Okt
08

Der renommierte, international anerkannte Bildhauer Karl Prantl (Bild: Karl Prantl auf seinem Skulpturenfeld in Pöttsching 2007 by artstage), Gründer des “1. Internationalen Bildhauersymposions St. Margarethen” (1959), erhält den mit 30.000 Euro dotierten “Großen Österreichischen Staatspreis 2008″. Er wird wenige Tage nach dem 85. Geburtstag des Künstlers, den er am 5. November feiert, überreicht: am 25. November um 15 Uhr in der Aula der Akademie der Bildenden Künste Wien.

mehr darüber auf Bildhauersymposion St.Margarethen
und auf Ö1

Der Große Österreichische Staatspreis, mit 30.000 Euro dotiert, wird seit 1950 im Jahresrhythmus ohne festgelegtes Rotationsprinzip an österreichische Künstler der Sparten Literatur, Musik, Bildende Kunst und Architektur vergeben.
Die Preisträger der vergangenen Jahre waren:
2002 Heinz Karl Gruber in der Sparte Musik,
2003 Siegfried Anzinger im Bereich Bildende Kunst,
2004 Günther Domenig für Architektur,
2005 Hermann Nitsch für Bildende Kunst,
2006 der Komponist Georg Friedrich Haas und
2007 Josef Winkler in der Sparte Literatur.

kleine, persönliche, Anmerkung am Rande:
Im Mai 2007 erhielt Karl Prantl den “Mainzer Sparda-Bank-Preis” in Deutschland,
einen der höchstdotierten Künstlerpeise überhaupt: mit 70.000 Euro dotiert, inklusive Publikation und Ausstellung aber bei mehr als 100.000 Euro angesiedelt. Dieser Preis wird alle zwei Jahre von der Sparda-Bank für besondere Leistungen der Kunst im öffentlichen Raum verliehen.

Aug
29

Hermann Nitsch, einer der berühmtesten Künstler des “Wiener Aktionsmus” feiert heute seinen 70. Geburtstag. Aussergewöhnlich, wie seine Kunst ist auch das Geschenk, das ihm sein Freund und Förderer Beppe Morra in Neapel macht: ein eigenes Museum, das “Museo Archivio Laboratorio per le Arte Contemporanee Hermann Nitsch” (dt.: Museum, Archiv und Werkstätte für Gegenwartskunst Hermann Nitsch)! Erbaut nach den Plänen des Architekten Rosario Boenzi, mtten in Neapel gelegen, wird der Neubau im September 2008 eröffnet werden. Es wird das erste Museum sein, das sich ausschließlich der Dokumentation und Forschung der Aktionen des Aktionisten - und nicht zu vergessen: auch Komponisten! - Hermann Nitsch widmet. Es wird auch ein Geruchs-, Geschmacks- und Farblabor beinhalten.

Anfang der 70er Jahre, nachdem Beppe Morra das erste Mal auf der Dokumenta die Werke Hermann Nitsch’ kennenlernte, begann die Lebensfreundschaft der beiden Männer: Beppe Morra wurde nicht nur zu einem der größten Nitsch-Sammler sondern brachte den Künstler auch nach Neapel, dessen Kunstszene sich danach - wie er meint - nachhaltig veränderte. Neapel mit seinem erzkatholischen Hintergrund und der Lebensfreude und Sinnlichkeit seiner Bewohner scheint die leidenschaftlichen Arbeiten von Hermann Nitsch besser zu verstehen als jedes andere, “tolerante” Land. Nitsch ist inzwischen zum bewunderten “Säulenheiligen” von Neapel geworden, wie es vor kurzem eine TV-Dokumentation bezeichnete.

Der “Maestro” bekommt also am 13. September 2008 sein eigenes Museum. Und wird das Fest in einer Umgebung geniessen können, die ihn und seine Kunst liebt, versteht und respektiert - anders als in Österreich, wo er bis heute die Öffentlichkeit polarisiert. Und obwohl es eine Vielzahl von Gegnern gibt, steigen die Preise für seine Bilder und Objekte am internationalen Kunstmarkt in schwindelnde Höhen.
Viel Feind, viel Ehr’?

