich in Brüssel bei jenen Ländern entschuldigt, die sich durch das Kunstwerk angegriffen fühlten, insbesondere bei Bulgarien. Vondra hatte erklärt, es handle sich nur um ein Kunstwerk – “nichts mehr und nichts weniger”. Und “Kunst heißt Freiheit”. (In diesen Ländern muss es doch auch Künstler geben, durch deren Wirken die Bewohner für Kunst sensibilisiert wurden,  oder etwa NICHT??? In der multikulturellen EU? Wozu also die Entschuldigung?)

Kritische Stimmen in Tschechien meinen, “…man habe sich nicht genügend abgesichert, angeführte Künstler hätten Einzelverträge unterschreiben sollen…”
Unterstützende Stimmen meinen, “…man brauche eine große Portion Humor. Wenn die Tschechen eine Spur in Europa hinterlassen wollten, hier wäre es ihnen gut gelungen. Man sähe schon jetzt, welche Aufmerksamkeit das Werk errege.”

Und das meine ich auch: ich habe sehr gelacht, als ich die ersten Großaufnahmen von Entropa sah und mir sofort gedacht: der Cerný ist ein Künstler, von dem ich noch viel mehr sehen möchte! Humor und Intelligenz und Engagement – eine gelungene Mischung!

Quo Vadis

David Cerný: Quo Vadis

Eine Skulptur anlässlich der vielen, mit ihren Trabis in den Westen flüchtenden Ostdeutschen.

Bus Stop

David Cerný: Bus Stop

Immer wieder provozierte er die tschechische Regierung mit seinen Kunstwerken. Fantastisch, dass er das nun auch in Brüssel gemacht hat!

Statue of St. Wenceslas riding an inverted horse

David Cerný: Statue of St. Wenceslas riding an inverted horse

The crawling babies sculptures by David Černý on Žižkov Television Tower, Prague, Czech Republic

The crawling babies sculptures by David Černý on Žižkov Television Tower, Prague, Czech Republic

David Cerny: Brownnosers (Futura Gallery, Prague):

Der chirurgische Blick – Inszenierte Fotografie

Einen Blick auf die Wiener Aktionisten wirft die aktuelle Ausstellung im Westlicht, der Galerie für Fotografie in Wien.
Unter dem Titel “Der chirurgische Blick” zeigt man bis 22. März Arbeiten aus der
Sammlung Konzett von Hermann Nitsch, Otto Muehl, Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler.

Hermann Nitsch, 1064

Hermann Nitsch 4. Aktion 1964 im Atelier Nitsch, Brünner Straße in WienHermann Nitsch „4. Aktion 1964“/ © VBK, Wien, 2008

Thematisiert ist die Periode des Wiener Aktionismus, konzentriert auf die Hauptvertreter: Günter Brus, Hermann Nitsch, Otto Muehl und den bereits 1969 verstorbenen Rudolf Schwarzkogler.
Die Exponate stammen aus der Sammlung des Wiener Kunsthändlers Philipp Konzett und beleuchtet den methodischen Ansatz der Fotografie im Wiener Aktionismus der 60er/Anfang 70er Jahre und auch den unterschiedlichen Stil der Fotografen, die mit den Künstlern zusammengearbeitet haben.
Die meiste Aufmerksamkeit genießt in diesem Zusammenhang der 1974 verstorbene Pressefotograf Ludwig Hoffenreich, dem die stärkste Prägung der Fotografie im Wiener Aktionismus zugeschrieben wird. Fotografie und Film waren notwendig, um die Einmaligkeit der Aktionen festzuhalten, die anfangs nur in privatem Rahmen oder für den Fotografen inszeniert wurden. Das Besondere an Hoffenreich: als Pressefotograf war er weder von den skandalträchtigen Inszenierungen schockiert, noch versuchte er diese subjektiv fotografisch aufzuwerten. Diesen kühlen, klaren Zugang wussten die Künstler zu schätzen, die laut Kurator Hubert Klocker in Folge immer mehr Einfluss auf Bildausschnitt, Beleuchtung und Betrachtungswinkel nahmen. Nicht zuletzt, um die fotografische Darstellung ins Gesamtwerk einzugliedern und die eigene Rolle zu spiegeln.

