Anlässlich des Todestags von Karl Prantl zur schockierenden Gegenwart auf dem Symposionshügel « Bildhauersymposion St.Margarethen

Les Paul – zum Geburtstag einer Legende

„Wenn ich mich den Leuten vorstelle, sind sie stets überrascht festzustellen, dass ich keine Gitarre bin und auch nicht tot!“ – Les Paul

Dieser oft von ihm getätigter Ausspruch sagt viel aus über den genialen Mann, der 2009 im Alter von 94 Jahren seine Musiker- und Tüftlerlaufbahn für immer beendete. Viele verbinden mit dem Namen Les Paul zuerst nicht den Musiker Les Paul, sondern die nach ihm benannte, zum Mysterium avancierte, von Musikern heiss begehrte und von Fans angestaunte  E-Gitarre der Sonderklasse. Der Musiker Les Paul, als Lester William Polsfuss in Wisconsin geboren, hat durch vielerelei Tüfteleien – Musiker würden mich ob dieser unfachmännischen Beschreibung wahrscheinlich steinigen ;-) -  sein „Werkzeug“ (Gitarre) seinen Wünschen und Vorstellungen angepasst. Zeitgemäß angepasst, denn mit ihm begann die Zeit der elektronischen Gitarrenverstärker, die uns Musikfans in den 70ern vor den Rockbühnen schier rasend werden ließen: Guitarheroes mit Les Paul-Gitarren, das waren schon die Sahnehäubchen unter den Rockbühnen-Zauberern!

hier ein live-Video aus dem Jahr 2008 (Les Paul im Alter von 93 Jahren!!!) in einem Jazzclub in NYC:

und noch ein Video, anlässlich seines Todes sprechen Joe Satriani und Slash über Les Paul:

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cult: Blixa Bargeld liest Hornbach (?!)

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Die Frage ist berechtigt: „simply watercolours?“

September 30, 2010 1 Kommentar
seasonal aggregates III, "éclair floral", 2010, aquaBrique auf Canson-papier

Andreas Roseneder: seasonal aggregates III, "éclair floral", 2010, aquaBrique auf Canson-papier

Heute wird die Ausstellung „Andreas Roseneder: AQUA – simply watercolours?“ in der Eisenstädter Rathaus-Galerie eröffnet.  Wie farbenprächtig und vielfältig die künstlerische Arbeit „mit und am Wasser“ sein kann, demonstriert der Künstler Andreas Roseneder hier in eindrucksvoller Weise!

Wenn ich da an meine – zugegeben subjektive – Assoziation mit dem Wort „Aquarell“ denke, das ich in der Vergangenheit mit blässlichen, fast farblos gewässerten Bildern für Bibliotheken oder Beamtenzimmer verbunden habe – damit hat Andreas Roseneder’s Aquarell-Malerei aber schon gar nichts zu tun! Seine Bilder sind modern, entsprechen der Zeit und sind in meinem – wieder: subjektiven – Verständnis von zeitgemäß – höchst „contemporary“!!!

Was hier an Kunstwerken in der Rathaus-Galerie gezeigt wird, ist nicht nur bezüglich  der Anzahl der gezeigten Werke bemerkenswert, denn über 75 Bilder ziehen den Betrachter in einen „… Strudel sich in alle Richtungen bewegender Formen, die uns kontemplativ und konzentriert locken und umgarnen. Es sind schillernde Akkorde hochgestimmter Farbsymphonien, die als strahlende Energiespender dominieren…“ (Zit.: Kunstkritiker Bernhard Dobrowsky im Ausstellungskatalog „AQUA – simply watercolours?“)

„… Seine Farbschwünge entwickelt Roseneder angeleitet von Landschaftseindrücken, die er in freie Abstraktion umsetzt. Farbkurven verdeutlichen fließende Bewegungsrhythmen. Eine leuchtende Lebendigkeit voll vitaler Farbwürde lockt eindringlich. Schwungvoll geführte Farbklänge vollführen mit künstlerischer Zauberschrift ein triumphierendes Fest…“

Zu diesem Fest kann sich der Kunstinteressierte nun bis 14. Februar 2011 in die Rathaus-Galerie begeben und sich verzaubern lassen.