Ein sinnliches, ekstatisches Fest der Freude wünsch ich zum Geburtstag!
Alle Gute, Maestro!

Links:
Hermann Nitsch & sein Orgien-Mysterien-Theater

Hermann Nitsch, Wikipedia

Museumszentrum Mistelbach

Museo Archivio Laboratorio per le Arte Contemporanee Hermann Nitsch, Neapel

Sammlung Essl

Aug
14

Gott-sei-lob-und-dank! Es gibt noch Dinge, die mich zum Staunen bringen können! Und gleichzeitig die Augen zum Strahlen!
Als ich gestern ziemlich “schlaff” und von der Hitze k.o. mich vor dem Bildschirm niederließ, durchquerten seltsam anmutende Kreaturen die Mattscheibe und nahmen mich sofort “gefangen”: es waren die faszinierenden kinetischen Skulpturen des holländischen Künstlers Theo Jansen. Optisch scheinbar ungelenk, aber mit einer anmutig empfundenen Bewegung liefen (oder gingen? …) sie über den Strand, ausschließlich von der Kraft des Windes angetrieben - bzw., wie später der Künstler erklärte, “… ihre Nahrung ist der Wind”. (Der wunderbare Filmbeitrag von 3sat, hier)


Theo Jansen’s “Rhinozerus”, 3,5 Tonnen schwer

“Sie können sich selbständig bewegen und sie haben eine Art von Gehirn und ein Gefühl für Wasser, und sie haben Sinne. Das ist nicht einfach nur Luft, wovon ich rede.”

Seit 1990 entwickelt der Künstler seine “Strandbeests”, für welche er 2005 auch den “Prix Ars Electronica” bekam. Die skelettartigen Gebilde, nun schon in der 7. Generation einer Evolution in Richtung eigenständig lebender Wesen, bestehen aus simpelsten Materialien: Plastikrohre, Kabelbinder, Nylonfäden, Klebebänder. Und einem selbst entwickelten Verfahren zur Speicherung der Windenergie. So sind die Strandbiester auch bei Flaute beweglich. Bei ankommendem Sturm verankern sie sich selbstständig im Sand und ändern die Laufrichtung, wenn sie ins Wasser kommen.

“Ich habe das Gefühl, eine Aufgabe zu haben: Menschen glücklicher zu machen. Ich glaube, das ist ein guter Grund, um so etwas zu tun, oder nicht?”

O ja! Wie recht du hast! Dies scheint in diesen Zeiten notwendiger denn je: man schüttet uns zu mit überschäumendem negativem menschlichen “Irr”-Sinn und dessen Auswüchsen. Und dann kommst du, Theo Jansen, und gibst uns mit deinen wunderschönen Skulpturen Freude , Energie und Motivation zurück!

Die Funktionsweise seiner kinetischen Skulpturen erklärt Theo Jansen auf folgendem Video (die letzten 2 Minuten sind die Werbung eines Automobilherstellers, der die Zusammenarbeit mit Theo Jansen pflegte).
Youtube ist im Übrigen ein unerschöpfliches Reservoir von Filmen von Theo Jansen’s Strandbeests und den unzähligen Versuchs-Beispielen seiner Nachahmer!

Aug
07

Mit großer Freude und Genugtuung habe ich heute die Information von Eberhard Hauff (www.zuzuku.de) erhalten:

Karl Prantl’s “Stein zur Meditation”, im Bild oben noch in seinem Skulpturenfeld in Pöttsching, heute im Landesmuseum Mainz

Heute findet im Landesmuseum Mainz eine Festveranstaltung für den österreichischen Bildhauer und Gründer der Bildhauersymposien Karl Prantl (84) statt: anlässlich der Ausstellungseröffnung “Karl Prantl. Stein und Leben” wird im Rahmen eines Museumsfestes im Beisein des Künstlers die Skulptur “Stein zur Meditation” an das Landesmuseum Mainz übergeben.

