Archiv für 26. Januar 2008

Jörg Immendorff – was uns Malerei bedeuten kann

so lautet der Titel der Ausstellung im Essl Museum, Ausstellungsdauer: 25.01. – 20.04.08.

Mit dieser Ausstellung ehrt das Essl Museum den im Mai 2007 verstorbenen Künstler Jörg Immendorff, mit dem das Sammlerpaar Essl eine langjährige Freundschaft verband. Immendorff, ein Schüler von Joseph Beuys, gehört zu den bedeutendsten deutschen Künstlern nach 1945.

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JÖRG IMMENDORFF: In meinem Salon ist Österreich, 1995-1996
Öl auf Leinwand, 270 x 420 cm
Foto: Mischa Nawrata, Wien
© Sammlung Essl Privatstiftung, Sammlung Essl, Inv. Nr. 3453

Siebzig Werke aus der Sammlung Essl spannen einen großen Bogen vom Frühwerk der 1960er Jahre über die großen politischen Tableaus der 1980er Jahre bis zum Spätwerk, das oft sehr existenzielle Themen behandelt. Im Zentrum dieser Ausstellung steht „In meinem Salon ist Österreich“, eine speziell für das Sammlerpaar gemalte Werkserie, dessen zentrale Arbeit die Sammler inmitten bedeutender Künstlerinnen und Künstler Österreichs zeigt. Ergänzend dazu wird erstmals auch die 32-teilige Entwurfsserie gezeigt.

„Jörg Immendorff – was uns Malerei bedeuten kann“
Ausstellungsdauer: 25.01. – 20.04.08.
Essl Museum

link zu einem meiner früheren Beiträge über Jörg Immendorff

Oskar Kokoschka – Künstler!

In diesen Tagen musste ich oft an meine Schulzeit denken. Im Alter von 11 – 14 Jahren war ich ein – mehr oder weniger – begeisterter Internatszögling auf einer sogenannten „Klosterschule“. Meine Lehrerin im Unterrichtsfach Bildnerische Erziehung, Sr. Elfriede Ettl, war eine begeisterte Anhängerin von Oskar Kokoschka, den sie durch ihre Teilnahme an Kokoschka’s Sommerakademie in Salzburg kannte. Und eine Multiplikatorin von Kokoschka’s „Schule des Sehens“. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass ihre Verehrung für den „großen Meister“ den Rahmen ihres Nonnendaseins sprengte – aber mein Urteilsvermögen war ja doch nur ein kindliches und Sr. Ettl eine exzellente Künstlerin, die ebenfalls als Klosterschwester mit ihrer künstlerischen Tätigkeit „anders“ war.

Abgesehen davon, dass ich in diesem Kunstunterricht festgestellt hatte, dass – trotz all ihrer Bemühungen – aus mir nie ein Künstler werden würde (mein Interesse und meine Neugier galten eher der Entstehung der künstlerischen Werke und den dahinterstehenden Künstlerpersönlichkeiten), Oskar Kokoschka begann mich schon damals zu faszinieren. Dafür bin ich meiner Kunstlehrerin für immer dankbar!

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©Pressefoto des Belvedere, 2008:
Ausstellungseröffnung – „Oskar Kokoschka: Träumender Knabe – Enfant terrible“, Fotografiert von Niko Formanek

Wer ist diese faszinierende Künstlerpersönlichkeit Oskar Kokoschka, der immer wieder als „Enfant terrible“ bezeichnet wird – sogar die gestern eröffnete Ausstellung im Belvedere trägt diese Bezeichnung?
Schon als junger Maler schockierte er die Wiener Gesellschaft. Alfred Weidinger, Kurator des Museums für angewandte Kunst, in einem Kokoschka-Porträt von 3sat, gestern: „Bis zu einem gewissen Grad war er mit Sicherheit ein durchgeknalltes Genie. Er war ein sehr emotioneller, sogar ein irrsinniger Mensch. Jemand, der seine Emotionen sofort nach außen bringen mußte.“

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©Pressefoto des Belvedere, 2008:
Die „Alma-Puppe“ von Oskar Kokoschka, Fotografiert von Niko Formanek

Faszinierend ist auch die leidenschaftliche Liebesbeziehung von Oskar Koskoschka zu Alma Mahler: Diese wurde bereits im Alter von 17 Jahren von Gustav Klimt heiß verehrt, hatte eine stürmische Liebesbeziehung mit dem Komponisten Alexander von Zemlinsky, heiratete dann den um vieles älteren Gustav Mahler, hatte zu dessen Lebzeiten eine Affäre mit dem berühmten Bauhaus-Gründer Walter Gropius, den sie nach dem Tod ihres Mannes und nach der Affäre mit Oskar Kokoschka heiratete. Nach der Scheidung von Gropius heiratete sie den Schriftsteller Franz Werfel, mit dem sie in die USA auswanderte.
Dieser Frau war Oskar Kokoschka verfallen: Nachdem sie ihn verlassen hatte, drehte er völlig durch. Er verarbeitete seine Verletzungen künstlerisch und – ließ sich eine „Alma-Puppe“ bauen, sein Liebes- und Hassobjekt, mit deren Ausführung er letztendlich nicht wirklich zufrieden war: Die Puppe war ja doch nur aus Eisbärenfell, als benutzbarer Fetisch also bald ungeliebt.

Diese Leidenschaft, die sich auch in seinem künstlerisches Oeuvre zeigt, übt auf den Kunstinteressierten eine unglaubliche Faszination aus! Oskar Kokoschka – ein Beispiel für eine wahrhaftige, „echte“ Künstlerpersönlichkeit.

2008, das „Oskar-Kokoschka-Jahr“ in Österreich, mit verschiedenen Schwerpunkten:

Oskar Kokoschka: Träumender Knabe – Enfant terrible
Ausstellungsdauer: 24.01. – 12.05. 2008
Belvedere, Wien

Oskar Kokoschka – Exil und neue Heimat 1934-1980
Ausstellungsdauer: 11.04.-13.07.2008
Albertina, Wien

Oskar Kokoschka – Ein Vagabund in Linz. Wild, verfemt, gefeiert.
Ausstellungsdauer: 31.5. – 5.10.2008
Lentos Museum, Linz



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