Eine künstlerische Aktion ist während der laufenden Ausstellung zum Anlass der „Langen Nacht der Museen“ geplant: der Künstler Andreas Roseneder startet zweimal an diesem Abend eine Mal- & Videoperformance – gemeinsam mit Daniel Eselböck (Video).

„Andreas Roseneder: AQUA – simply watercolours?“
Rathausgalerie Eisenstadt
Eröffnung/Vernissage: 30. September 2010, 19:00 Uhr Ausstellungsdauer: bis 14. Februar 2011
Öffnungszeiten: Mo – Do 8-16 Uhr, Fr 8-13 Uhr

„water body portrait image“
performance mit
aquarellmalerei (Andreas Roseneder) &
video (Daniel Eselböck)

Lange Nacht der Museen 2. oktober 2010,
Rathausgalerie Eisenstadt, jeweils 19.oo & 21.oo Uhr

Matthew Barney – Schaulager Basel – Zeichnen gegen Widerstände – Kunst – art-magazin.de

Kategorien:Kultur

Louise Bourgeois gestorben

„Der Künstler opfert der Kunst das Leben, nicht weil er es will, sondern weil er nicht anders kann.“ – Louise Bourgeois

„My luck was that I became famous so late that fame could not destroy me.“ – Louise Bourgeois

Die französisch-amerikanische Malerin und Bildhauerin Louise Bourgeois ist tot.
Die als eine der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart geltende New Yorkerin starb am Montag im Alter von 98 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. Das bestätigte ihre Agentin Wendy Williams. Weltbekannt sind vor allem die riesigen Bronze-Spinnen von Bourgeois, unter denen Menschen wie kleine Insekten wirken.

Louise Bourgeois © BBC/Arena

Die 1911 in Paris geborene Bourgeois galt als Grande Dame der Gegenwartskunst. Ihr Werk ist in zahlreichen großen Museen vertreten, darunter im New Yorker Museum of Modern Art, im Centre Pompidou in Paris, in der Londoner Tate Gallery und im Museum Ludwig in Köln. 1993 bestückte Bourgeois den amerikanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, 1999 wurde sie als Teilnehmerin dieser Kunstschau mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Frankreich hatte sie 1938 für ihren Ehemann Robert Goldwater, einen Kurator am Museum of Modern Art, verlassen.

Louise Bourgeois galt zeitlebens als eine Künstlerin mit großen Selbstzweifeln – in Bezug auf ihre Rolle als Tochter, später als Ehefrau, Mutter und Künstlerin. „Ich habe Angst vor allem, einfach vor allem“, sagte sie einmal. Die Sorge, Anforderungen der Familie nicht gerecht zu werden, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk der Künstlerin, deren Werke in Deutschland unter anderem in der Akademie der Künste Berlin oder in der Kunsthalle Bielefeld zu sehen waren.

Zu den frühen Motiven der Bildhauerin gehört der nackte weibliche Körper, dem ein Haus auf den Kopf gestülpt ist. Zehn Jahre lang, von 1945 bis 1955, befasste sich die dreifache Mutter immer wieder mit der „Femme Maison“, deren Zuhause gleichzeitig ein Gefängnis ist. Persönliche Enttäuschungen und tiefer Schmerz spiegeln sich in den Installationen der Grande Dame der Bildhauerei ebenso wie Hass und Wut. „The reticent child“ (Das verschlossene Kind) nannte sie im Jahr 2003 eine Anordnung von vier weiblichen und zwei kindlichen Figuren, zwischen denen es keine Annäherung gibt. Louise Bourgeois verarbeitet darin die Trauer über das Verhältnis zu ihrem Sohn Alain, einem Jungen, der die Liebe seiner Mutter nicht erwidern konnte. „Es ist schwer, ein Künstler zu sein und die Tür zu den Träumen verschlossen zu halten“, schrieb die am Anfang ihrer Karriere in den Kreisen der Surrealisten lebende Bourgeois.