Wenn schon nicht im eigenen Land, dachte ich … - und: wie war das mit dem Propheten im eigenen Land? - einerseits freue ich mich, dass dem verdienten Künstler im Ausland höchste Ehrungen zuteil werden - andererseits bin ich traurig, dass man ihn im eigenen Land dermaßen ignorant behandelt!
Wie aussagekräftig ist der Umgang mit der zeitgenössischen Kunst für die Gesellschaft (oder auch nur die Kulturpolitik?) eines Landes?


hier Karl Prantl bei der Vernissage der Alanus Kunstuniversität Bonn auf “seinem” Symposionshügel in St.Margarethen, Juli 2008

Am 9. September, 18:00 Uhr findet im Landesmuseum Mainz eine Sonderveranstaltung im Rahmen der Ausstellung statt, ein Künstlergespräch von Prof. Jo Enzweiler mit Karl Prantl.

Karl Prantl. Stein und Leben
7. August - 5. Oktober 2008

Landesmuseum Mainz
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz
Große Bleiche 49 - 51
55116 Mainz
Tel.: 06131 / 28 57-0
Fax: 06131 / 28 57-288

Öffnungszeiten
Montag geschlossen
Dienstag 10.00 - 20.00 Uhr
Mittwoch-Sonntag 10.00 - 17.00 Uhr

Aug
03

Der “Nodbach_kunstmonat BERGLER” ist eröffnet!


v.l.n.r: Fritz Bergler, Rudi Pinter, NR Bgm. Gerhard Steier, Andreas Roseneder


Vernissage im Nodbach-Ateliergarten

Zahlreiche Besucher konnte das Nodbach-Team und der Künstler Fritz Bergler bei der Eröffnung begrüßen, die in einer sehr entspannten Atmosphäre stattfand, wie NR Bgm. Gerhard Steier in seiner Eröffnungsrede mit Freude anmerkte.


NR Bgm. Gerhard Steier im Gespräch mit Hausherrn Rudi Pinter

Bgm. Gerhard Steier stellte auch erfreut fest, dass der vom Nodbach-Team organisierte, jährlich stattfindende “Kunstmonat” zu einer erfreulichen und spannenden Kulturveranstaltung in Siegendorf geworden ist, die von der Gemeinde Siegendorf gerne unterstützt wird. Die Werke von Fritz Bergler hätten ihn schon beim erstmaligen Durchblättern von Bergler’s neuem Katalog überzeugt und beeindruckt. Das Lob, das er dem Ideenreichtum und dem Arbeitseifer des Nodbach-Teams aussprach, hat uns nicht nur sehr gefreut sondern auch entsprechend für die Zukunft motiviert!


v.l.nr: “3xDr.” = Dr. Daniel Bidner, Dr. Josef Peresich und Dr. Franz Piribauer


v.l.n.r: Dorit Schopper mit Partner Dr. Josef Peresich


Der Künstler im Freundeskreis: Fritz Bergler, Mitte

Fritz Bergler ist ein Künstler von internationalem Format, seine Arbeiten zeigen die Intelligenz eines Philosophen und Wissenschaftlers, seine Techniken sind weit entfernt von jeglicher Zufälligkeit oder Beliebigkeit. Hausherr Rudi Pinter betonte bei der Eröffnung, welche Freude und Ehre es für ihn sei, dass “…ein Künstler seines Kalibers…” im Nodbach-Atelier seine Werke ausstellt.






Die Eröffnung wurde zum Fest und viele Gäste blieben bis in die späten Abendstunden, wo man bei Kerzen und Fackelschein noch den schönen Sommerabend und die Kunst von Fritz Bergler genoss.

