Archiv für November 2008

contemporary colors: Andreas Roseneder

Andreas Roseneder „stripes“, 2008

In seinen neuen Bildern pflegt der Maler Andreas Roseneder einen extatischen Umgang mit der Farbe, bleibt aber trotzdem dem Erzählerischen in seinen Bildern treu. Gleichzeitig experimentiert er mit neuen Materialien und neuer Maltechnik. Der Titel seiner, am 18. Dezember startenden Ausstellung in Eisenstadt, gibt bereits Hinweis darauf: „Andreas Roseneder: acryl & vinyl“.
Nachdem er sich in den letzten beiden Jahren intensiv dem Audruck von farbintensiven Bildern in Aquarelltechnik widmete (siehe ...) , konnte er sich in diesem Jahr der immer wiederkehrenden Lust am Experiment nicht verschliessen. Es entstanden – neben seiner Themenserie für das nächste Jahr (Näheres wird noch nicht verraten!) – eine Reihe von farbintensiven, poetischen Kunstwerken von derjenigen Art, die man gerne um sich haben möchte, die sich täglich neu „lesen“ lassen.
Apropos lesen: die Ausstellung findet in den Geschäftsräumen des PANNOrama-Verlag statt, für welchen Andreas Roseneder als René Desor (literarisches Ananym) auch als Kulturredakteur tätig ist.

Ausstellung „Andreas Roseneder: acryl & vinyl“, ab 18. Dezember 2008 in Eisenstadt

„Weltgrößtes Fresko“ von Gottfried Helnwein in Wien

Eröffnung des Gemäldes von Gottfried Helnwein (29.11.2008)

Im Bild Gottfried Helnwein vor seinem Gemälde „Der lange Atem wird kürzer“, 2008, Oil and acrylic, Linke Wienzeile, Wien, klimafonds.at
©Foto: Thomas Preiss, APA-OTS

Auf einer Feuermauer an der Linken Wienzeile in Wien-Mariahilf haben 4 Assistenten (!!!), eingeflogen aus den USA, nach dem Entwurf des Künstlers an dem „weltgrößten Fresko“ des österreichischen Künstlers Gottfried Helnwein gearbeitet. Helnwein hat die über 300 Quadratmeter große Arbeit für den Klima- und Energiefonds entworfen. Er werde die Arbeiten „selbst überwachen“, gab der Künstler zuvor bekannt.

Die Geschäftsführer des Klimafonds, Eveline Steinberger und Ingmar Höbarth: „Wir möchten damit das Bewusstsein für den Klimaschutz schärfen“, so Steinberger. Die Kosten des Bilds beziffert die Geschäftsführerin mit etwa 70.000 Euro. Der Klimafonds komme lediglich für die Miete der Fläche sowie Gerüst, Farben und andere Spesen auf. Helnwein verzichte auf sein Honorar..

Gottfried Helnwein, (*1948 in Wien) studierte an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Heute lebt er abwechselnd in den USA und Irland. Helnwein ist besonders für seine realistischen Porträts verletzter und gequälter Kinder bekannt. Mit seinen Bildern und Installationen sorgte er immer wieder für Skandale. So etwa 1973 mit einem Titelbild für das „profil“: Helnwein malte ein Mädchen, das sich die Pulsadern aufschlitzt. [dpa].

… wo sind die Zeiten hin, da manch Künstler noch persönlich Hand an seine Großformate anlegte?

Anne-Sophie Mutter, offizielle Ehrung

roli

Aussenministerin Plassnik bei der Preisverleihung an Anne-Sophie Mutter, Foto: roli

Österreich hat die Geigenvirtuosin Anne-Sophie Mutter mit einem Orden geehrt. Die 45-jährige gebürtige Deutsche mit österreichischem Pass nahm am Mittwoch, 26. November 2008 das „Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich“ aus der Hand von Außenministerin Ursula Plassnik entgegen.Mutter wurde unter anderem für ihren Einsatz für die Initiative „Welt ohne Minen“ geehrt. Sie habe außerdem mit ihrer Arbeit für den musikalischen Nachwuchs Zeichen gesetzt, sagte Plassnik.
1977 hatte Mutter in Salzburg unter der Stabführung von Herbert von Karajan mit Mozart’s Konzert für Violine und Orchester Nr.3 + Nr. 5 debütiert – der Beginn ihrer Weltkarriere als Geigensolistin. Dem Maestro fühlt sie sich noch immer tief verbunden, was man einem Interview mit der FAZ deutlich entnehmen kann. (zum Artikel, wo sie diese bemerkenswerte Karajan-Anekdote von sich gibt: „Karajan steigt in Berlin-Tegel aus der Maschine, und der Taxifahrer fragt ihn: Wohin, Maestro? Karajan antwortet: Egal, ich werde überall gebraucht!“)
„Musik ist das Blut, das in meinen Adern fließt“, sagt Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter über sich selbst. Jahr für Jahr wird das ehemalige Wunderkind mit neuen Preisen und Auszeichnungen überschüttet. Doch die Mutter zweier Kinder lebt nicht nur für die Musik. Seit 20 Jahren setzt sie sich ein für die Förderung des Musiknachwuchses in Deutschland, engagiert sich für Waisenkinder und Aids-Kranke.