© Günter Brus, Selbstbemalung I, Aktion, 1964

© Günter Brus, "Selbstbemalung I", Aktion, 1964

Versetzt man sich in die Zeit der 60er, müssen die Inszenierungen von Nitsch, Brus, Schwarzkogler und Muehl unglaubliche Affronts gegen die bürgerliche Gesellschaft dargestellt haben. Mag man dem Aktionismus positiv oder negativ gegenüber stehen – Mut und Zugang verdienen Respekt. In Österreich widmet sich diese Ausstellung erstmalig in konzentrierter Form der Fotografie im Wiener
Aktionismus. Neben bedeutenden und erstmalig öffentlich gezeigten Vintage-Prints und frühesten Abzügen werden auch umfangreiche Dokumentationsmaterialien präsentiert – unter anderem Originalplakate, Aktionsprogramme oder Ausgaben des von Brus herausgegebenen Druckwerks “Die Schastrommel – Organ der österreichischen Exilregierung”, das erstmalig 1969 publiziert wurde.
Übrigens kannten sich die Künstler zwar, traten aber unabhängig voneinander auf. Erst später gab es gemeinsame Aktionen von Brus und Muehl.

Der Chirurgische Blick?

Kurator Hubert Klocker bezog den Titel der Ausstellung aus einer Metapher des Kulturtheoretikers Walter Benjamin, in welcher er der Kamera chirurgische Eigenschaften attestierte: Man könne damit “tief ins Gewebe des Gegebenen eindringen”. Empfehlenswert ist die Ausstellung für alle, die einen Blick auf die “Inszenierte Fotografie” des Wiener Aktionismus werfen wollen – die auch einen
international prägenden Einfluss hinterlies.

Ausstellungsdauer: 20. Jänner bis 22. März 2009.
Öffnungszeiten:
Dienstag, Mittwoch, Freitag 14.00-19.00 Uhr
WestLicht Eve(C) Donnerstag 14.00-21.00 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertag (außer Mo) 11.00-19.00 Uhr
Montag geschlossen
Adresse: 7., Westbahnstraße 40
info@westlicht.com
Telefon: +43 01 522 66 36.
www.westlicht.com

Art’s Birthday 2009, today+tomorrow live online

A real good reason to party!

In 1963 the French Fluxus artist, Robert Filliou, declared January 17 to be the 1,000,000th birthday of art which for some decades now has been celebrated worldwide. As in the previous years, in 2009 artists all over the world will organise a networked birthday party for art. In many places the motto of this year’s celebrations will be “Safe and Sound”.

This weekend the “Art’s Birthday 2009 – 1,000,046 Years of Art” is celebrated in Hainburg. The Austrian Kunstradio (art radio) is collaborating with Experimental Studio of Slovensky Rozhlas (http://artradio.sk), with IMA – Institute of Media Archaeology (http://www.ima.or.at) and with Tilos Radio Budapest (http://tilos.hu) for a two-day-Happy-Birthday-event, as usual online, on site and on air. The “Fête Permanente” will take place at the exhibition “Magical Soundmachines” at the Kulturfabrik Hainburg on the shore of the Danube, close to Vienna and even closer to Bratislava. “Magical Soundmachines” presents a range of unique historical sound generators, recorders and transmitters – and they are here to be played. http://ima.or.at/klangmaschinen

Times and Programm (january 16th & 17th) you find here:
Link to The Live-Stream to the Art’s Birthday 2009-Party

Link to René Desor’s article “starker tobak / smoke signals” on his blog, about the Kulturfabrik Hainburg, which was a tobacco factory on the banks of the Danube river before it became a fascinating contemporary art place.

exciting life, sad dead: Ron Asheton (The Stooges)

Iggy Pop, on his website : “I am in shock. He was my best friend.”