Wir freuen uns schon auf die Besucher, die mit uns im Monat August Die Kunst von Fritz Bergler genießen werden!
(Geöffnet täglich von 14:00 bis 18:00 Uhr - außer am 15. August - im Nodbach-Atelier, Fabriksgasse 43, A-7011 Siegendorf)

Jul
15

Ein Mensch (um im Eugen Roth-Stil zu beginnen) der sich für Kunst interessiert kommt vor allem im Sommer nicht umhin zu bemerken, dass landauf-landab “Symposien” wie Pilze aus dem Boden schießen! Kaum eine Region, in der in diesem Sommer nicht mindestens ein Symposion abgehalten wird!

In Anbetracht der - leicht zu missdeutenden - Begriffserklärung von “Symposion” sei hier gesagt, dass ich nicht der Meinung bin, jeder Barbesuch bzw. jedes gemeinsame Besäufnis wäre hier in diesem Beitrag als Symposion gedacht! Obwohl …? Na ja, es könnte passieren, dass man bei der “ungenierten” Verwendung des Begriffs Symposion eine Tages sich zum Friday-Night-Symposion trifft ….? (Im Winter finden meist die wissenschaftlichen bzw. educational symposia statt … !)
Hier ist auf jeden Fall ein Symposion gemeint, das Künstler für einen bestimmten Zeitraum zusammenbringt, um gemeinsam zu arbeiten, zu wohnen und sich auszutauschen - heute auch gerne als “vernetzen” bezeichnet!

alle Bilder: Bildhauersymposion Maria Saal 2008, Ktn.

Zu den eingefleischtesten “Symposianern” gehören die Bildhauer, für die das temporäre gemeinsame Arbeiten und Wohnen mit internationalen Kollegen inzwischen fast zum “Beruf” gehört. Als 1959 Karl Prantl damit begann, die Welt mit dem Bildhauer-Symposionsgedanken vertraut zu machen (siehe) , begann der Siegeszug des Bildhauersymposions: die Bildhauer trafen sich dort, wo der Stein wächst - in der unmittelbaren Nähe von Steinbrüchen, später auch im freien Feld - und auf dem ganzen Globus. Frei von Atelierzwängen, frei von allen Meisterschul-Zwängen - mitten in der Natur. Zeitlich immer dann, wenn das Klima für die Arbeit im Freien optimal war, daher - bei uns - meist im Sommer.
Der Besuch bei den Symposien - und zwar nicht nur bei der Vernisssage! - ist nicht nur für Kunst-Liebhaber ein Vergnügen! Ansonst eher Uninteressierte haben als Zuschauer eine leichte Möglichkeit, mit Künstlern zu kommunizieren - und genießen das in diesem offenen Raum!
Natürlich ist überall auf der Welt grad Sommer, daher finden die Symposien international über das ganze Jahr verteilt statt. Eingefleischte Symposianer könnten also das ganze Jahr als Teilnehmer auf Symposien irgendwo auf dem Globus verbringen, wenn …. ja, wenn da nicht als grundlegende Bedingung zur künstlerischen Arbeit auch die Kontemplation und eigene Reflexion nötig wären! Was man mit Künstlerkollegen am Symposion ausführlich diskutiert, mit Besuchern dort kommuniziert und selbst an Eindrücken mitnimmt - das muss erst individuell “verarbeitet” werden.
Und so zieht sich mancher Künstler nach der Teilnahme wieder zurück aus dem kommunikativen Umfeld eines Symposions in die kontemplative Welt des Ateliers, wo die Sicht auf die Welt sich in neuen Werken niederschlägt.

Derzeit aktuelle Symposien bzw. vor kurzem zu Ende gegangene - in Anbetracht der Vielzahl nur Beispiele:

Bildhauersymposion Maria Saal, Kärnten
Symposion “wood feels good” - more: link zu Ö1-Beitrag von Eva Hillinger (ORF)
Bildhauersymposion St.Margarethen
Bildhauersymposion, Australien
Symposion über Bildhauersymposien, Leeds (UK)

Eugen Roth, zum Abschluss ;-)

Kunst
Ein Mensch malt, von Begeisterung wild,
Drei Jahre lang an einem Bild.
Dann legt er stolz den Pinsel hin
Und sagt: “Da steckt viel Arbeit drin.”
Doch damit was´s auch leider aus:
Die Arbeit kam nicht mehr heraus.