Von drastischer Kompromisslosigkeit ist das 1974 entstandene altarähnliche Werk „Destruction of the father“ (Zerstörung des Vaters). Mehr als 20 Jahre nach dem Tod ihres dominanten Vaters richtete – und ehrte – Louise Bourgeois den Mann mit einem kannibalistischen Mahl, das in rotes Licht getaucht ist. Aus Stoff-Fetzen genähte lebensgroße Puppen von Bourgeois – mit meist üppigen Brüsten, Stummelarmen und unübersehbarem weiblichen Genital – betonen die Opferrolle der Frau, und unterstreichen einmal mehr den Ruf der gebürtigen Pariserin als radikal-feministische Künstlerin. dpa

Bourgeois war auch Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste Wien, wobei sie die bisher einzige Künstlerin war, der diese Ehre zuteil wurde. Sie war auch Trägerin des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Es handelt sich um die höchste Auszeichnung der Republik Österreich auf diesem Gebiet, die maximal 36 Österreicher und 36 Ausländer (jeweils zur Hälfte Künstlern und Wissenschaftlern) gleichzeitig besitzen dürfen.

Reaktionen:
Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien zum Ableben von Louise Bourgeois: „Traurig und bestürzt musste ich den Tod von Louise Bourgeois zur Kenntnis nehmen. Louise Bourgeois war nicht nur eine starke selbstbewusste Frau, sondern wohl auch eine der wichtigsten, herausragendsten und wunderbarsten Künstlerinnen unserer Zeit, fernab von Zeitgeist und Kunstbetriebsamkeit. Bis zuletzt verstand sie es die Kunstwelt mit ihren immer innovativen und radikalen Ideen und Werken zu verzaubern. Eine unglaubliche Kreativität und Fantasie, aber auch Freiheitsliebe und Menschlichkeit beseelte ihre Arbeiten. Noch vor wenigen Wochen konnte ich wunderbare Werke von Louise Bourgeois für eine nächstes Jahr geplante Ausstellung auswählen, wobei ich wieder einmal fasziniert war von ihrer Sensibilität und Präzision. Die Kunsthalle Wien ist stolz darauf, die wohl wichtigste Ausstellung ihres Spätwerks (Aller-Retour, 25. November 2005 – 12. Februar 2006) gezeigt zu haben, in der sie eindrucksvoll ihre unglaubliche künstlerische Frische unter Beweis stellte. Sie war eine Frau, die mich als Mensch und Künstlerin zutiefst beeindruckte, dafür gilt ihr mein herzlicher Dank.“
(Quelle: OTS, APA)

links:

zu diesem Anlass zeigt das Guggenheim Museum online die Retrospektive der Künstlerin aus dem Jahr 2008 noch einmal, online

Tate, online – blog:  work of the week: „maman“ von Louise Bourgeois

Hommage des Centre Pompidou an Louise Bourgois

video aus der 3sat Mediathek, „Stations: Louise Bourgeois“

Bilder die die Welt bewegten – im Kunsthaus Wien

März 14, 2010 1 Kommentar

Derzeit präsentiert die neue Ausstellung „Kontroversen“ im KUNST HAUS WIEN eine spektakuläre Problemgeschichte der Fotografie. Sämtliche der rund 100 Fotos waren Gegenstand von Kontroversen – teils gesellschaftlich-medialer, teils rechtlicher Art.
Zu erleben ist eine zum Teil berührende, manchmal aufregende Reise durch die Welt und den Wandel von öffentlich gewordenen Fotografien. Unter den gezeigten Bildern finden sich zahlreiche weltberühmte Aufnahmen, darunter Arbeiten von Fotografen wie Man Ray, Robert Capa, Lewis Carroll, Henri Cartier-Bresson, Oliviero Toscani, Robert Mapplethorpe oder Todd Maisel.