Ron Asheton, the guitarist and bassist with The Stooges (one of my favorites in younger years), has been found dead on January 6. He was 60. Guitarist’s body undiscovered at home ‘for several days’ say police and died on a heart attack.
Asheton was a founder member of The Stooges, along with his brother (and drummer) Scott Asheton, Dave Alexander (bass) and frontman Iggy Pop.

Ranked as Number 29 on Rolling Stone’s 100 Greatest Guitarists of All Time’, Asheton played the seminal riffs on Stooges’ classics including ‘No Fun’, ‘Down On The Street’, and ‘I Wanna Be Your Dog’. He switched to the bass guitar for The Stooges third album, ‘Raw Power’ (1973).

Plädoyer für kreative Zeitgenossen

Obwohl der Standard gestern mit der Schlagzeile “Sinkende Einnahmen, steigende Kosten” in seinem Beitrag über den Kunstmarkt ein eher dunkelgraues Bild über die Verkaufszahlen von Kunst vermittelte, relativiert sich für mich das Thema bei näherer Betrachtung.
Man muss bei dieser Analyse immerhin feststellen, dass sich die – sogenannten – negativen Zahlen der Auktionshäuser
1. in 2- bis 3-stelligen Millionenhöhen bewegen
2. die Rückgänge hauptsächlich im Bereich “alter” Kunst (bzw. verstorbener Künstler) bewegen
3. die zeitgenössische Kunst am meisten gefragt war (! schau-schau!)
4. die Umsätze sich rekordverdächtig gesteigert haben, lediglich die Gewinne der Auktionshäuser gesunken sind! (von deren Personalaufwand und Marketingaktionen kein einziger Schöpfer eines Kunstwerkes profitiert – da schon lange tot!)

Vielleicht ist das eine ganz gute Entwicklung für zeitgenössische Künstler, die in der Gegenwart die Früchte ihrer Arbeit ernten sollen – nicht wie bisher, wo nach dem Ableben der Künstler ein wildgewordenes Marktgeschehen die Preise ihrer Kunstwerke in ungeahnte Höhen schraubt. Und vielleicht wäre das endlich auch ein Wink mit dem Zaunpfahl an die öffentliche Kunstförderung, sich mehr der zeitgenössischen Kunst und ihren Proponenten zuzuwenden – solange es noch möglich ist, den Kunstinteressierten auch durch die Präsenz des Kunstschaffenden den Zugang zur einzig wahren Interpretation des Werkes zu ermöglichen.
Wer, ausser dem Künstler selbst, ist fähiger dazu, das Kunstwerk zu deuten? Den Hintergrund zu erzählen? Den roten Faden im Gesamtwerk zu entknoten? – Sicherlich kein Künstlerbiograph, der das 50 Jahre nach dem Tode des Künstlers publiziert!

Wahrscheinlich tut es der Kunst auch gut, sich von dem globalen Wildwuchs im Kunstmarkt etwas zurückzunehmen. Vielleicht ist das eine Chance für “echte” Kunstsammler, tasächliche “Kunst-lieb-haber”, die von ihren gekauften Kunstwerken umgeben sein wollen, mit ihnen tagtäglich in Kommunikation sein wollen – und ihre Lieblinge sicher nicht gekauft haben, um mit der Höhe des Kaufpreises jemand zu beeindrucken, auszubooten oder das Image aufzupolieren. Oder damit anstelle der (no-na!) unsicheren Aktien eine sichere Anlegeform zu haben.

Die Beschäftigung mit der Kunst sollte wieder mit den Attributen “spannend, aufregend, anregend, phantasievoll, bereichernd, inspirativ, …” gekoppelt sein und weniger mit dem diesbezüglichen Unwort “kommerziell”!