Ihr glamouröses Image widerspricht ihrer Ernsthaftigkeit als Musikerin. Doch die unermüdliche Perfektionistin hat die Fähigkeit, Kunstcharakter und Natürlichkeit, Technik und Gefühl miteinander zu verbinden. Das hat ihr weltweit grenzenlose Bewunderung eingebracht. Der Musikkritiker Joachim Kaiser nannte sie einmal ein „Geschenk an die Welt“.
Bemerkenswert ist Anne-Sophie Mutter’s intensive Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Kompositionen. Offen für Neues und auf der Suche nach neuen Aspekten in ihrer künstlerischen Persönlichkeit. Es gibt nur wenige Interpreten von Weltklasse, die sich so intensiv mit diesen neuen Werken auseinandergesetzt haben, wie Anne-Sophie Mutter.Viele Komponisten haben speziell für sie Stücke geschrieben: Henri Dutilleux, Sofia Gubaidulina, Wolfgang Rihm wie auch Ex-Ehemann André Previn. (dazu ein 3sat-Video-Ausschnitt aus einem Interview mit Gero von Böhm, hier)
Mutter ist neben vielen anderen Auszeichnungen auch Trägerin des deutschen Bundesverdienstkreuzes I. Klasse und Ehrenmitglied der Royal Academy of Music. Ihre Konzerte bestreitet sie mit einer ihrer zwei wertvollen Stradivaris.
Links: Webseite von Anne-Sopie Mutter, Webseite der Mutter-Stiftung

Mit dem Wintereinbruch nimmt die Zahl der Ehrungen und Preisverleihungen zu. Man scheint sich gegen Jahresende darauf zu besinnen, welch wertvolle und wichtige Arbeit Künstler für die Gesellschaft leisten. Anhand der Gewichtung der Kulturförderung im Staatshaushalt kann man dies sonst schwerlich ersehen.Da agiert man immer noch so, als wäre die Kunst ein schöner Zeitvertreib, den man sich gelegentlich leistet. Und wie praktisch: sie dient noch dazu der medialen Imageaufwertung von Politikern und Firmen durch eine positive Präsenz in den Medien! – ….kostet fast nichts, bringt aber viel!…
Die Geehrten selbst jedoch haben Ihre Anerkennungen auf jeden Fall verdient, ob sich nun jemand in ihrem Glanz sonnt oder nicht!

Hintergründig und geistreich im Witz: Paul Flora

Paul Flora. Wenn ich seinen Namen höre oder lese, zieht ein inneres Schmunzeln auf und eine geballte Ladung Sympathie durchzieht mich. Es ist schon viele Jahre her, als ich erstmals mit seinen Zeichnungen Bekanntschaft machen durfte. Es waren Buchillustrationen, die – normalerweise ein eher weniger beachtetes Dasein in „Erwachsenenbüchern“ führend – in meinen Ansichten und Lesegewohnheiten ein individuelles Eigenleben entwickelten: je öfter man sie betrachtete, desto mehr Geschichten konnten sie erzählen. Und für Paul Flora’s Geschichten habe ich immer was übrig gehabt.

wikipedia commons

Magdalena Hoermann and Paul Flora at an exhibition - Photo by Henryart (wikipedia commons)

Nun habe ich entdeckt, dass er eine große aktuelle Ausstellung in Wien hat und kann mir vorstellen, dass nicht Wenige von demselben Flora-Virus angesteckt sind. Und wenn -noch- nicht: einen Versuch ist es allemal wert!

Paul Flora Es grünt so grün
Paul Flora „Es grünt so grün“
Handkolorierte Radierung, 2008
Auflage 200, Plattengröße 20 x 25 cm, € 260.-

„Der Zeichner und der Schriftsteller, diese Zwillinge, sind Erzähler. Sie fabulieren, berichten, träumen, klagen an, spotten, lachen und schwärmen. Zu allem braucht man Welt: Palmen, Gesichter, Pluderhosen, Kirchenportale, Kentauren, Blumentöpfe, Karyatiden, Generäle und reisende Engländer. Beide Zwillinge hantieren mit Stift und Feder. Beide schreiben, was sie zu erzählen haben, auf Papier. Der eine bedient sich der Buchstaben. Der andere schreibt in Bilderschrift. Und er hat den beneidenswerten Vorteil, daß seine Geschichten, Anekdoten, Pamphlete, Hymnen und Humoresken nicht übersetzt zu werden brauchen. Für den Zeichner gibt es keine Fremdsprachen. Er schreibt in der Muttersprache aller Völker. Paul Flora ist ein Bildschriftsteller. Er ist ein Literat“. Erich Kästner