Michael Light
OAK, 8.9 Megatons, Enewetak Atoll 1958, 2003
© 2003 Michael Light

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion führten tausende Atombombentests durch. Die Risiken, die dadurch für ihre Soldaten und die im Umkreis der Testgebiete lebenden Menschen entstanden, scheint die US-amerikanische Regierung unterschätzt zu haben. Der Sicherheitsabstand zum Detonationsort wurde von elf auf drei Kilometer verringert. Fotografien der Tests dienen später als Beweisstücke in den Gerichtsverfahren, die von Überlebenden der Experimente und Bewohnern der vom radioaktiven Niederschlag betroffenen Regionen angestrengt werden. Nach ihrer Freigabe werden die ehemals unter Verschluss gehaltenen Dokumente auch für künstlerische Zwecke verwendet. Michael Light etwa präsentiert in seiner Ausstellung „100 Suns“ (100 Sonnen) und dem gleichnamigen Bildband bearbeitete Aufnahmen der Atom-versuche im Großformat. Er signiert und verkauft somit aus Archiven stammende Dokumente, die er aus der Anonymität holt und denen er einen neuen Stellenwert verleiht, indem er sie in Museen und Galerien zeigt.
Die Verwertung von Archivmaterial erweist sich als probates Mittel für die Umwandlung von Gebrauchsgegenständen in Kunstwerke, eine seit der Erfindung der Ready-mades durch Marcel Duchamp bekannte Übung. Light eignet sich Dokumente aus staatlichen Archiven an und verfremdet sie zu Objekten politischer und künstlerischer Kritik.

Gerichtliche, ethische und politische Kontroversen begleiten die gesamte Geschichte der Fotografie seit ihrer Erfindung im Jahre 1839. Die Regeln, die heute für journalistische und künstlerische Bilder gelten – oder eben nicht gelten – sind Ergebnisse dieser Konflikte und Diskussionen. Dennoch werden sie immer wieder von neuem hinterfragt. Die Ausstellung KONTROVERSEN. JUSTIZ, ETHIK UND FOTOGRAFIE dokumentiert diese spannungsgeladene
Historie durch zahlreiche Fallbeispiele. Dabei entsteht ein packender Parcours aus rund hundert Fotografien, die alle eine individuelle Geschichte erzählen. Dem Ausstellungsbesucher wird die Möglichkeit geboten, sich selbst ein Bild zu machen – denn der Mittelweg zwischen vorauseilender Zensur und kompromissloser Verteidigung der Meinungsfreiheit ist zwangsläufig das Ergebnis einer schwierigen subjektiven Entscheidung.
Arbeiten, die Grenzen überschritten oder neu definiert haben und damit nicht nur über das Medium Fotografie, sondern vor allem über Zeit, Gesellschaft und Justizentscheidungen Aufschluss geben, kurz: Sie fokussiert auf große, aber oft auch problematische Momente der Fotografie. Fotos werden seit Lewis Hines „Baumwollpflückerin in Texas“ (1912) erfolgreich als Mittel zum Schutz der Bedürftigsten eingesetzt, Fotos können aber auch selbst zum Teil einer zynischen Informationsgesellschaft werden, wenn Fotografen z.B. wegen einer Aufnahme in den Verdacht unterlassener Hilfeleistung geraten.
Mit „Der fallende Soldat“ (1936) lieferte Robert Capa die weltweit erste Aufnahme des Sterbens, Todd Maisels Bild „Die Hand, 11. September“ erschien trotz der Übereinkunft von TV- und Printmedien im Zusammenhang mit 9/11 keine Bilder von Leichen zu zeigen. Bis in die Gegenwart hinein werden so die Grenzen gesellschaftlicher Tabuzonen verfolgt.