Apr
28

Ich hab mir nicht viele Gedanken darüber gemacht, was - wenn überhaupt! und in welchem Umfang - mir eventuell ins Haus schneien würde. Ob überhaupt jemand reagiert, und in welchem Zeitrahmen. Aber ich habe da einige Leute gewaltig unterschätzt!
Nun halte ich 2 ausführliche Kataloge in Händen, zugesandt mit freundlichem Begleitschreiben aus Linz: “Linz 2009, Programmbuch 1/3″ und das aufwendig gestaltete “Linz Buch”.

Meine Neugier auf neue Kunstprojekte führte mich auf die Webseite von Linz 2009.

Schon auf der Startseite begann für mich die Faszination beim Anblick dieser Headline:
“Politik liebt Kunst”.
Hmmhh?!
Nun ja, ich weiß dass die Politik die Kunst braucht, und zwar mehr als ihr lieb ist und auf jeden Fall mehr als sie bereit ist zuzugeben! Ich weiß auch, dass die Politik die Kunst “ge-” und “miss-” -braucht und das oft schamlos in aller Öffentlichkeit. Und dass die Anzahl des Ge- und Missbrauchs von Kunst durch die Politik sich nicht im gleichen Verhältnis in der Kunstförderung zeigt - die Kunst schon lange ein günstiger Kostenfaktor zur politischen Gewinnmaximierung ist. Wenig Einsatz, maximale Ausbeute: Künstler quetschen selbstausbeuterisch und durch hohen persönlichen und privaten finanziellen Einsatz das Letzte aus sich heraus, “damit das Projekt gelingt”. Politiker schmücken sich mit den Ergebnissen.
So das gewohnte Bild.

Ein ganz anderes Bild bekam ich, als ich die vielen Termine las, an denen der Intendant von Linz 2009 Martin Heller mit Politikerinnen und Politikern bei der Veranstaltung “Politik liebt Kunst” darüber spricht, was ihnen Kunstwerke und Kunst bedeuten. “Öffentlich, in der Sammlung des Lentos, und hoffentlich mit Gewinn auch für die Kulturpolitik “- - - wie man auf der Webseite anmerkt.
martin_heller_038.jpg
Martin Heller, Intendant von Linz 09
by Marc Wetli Zürich, Oktober 2006

Das war die erste Veranstaltungsserie, um die ich Linz beneidete. Solche Diskussionen - zumindest ernstgemeinte - sind hierzulande schier unmöglich.

In “meinem” kleinen, touristisch offenem, aber künstlerisch eher “nicht-klimatisierten” Bundesland schier unmöglich. “Kunst ja - aber nur, wenn sie touristisch verwertbar ist!” - scheint die Devise hier zu sein. Auch wenn namhafte Künstler sich in diesem Niemandsland ansiedeln oder Wochenend-Domizile haben - die wenigsten davon ziehen eine ernsthafte Ausstellungstätigkeit hier in Erwägung (siehe Walter Pichler, der zur Zeit eine fantastische Ausstellung in Innsbruck hat. Er wird seine - verständlichen - Gründe haben!)

Da ist es kein Wunder, wenn wir (ich weiß mich mit meiner Meinung in guter Gesellschaft) bewundernd und fast neidisch nach Linz blicken und die Aktivitäten 2008 und 2009 in Linz in unseren Terminkalender schreiben!

Link: Linz 2009

Feb
28
“… Es ist noch niemand arm geworden,
wenn er die Intelligenz seines Publikums unterboten hat!…”

.