Es ist auch übermäßig Information und Kunstinterpretation aus dritter Hand vorhanden – und daher höchst an der Zeit, die Künstler selbst zu Wort kommen zu lassen! Und mit ihnen in einen Dialog zu treten – nicht nur über das einseitige Betrachten von Kunstwerken. Und ihnen durch die Förderung zu Lebenszeiten ein Leben zu garantieren, dass ihnen ermöglicht, weiterhin unser aller Dasein (- wie auch zuvor das von vergangenen Generationen -) durch ihre kreative Arbeit unverzichtbar zu bereichern!
Jetzt und heute!

Ein “phantastischer” Jahrgang feiert Geburtstag

Gratulationsschreiben aus aller Welt – und von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer (A) – ergingen in diesen Tagen an die österreichischen Künstler Wolfgang Hutter (80), Anton Lehmden (80), Arik Brauer (80) und Ernst Fuchs (79).

Ernst Fuchs Die Bachnymphe, Farbradierung

Ernst Fuchs "Die Bachnymphe", Farbradierung

Dieser Jahrgang hat internationale Kunstgeschichte geschrieben und sie wurden von ihrem Publikum wie Popstars verehrt und ihre Gruppenausstellungen gingen als Blockbuster um die Welt!
- nur in Österreich wollte “man” sie damals nicht, sie waren den Verfechtern des Abstrakten ein Dorn im Auge. (Inzwischen haben auch die letzten Abstrakt-Fanatiker den – um einiges größeren – Erfolg der phantastischen Realisten zur Kenntnis nehmen müssen!).

Wolfgang Hutter Die Liebenden vor der Steinmauer

Wolfgang Hutter "Die Liebenden vor der Steinmauer"

Die Gründungsmitglieder der Wiener Schule des Phantastischen Realismus- international erfolgreich und angesehen – Wolfgang Hutter, Anton Lehmden, Arik Brauer und Ernst Fuchs
(der Fünfte im Bunde, Rudolf Hausner, starb vor 14 Jahren! Ein Ausschnitt aus Hausners Bild “Aporisches Ballett” ist seit einigen Wochen mein Titelbild, siehe oben)
pflegen bis heute ihre Freundschaften – und ihre künstlerischen Aktivitäten!

Arik Brauer Das Bewegungszeug

Arik Brauer "Das Bewegungszeug"

Wolfgang Hutter, geb. 13. Dez. 1928 in Wien
Anton Lehmden, geb. 2. Januar 1929 in Nitra, Slowakei
Arik Brauer, geb. 4. Jänner 1929 in Wien
Ernst Fuchs, geb. 13. Febr. 1930 in Wien (der jüngste in der Runde)

Im Jahr 1948 gründeten sie die “Wiener Schule des Phantastischen Realismus”, eine Wortschöpfung des damals sehr einflussreichen Kunstkritikers Johann Muschik. Ihre Protagonisten bzw. deren Werke standen zwar dem Surrealismus nahe, wollten jedoch aus politischen Gründen nicht dem offiziell abgelehnten Surrealismus zugeordnet werden. Als geistiger Vater dieser Kunstströmung gilt Albert Paris Gütersloh, der Lehrer der “Phantasten” an der “Akademie der Bildenden Künste Wien” (- und Vater von Wolfgang Hutter).

Egon Schiele Portrait des Albert Paris Gütersloh

Egon Schiele "Portrait des Albert Paris von Gütersloh"

Glücklicherweise sind die Geburtstags”kinder” künstlerisch auch in der Gegenwart noch sehr aktiv, sie alle werden von der einschlägigen “Galerie 10″ (Galerieschwerpunkt ist die Wiener Schule des Phantastischen Realismus) vertreten, auf deren Webseite man einen Blick auf die “phantastischen” Bilderwelten machen – und diese natürlich auch kaufen! – kann.”

linktipp: René Desor über Anton Lehmden

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