Beispiele aus der Ausstellung:


OLIVIERO TOSCANI
Kissing Nun, 1992
© VBK, Wien 2010
Durch seine Zusammenarbeit mit dem italienischen Bekleidungskonzern Benetton in den Jahren 1982 bis 2000 erlangt der Fotograf Oliviero Toscani weltweite Bekanntheit. In den in diesen Jahren erscheinenden Werbekampagnen zeigt er sich stets provokant und direkt. Seine Plakate, in denen es um Aids, Krieg oder die Todesstrafe geht, entfachen polemische Diskussionen. Während er nach Ansicht der einen beim Zielpublikum einen Nachdenkprozess in Gang setzt, benutzt er in den Augen der anderen menschliches Leid für seine Zwecke.
„Kissing-Nun“ stellt den sinnlichen, profanen Kuss dem heiligen Gelübde der in den Ordensdienst eingetretenen Männer und Frauen gegenüber. Das Sujet, das einen Bruch des Zölibats darstellt, schockiert einen Teil der Öffentlichkeit. In Italien geben die Behörden schließlich dem Druck des Vatikans nach und untersagen die Verbreitung des Bildes. In Frankreich fordert die Selbstregulierungsstelle der Werbebranche auf zahlreiche Beschwerden religiöser Vereine hin die Entfernung der Plakate. In England dagegen wird „Kissing-Nun“ mit dem Eurobest Award ausgezeichnet. Umgekehrt wird das Foto eines noch blutverschmierten Neugeborenen mit Nabelschnur für eine Werbekampagne desselben Konzerns in Frankreich und Italien akzeptiert, in England aber zensuriert.


Frank Fournier
Omayra Sánchez, Armero, Kolumbien, 1985
© Frank Fournier / Courtesy Contact Press Images
Armero, Kolumbien, 1985, wenige Tage nach dem Ausbruch des Vulkans Nevado Del Ruiz. In der durch die Eruption ausgelösten Schlammlawine finden 24.000 Menschen den Tod. Die Fotografie von Frank Fournier zeigt Omayra Sánchez, ein kleines Mädchen, das bis zum Hals im Schutt und Schlamm feststeckt. Zwei Tage und drei Nächte hindurch versuchen die Rettungskräfte, das Mädchen zu befreien, doch die Bergeausrüstung trifft nicht rechtzeitig ein. Schließlich fordert die Erschöpfung ihren Tribut, Omayra stirbt an Herzversagen.  Ihre Würde und ihre Tapferkeit bewegen die ganze Welt. Fournier erkennt rasch, dass er nicht helfen kann. Hunderte von Opfern brauchen sofort ärztliche Hilfe, um zu überleben. Angesichts des Gefühls der Ohnmacht, das ihn befällt, wird ihm klar, dass das einzig Sinnvolle, was er tun kann, darin besteht, Bilder von Omayras Leiden in die Welt zu tragen. Aber auch noch nach der Auszeichnung seines Bildes mit dem World Press Photo Award im Jahr darauf quälen ihn Zweifel: Ist es möglich, Leiden zu zeigen, ohne dabei die Würde der Leidenden zu verletzen? Würden wir uns jedoch noch an die Tragödie von Armero erinnern, wenn uns dieses Foto nicht so erschüttert hätte?