Dolores Schmidinger zitierte in einem Interview anlässlich der Premiere (4. März 08) aus dem Stück “Heisshunger”.
Das wahnwitzige Katz- und Mausspiel im medialen Promi- und Pseudopromi-Irrsinn wurde von zwei Journalisten geschrieben, die es ja wissen müssen: von „profil”-Journalistin und Polly-Adler-Kolumnistin Angelika Hager und dem langjährigen Chefredakteur des „Kurier”-Magazins „Freizeit” Michael Horowitz.

schmidinger.jpg
Dieter Chmelar & Dolores Schmidinger
Fotocredit: Rabenhof / pertramer.at

Zum Inhalt, der uns hinlänglich bekannt vorkommen müsste !
(aus dem Rabenhof-Pressetext):
“… Sie legt sich auf den medialen Wühltisch, um ihre abgehalfterte Karriere noch einmal aus dem „Off” zu kriegen.
Für einen popeligen Kabelsender zieht sich der heruntergekommene Ex-Star, der heute höchstens noch als „Tatort”-Leiche besetzt wird, aus – die ehemalige Diva lässt sich 24 Stunden beim Leben zusehen.
Dolores Schmidinger spielt diese Susanne Steiner, die bei ihrer exhibitionistischen Gratwanderung von ihrem Producer ständig an ihre Grenzen getrieben wird. Und demonstriert dabei so schonungs-, wie hemmungslos, wie nahe Komik am tragischen Abgrund liegen kann.
Der Mann, der Schmidinger beim Zocken um die eigene Würde anpeitscht, ist der Journalist und langjährige ORF-Moderator Dieter Chmelar, der die Brutalität des TV-Geschäfts aus erster Hand kennt…”

Persönliche Anmerkung:
Fast skurril dabei der traurige Anblick der - augenscheinlich - vielfach “gesichtsrestaurierten” Dolores Schmidinger (Alter:62). Wie “der Tupfen auf dem i” passt (oder auch nicht - who knows?) ihr chirurgisch in den vermeintlichen Jungbrunnen gefallenes Gesicht - da ist kein Theatervisagist mehr nötig!

Eigentlich wollte ich zuerst nur das obige Zitat ohne jeden Kommentar bloggen, habe mir dann aber überlegt, dass dieses Stück Gesellschaftskritik ein sehenswerter Denkanstoß sein könnte, daher:

schmidinger2.jpg
“Heisshunger”, mit Dolores Schmidinger und Dieter Chmelar
Premiere: 4.März 08
Rabenhof Theater
A-1030 Wien; Rabengasse 3

Feb
22

Wer kennt sie nicht, die Charakterköpfe des Franz Xaver Messerschmidt? Sie sind auch den weniger Kunstinteressierten bekannt, ja man könnte sagen: sie sind populär. Dieses Attribut bekommen Werke aufgrund ihres Bekanntheitsgrades, egal ob es sich um bildende Kunst oder z.B. Musik handelt.

“Populär” hat noch keine Aussagekraft über die künstlerische bzw. inhaltliche Qualität, nachzuvollziehen an den diversen “Ablegern” der “Pop-Art” , Popmusik, Populär-Politikern und diversen anderen “Populisten”, etc.
Das Oeuvre von Franz Xaver Messerschmidt erfüllt jedoch nur nebenbei den “pop”-Effekt: zu vielschichtig und inspirativ ist sein Gesamtwerk, das noch viele Sparten der Wissenschaft beschäftigen wird - und viele Kunst-Connaisseure und -laien!

charakterkopf1.gif Gerne betrachten wir auch heute die Charakterköpfe von Messerschmidt. Sie bieten ein willkommenes Untersuchungsobjekt, sowohl für den visuellen Betrachter als auch für die Wissenschaft.
(oder wie es die FAZ beschrieb: “… gnadenlos realistische Momentaufnahmen … mit beißendem Spott dargestellt..”)

Man scheint sich noch nicht ganz darüber klar zu sein, über die Beweggründe des Künstlers:
anatomische Analyse oder ästhetische Betrachtung?

Interessant sind die Köpfe des ehemaligen “Hofbildhauers” von Maria Theresia und ihrem Gatten Franz Stefan von Lothringen allemal. Einige seiner Köpfe steigern sich bis zur extremen Grimasse, was der Popularität nicht undienlich ist / war.
Für den Betrachter ermöglichen die teilweise grotesken, manchmal irritierenden (für mich selber auch oft erheiternden!) Gesichter die kurzweilige Beschäftigung mit der emotionalen Darstellung des menschlichen Antlitz’.