Monsieur Corbeau mit drei Raben im Geäst
Paul Flora
„Monsieur Corbeau mit drei Raben im Geäst“
Handkolorierte Radierung, 2001
Auflage 200, Plattengröße 20 x 25 cm, € 350.–

„Der Tiroler Paul Flora ist der Denker und Grübler unter den Karikaturisten. In seiner zeichnerischen Dialektik setzt sich die Gegenwart mit der Vergangenheit auseinander und verliert die Partie. Flora ist nicht ohne Traurigkeit. In seinem Werk sind Welten untergegangen und wir ahnen, daß auch wir untergehen. Die Gegenwart scheint von der Vergangenheit umklammert, kommt nicht von ihr los, wird selber zur Vergangenheit, wird von ihr verschluckt. Nur auf dem Umweg über die Vergangenheit wird daher eine Aussage über die Gegenwart möglich: die Gegenwart liest sich an ihrer Vergangenheit ab. Paul Flora schreitet rückwärts in die Zukunft. Das scheint unzeitgemäß in einer Zeit, in der jeder, der da pinselt, schreibt oder komponiert, gleich die Gegenwart verändern will. Doch ist es nicht unwissenschaftlich. Schließlich treiben wir in einem Meer von Vergangenheit dahin, lehrt die Astronomie. Die Sterne, die uns umgeben, sind Vergangenheit, und blicken sie auf uns, glotzen ihnen Dinosaurier entgegen.“ Friedrich Dürrenmatt

„Ich hege große Bewunderung für Paul Flora. Er gehört zu den Zeichnern, die unsere Epoche zu bereichern vermögen und ich staune immer wieder über seine Ideenvielfalt. Ich ziehe brüderlich meinen Hut vor ihm.“ Georges Simenon

Ausstellung:
Paul Flora
(seine Webseite hier)
Fauna, Fabeln und Figuren
Zeichnungen & Radierungen
Bücher & Kalender 2009
GALERIE GERERSDORFER
Währinger Straße 12
1090 Wien
Tel +43-1-310 84 84
Öffnungszeiten bis Weihnachten: Mittwoch – Sonntag 11:00 – 20:00 Uhr
Signierabend: Sonntag, 7. Dezember, 18 – 20 Uhr

Nachtrag vom 16. Mai 2009:
Gestern starb Paul Flora in Innsbruck im Kreise seiner Familie.
Mein aktueller Artikel zu diesem – nicht nur für die Kunstszene – traurigen Anlass -  hier

Künstlerfamilien

Das naheliegende Beispiel: die „Prantls“!

Wahrscheinlich ist da wirklich was dran an diesen, von kreativem Geist durchzogenen Familien! Vor vielen Jahren noch war ich tief beeindruckt, als mir ein japanischer Bildhauer erzählte, das es Familientradition sei, sich dem bildhauerischen Werk zu verschreiben. Seit Generationen wären alle seine Vorfahren Bildhauer gewesen, und alle sehr bekannt und erfolgreich – ausser seiner Mutter, die wäre die Seele der Familie, und „unkreativ“, wie er betonte.

Ähnlich scheint es bei der burgenländischen, international agierenden Familie Prantl zu sein – mit der Ausnahme, dass es da kein einziges unkreatives Familienmitglied gibt:
Karl Prantl (seit kurzem 85), Gründer der Internationalen Bildhauersymposien, erhält demnächst den Grossen Österreichischen Staatspreis – seine Frau Uta Peyrer-Prantl ist eine erfolgreiche und bekannte Malerin, ebenso Tochter Katharina Prantl. Sohn Sebastian Prantl ist als Choreograph und Tänzer international erfolgreich und hat mit seiner – ebenfalls erfolgreichen – Frau Cecilia Li (die als Konzertpianistin international auftritt) das Tanz Atelier Wien gegründet.

Da kann man dann mit Fug und Recht behaupten, dass in solch einer Familie ein besonderer, ja fast beneidenswerter, Geist herrscht! Mag sein, dass ich mir auch einmal Ähnliches in meinem familiären Umfeld gewünscht hätte – tja, man kann nicht Alles haben! Schon allein der Gedanke, dass bei Zusammenkünften und Familienfesten alle wissen (!), was gesprochen wird… – welch lebendiger, anregender Diskurs kann hier geführt werden…!
Ich selbst werde wohl auch dieses Weihnachten lieber keinen meiner angeblich „revolutionären“ Gedanken äussern….um des lieben Frieden willens…

Cecilia Li (Bild), Absolventin des Mozarteum Salzburg, wird am Samstag, 15. November 08, 19:30 Uhr einen Klavierabend mit Musik von Eric Satie und F. Chopin im Lisztzentrum Rading geben – ganz sicher umgeben von unzähligen Musikfreunden – und dem kreativen Prantl-Familienclan!


as time goes by …

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