DAVID LACHAPELLE
Angelina Jolie, Horseplay, 2004
©
David LaChapelle Studio / Courtesy Fred Torres Collaborations)
Wiewohl David LaChapelle ein Künstler von Weltrang ist, wird so manchem Verleger bange, wenn er den Namen des Fotografen hört. Aufgrund seiner von Sinnlichkeit und Ambiguität geprägten Ästhetik kommt es bei der breiten Veröffentlichung seiner Arbeiten nicht selten zu Konflikten.
Im Mai 2004 erscheint dieses Foto auf dem Titelblatt des Magazins „Photo“. Das Bild kündigt eine Fotostrecke mit dem Titel „Frauen und Pferde“ an. Die Verantwortlichen für den Vertrieb in der Schweiz unterwerfen sich aus Angst, die Bilder könnten in den Verdacht der Sodomie geraten, der freiwilligen Selbstzensur und verzichten darauf, die betreffende Ausgabe in den Handel zu bringen. Lieber wollen sie ganz sicher gehen, nicht gegen das gesetzliche Verbot der Verbreitung von Bildern, die „sexuelle Handlungen mit […] Tieren“ zum Inhalt haben, zu verstoßen. Jedoch ist es in der Schweiz erlaubt, ein pornografisches oder sodomitisches Bild in Umlauf zu bringen,  wenn dieses von schützenswertem kulturellem oder wissenschaftlichem Interesse ist.
Die Vertriebspartner hätten sich auf diese Ausnahmebestimmung berufen können. Dieselbe Ausgabe von „Photo“ erscheint im Übrigen weltweit – ohne die geringsten Probleme. In unserer Gesellschaft, in der Konflikte zunehmend vor Gericht ausgetragen werden, bleibt der Mittelweg zwischen vorauseilender Zensur und kompromissloser Verteidigung der Meinungsfreiheit zwangsläufig das Ergebnis einer schwierigen subjektiven Entscheidung.

KONTROVERSEN. JUSTIZ, ETHIK UND FOTOGRAFIE
bis 20. Juni 2010

KUNST HAUS WIEN
Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien.
Telefon +43 1 712 04 95, Fax +43 1 712 04 96.

Öffnungszeiten: täglich 10.00 – 19.00 Uhr
Eintrittspreise: € 9,-, ermäßigt € 7,-
Führungen: Sonn- und Feiertag um 15.00 Uhr und gegen telefonische Voranmeldung

Bruno Gironcoli – (k)ein Nachruf von daheim?

Bruno Gironcoli, einer der bedeutendsten Künstler unseres Jahrhunderts, starb vor einigen Tagen im Alter von 73 Jahren. Man könnte sagen, seine Kunst habe ihn „umgebracht“, denn die Arbeit mit den giftigen Dämpfen seiner Arbeitsmaterialien war Ursache seines schweren Leidens. Die Verarbeitung von Polyester hatte ihn krank gemacht und auch seltsam körperlich entstellt. Manchmal dachte ich, dass er eigentlich ganz gut zu seinen ausserirdisch anmutenden Figuren und Objekten passe – er hatte selber etwas „Magisches“.

Ich hatte einmal die Gelegenheit, in einer kleinen Giesserei in der Steiermark in einer Ecke (Bild oben: im Hintergrund Gironcoli’s Skulptur) auf eine Plastik von Bruno Gironcoli zu stossen, die dort auf ihre Bearbeitung oder Fertigstellung (oder Abholung?) wartete. Selbst in dieser unprätentiösen  Werkstattumgebung und ziemlich versteckt: mystisch, unwirklich, phantasievoll und nicht zu übersehen! (blogbeitrag über diese Giesserei)

und hier das fertige Original : am Vorplatz zum Klagenfurter Hauptbahnhof

Dass Gironcoli in seiner Arbeit ein visionärer Wegbereiter für unzählige Bildhauerkollegen und -studenten (- er leitete bis 2004 die Meisterschule für Bildhauerei der Akademie der bildenden Künste in Wien) ist unbestritten. Und dass er kompromisslos war: sich selbst und seiner Kunst gegenüber!
Und er war – man möchte fast sagen „natürlich“ (!?!) – international viel mehr geschätzt als in seiner Heimat Österreich, bestes Beispiel dafür ist das Gironcoli-Museum in Herberstein, dass anscheinend die Arbeit des Künstlers lediglich fürs eigene Renommé benützt.

Was ich ganz besonder ignorant und arrogant empfand, als ich -  auch heute wieder – die Webseite des Bruno Gironcoli-Museums besuchte: da findet man Hinweise und Infos über Veranstaltungen und kommerzielle Hinweise für Besucher -
und kein einziges Wort, kein Hinweis, ja nicht einmal eine Zeile in der Biografie des Künstlers, dass er verstorben ist. Kein Statement des Museumskurators, oder ähnliches,…schrecklich!