Die Werke von Franz Xaver Messerschmidt waren und sind für viele nachkommende Künstlergenerationen wahre Fundgruben in Sachen Inspiration! (siehe z.B. Arnulf Rainer, …)

Nun bietet eine Ausstellung im Belvedere in Wien die Möglichkeit eines direkten Vergleiches:

installation.gifTony Cragg >< F. X. Messerschmidt
Ausstellungsdauer: bis 25. Mai 2008
Belvedere, Prinz Eugen-Str. 27, A-1030 Wien
Foto: Installation Shot, © Foto Belvedere, Wien
.

Der 1949 in Liverpool geborene und heute in Deutschland lebende Tony Cragg ist einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Bildhauer.

“… Seine Skulpturen fesseln durch ihre Lebendigkeit und Wandelbarkeit. Im Focus von Tony Craggs Arbeiten steht die Kombination von Material, Form und Inhalt. Im Belvedere werden vor allem Werke ausgestellt, in denen der Künstler von menschlichen Körperformen und unterschiedlichen Silhouetten von Gesichtsprofilen ausgeht und diese bis zur Unkenntlichkeit verfremdet.
Es geht dem Künstler nicht darum, Porträts zu schaffen, sondern um Emotion und Ausdruck. Die Verfremdung der Silhouette wird durch die Fragmentierung der Skulptur in einzelne elliptische Scheiben erreicht, die übereinandergelegt werden. So entsteht eine topografische Anordnung, die die ursprüngliche Silhouette stellenweise noch erahnen lässt, aber nicht mehr eindeutig zuordenbar macht.

(siehe dazu die Anmerkungen des Künstlers Andreas Roseneder /alias “René Desor” : “womenscapes / Frauenpfade”)

cragg.gifTony Cragg, “Level Head”, 2005
Bronze
91×65x60 cm
Belvedere, Wien
© Foto Charles Duprat

Die Gegenüberstellung der Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt (geb. 1736) und Tony Cragg (geb. 1949) in der Orangerie soll das Werk beider unter neuen Gesichtspunkten untersuchen und neue Spannungsfelder aufwerfen…”

Einem anregenden Ausstellungsbesuch für Liebhaber, Laien und Experten steht somit Nichts mehr im Wege!


Jan
26

so lautet der Titel der Ausstellung im Essl Museum, Ausstellungsdauer: 25.01. - 20.04.08.

Mit dieser Ausstellung ehrt das Essl Museum den im Mai 2007 verstorbenen Künstler Jörg Immendorff, mit dem das Sammlerpaar Essl eine langjährige Freundschaft verband. Immendorff, ein Schüler von Joseph Beuys, gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlern nach 1945.

immendorf.jpg
JÖRG IMMENDORFF: In meinem Salon ist Österreich, 1995-1996
Öl auf Leinwand, 270 x 420 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© Sammlung Essl Privatstiftung, Sammlung Essl, Inv. Nr. 3453

Siebzig Werke aus der Sammlung Essl spannen einen großen Bogen vom Frühwerk der 1960er Jahre über die großen politischen Tableaus der 1980er Jahre bis zum Spätwerk, das oft sehr existenzielle Themen behandelt. Im Zentrum dieser Ausstellung steht “In meinem Salon ist Österreich”, eine speziell für das Sammlerpaar gemalte Werkserie, dessen zentrale Arbeit die Sammler inmitten bedeutender Künstlerinnen und Künstler Österreichs zeigt. Ergänzend dazu wird erstmals auch die 32-teilige Entwurfsserie gezeigt.

“Jörg Immendorff - was uns Malerei bedeuten kann”
Ausstellungsdauer: 25.01. - 20.04.08.
Essl Museum

link zu einem meiner früheren Beiträge über Jörg Immendorff