Die letzte Zeile in der Gironcoli-Biografie auf der Webseite des Gironcoli-Museums lautet:
„Der Künstler lebt in Wien.“

Es gibt aber doch einge seriöse Quellen & Artikel mit mehr Infos (direktlinks):

DerStandard
DerStandard-Fotoblog von Matthias Cremer (Fotos von Gironcoli-Plastiken & Bruno Gironcoli)
Die Presse
Wiener Zeitung
Salzburger Nachrichten
Bruno Gironcoli, Wikipedia
Galerie Altnöder (auch einige Fotos und Werkbilder!)
kunstmarkt.com

audio: Radiobeitrag Ö1

mal was anderes…

…zur Abwechslung – und nicht nur, weil zur Zeit allerlei seltsame Musik in der (Faschings)Luft liegt – ein ansprechendes musikvideo:

Enzo Darren: „kNot“

Die älteste & teuerste Kamera der Welt wird versteigert

Am 29. Mai 2010 versteigert WestLicht Photographica Auction in Wien eine historische Sensation ersten Ranges: Einen „Daguerréotype“, die erste kommerziell hergestellte Kamera!


Peter Coeln, CEO von WestLicht Photographica Auction in Wien, mit dem ‘Daguerreotype Giroux’ von 1839. Die erste kommerziell verkaufte Kamera der Welt wird bei der WestLicht Photographica Auction am 29. Mai 2010 in Wien versteigert. Der Schätzpreis liegt zwischen 500.000 – 700.000 Euro.

Die hölzerne Schiebekastenkamera wurde im September 1839 von Alphonse Giroux, dem Schwager von Louis-Jacques-Mandé Daguerre in Paris hergestellt. Daguerre, der Erfinder des ersten praktikablen fotografischen Verfahrens, hat die Kamera zum Zeichen ihrer Authentizität persönlich signiert. Nur fünf Tage nach der öffentlichen Bekanntmachung der Erfindung der Fotografie erschien am 24. August 1839 in Paris die erste Anzeige für den „Daguerréotype“ im „Journal des Débats“. Es ist nicht überliefert, wie viele Kameras insgesamt von Giroux hergestellt wurden – da es aber sehr bald preisgünstigere und verbesserte Kameras zu kaufen gab, wird die Gesamtzahl eher bescheiden gewesen sein. Heute sind weltweit nur einige wenige Exemplare bekannt, die sich alle in öffentlichen Museen befinden.


Die Hersteller-Plakette des ‘Daguerreotype Giroux’ von 1839 mit der eigenhändigen Unterschrift des Erfinders Daguerre.

Der „Daguerréotype Giroux“, der bei WestLicht Auktion versteigert wird, war bisher völlig unbekannt und wurde niemals publiziert. Die Kamera war seit Generationen in norddeutschem Privatbesitz. Bemerkenswert ist der hervorragende Originalzustand des über 170 Jahre alten Gerätes. Niemals vorher wurde eine solche Kamera zum Verkauf in einer Auktion angeboten. Die deutsche Fassung der Originalanleitung aus 1839 ist auch Bestandteil dieses sensationellen Fundes.


Der ‘Daguerreotype Giroux’ von 1839
Es wird erwartet, dass der von WestLicht Auktionen gehaltene Weltrekordpreis für eine Kamera in der Höhe von 576.000 Euro um einiges übertroffen wird. Der Startpreis beträgt Euro 200.000, der Schätzpreis Euro 500.000 – 700.000.
Der „Daguerréotype“ ist derzeit im Fotomuseum WestLicht
ausgestellt.

fotocredits: alle Fotos © Westlicht, Pressefotos

Nachtrag, 31. Mai 2010:

Die Kamera wurde versteigert: der erzielte Rekordpreis betrug 732.000 Euro!
Artikel daüber die Versteigerung in der „Presse

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