Les Paul – zum Geburtstag einer Legende

„Wenn ich mich den Leuten vorstelle, sind sie stets überrascht festzustellen, dass ich keine Gitarre bin und auch nicht tot!“ – Les Paul

Dieser oft von ihm getätigter Ausspruch sagt viel aus über den genialen Mann, der 2009 im Alter von 94 Jahren seine Musiker- und Tüftlerlaufbahn für immer beendete. Viele verbinden mit dem Namen Les Paul zuerst nicht den Musiker Les Paul, sondern die nach ihm benannte, zum Mysterium avancierte, von Musikern heiss begehrte und von Fans angestaunte  E-Gitarre der Sonderklasse. Der Musiker Les Paul, als Lester William Polsfuss in Wisconsin geboren, hat durch vielerelei Tüfteleien – Musiker würden mich ob dieser unfachmännischen Beschreibung wahrscheinlich steinigen ;-) –  sein “Werkzeug” (Gitarre) seinen Wünschen und Vorstellungen angepasst. Zeitgemäß angepasst, denn mit ihm begann die Zeit der elektronischen Gitarrenverstärker, die uns Musikfans in den 70ern vor den Rockbühnen schier rasend werden ließen: Guitarheroes mit Les Paul-Gitarren, das waren schon die Sahnehäubchen unter den Rockbühnen-Zauberern!

hier ein live-Video aus dem Jahr 2008 (Les Paul im Alter von 93 Jahren!!!) in einem Jazzclub in NYC:

und noch ein Video, anlässlich seines Todes sprechen Joe Satriani und Slash über Les Paul:

Die Frage ist berechtigt: “simply watercolours?”

seasonal aggregates III, "éclair floral", 2010, aquaBrique auf Canson-papier
Andreas Roseneder: seasonal aggregates III, "éclair floral", 2010, aquaBrique auf Canson-papier

Heute wird die Ausstellung “Andreas Roseneder: AQUA – simply watercolours?” in der Eisenstädter Rathaus-Galerie eröffnet.  Wie farbenprächtig und vielfältig die künstlerische Arbeit “mit und am Wasser” sein kann, demonstriert der Künstler Andreas Roseneder hier in eindrucksvoller Weise!

Wenn ich da an meine – zugegeben subjektive – Assoziation mit dem Wort “Aquarell” denke, das ich in der Vergangenheit mit blässlichen, fast farblos gewässerten Bildern für Bibliotheken oder Beamtenzimmer verbunden habe – damit hat Andreas Roseneder’s Aquarell-Malerei aber schon gar nichts zu tun! Seine Bilder sind modern, entsprechen der Zeit und sind in meinem – wieder: subjektiven – Verständnis von zeitgemäß – höchst “contemporary”!!!

Was hier an Kunstwerken in der Rathaus-Galerie gezeigt wird, ist nicht nur bezüglich  der Anzahl der gezeigten Werke bemerkenswert, denn über 75 Bilder ziehen den Betrachter in einen “… Strudel sich in alle Richtungen bewegender Formen, die uns kontemplativ und konzentriert locken und umgarnen. Es sind schillernde Akkorde hochgestimmter Farbsymphonien, die als strahlende Energiespender dominieren…” (Zit.: Kunstkritiker Bernhard Dobrowsky im Ausstellungskatalog “AQUA – simply watercolours?”)

“… Seine Farbschwünge entwickelt Roseneder angeleitet von Landschaftseindrücken, die er in freie Abstraktion umsetzt. Farbkurven verdeutlichen fließende Bewegungsrhythmen. Eine leuchtende Lebendigkeit voll vitaler Farbwürde lockt eindringlich. Schwungvoll geführte Farbklänge vollführen mit künstlerischer Zauberschrift ein triumphierendes Fest…”

Zu diesem Fest kann sich der Kunstinteressierte nun bis 14. Februar 2011 in die Rathaus-Galerie begeben und sich verzaubern lassen.

Eine künstlerische Aktion ist während der laufenden Ausstellung zum Anlass der “Langen Nacht der Museen” geplant: der Künstler Andreas Roseneder startet zweimal an diesem Abend eine Mal- & Videoperformance – gemeinsam mit Daniel Eselböck (Video).

“Andreas Roseneder: AQUA – simply watercolours?”
Rathausgalerie Eisenstadt
Eröffnung/Vernissage: 30. September 2010, 19:00 Uhr Ausstellungsdauer: bis 14. Februar 2011
Öffnungszeiten: Mo – Do 8-16 Uhr, Fr 8-13 Uhr

“water body portrait image”
performance mit
aquarellmalerei (Andreas Roseneder) &
video (Daniel Eselböck)

Lange Nacht der Museen 2. oktober 2010,
Rathausgalerie Eisenstadt, jeweils 19.oo & 21.oo Uhr

Louise Bourgeois gestorben

“Der Künstler opfert der Kunst das Leben, nicht weil er es will, sondern weil er nicht anders kann.” – Louise Bourgeois

“My luck was that I became famous so late that fame could not destroy me.” – Louise Bourgeois

Die französisch-amerikanische Malerin und Bildhauerin Louise Bourgeois ist tot.
Die als eine der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart geltende New Yorkerin starb am Montag im Alter von 98 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. Das bestätigte ihre Agentin Wendy Williams. Weltbekannt sind vor allem die riesigen Bronze-Spinnen von Bourgeois, unter denen Menschen wie kleine Insekten wirken.

Louise Bourgeois © BBC/Arena

Die 1911 in Paris geborene Bourgeois galt als Grande Dame der Gegenwartskunst. Ihr Werk ist in zahlreichen großen Museen vertreten, darunter im New Yorker Museum of Modern Art, im Centre Pompidou in Paris, in der Londoner Tate Gallery und im Museum Ludwig in Köln. 1993 bestückte Bourgeois den amerikanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, 1999 wurde sie als Teilnehmerin dieser Kunstschau mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Frankreich hatte sie 1938 für ihren Ehemann Robert Goldwater, einen Kurator am Museum of Modern Art, verlassen.

Louise Bourgeois galt zeitlebens als eine Künstlerin mit großen Selbstzweifeln – in Bezug auf ihre Rolle als Tochter, später als Ehefrau, Mutter und Künstlerin. “Ich habe Angst vor allem, einfach vor allem”, sagte sie einmal. Die Sorge, Anforderungen der Familie nicht gerecht zu werden, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk der Künstlerin, deren Werke in Deutschland unter anderem in der Akademie der Künste Berlin oder in der Kunsthalle Bielefeld zu sehen waren.

Zu den frühen Motiven der Bildhauerin gehört der nackte weibliche Körper, dem ein Haus auf den Kopf gestülpt ist. Zehn Jahre lang, von 1945 bis 1955, befasste sich die dreifache Mutter immer wieder mit der “Femme Maison”, deren Zuhause gleichzeitig ein Gefängnis ist. Persönliche Enttäuschungen und tiefer Schmerz spiegeln sich in den Installationen der Grande Dame der Bildhauerei ebenso wie Hass und Wut. “The reticent child” (Das verschlossene Kind) nannte sie im Jahr 2003 eine Anordnung von vier weiblichen und zwei kindlichen Figuren, zwischen denen es keine Annäherung gibt. Louise Bourgeois verarbeitet darin die Trauer über das Verhältnis zu ihrem Sohn Alain, einem Jungen, der die Liebe seiner Mutter nicht erwidern konnte. “Es ist schwer, ein Künstler zu sein und die Tür zu den Träumen verschlossen zu halten”, schrieb die am Anfang ihrer Karriere in den Kreisen der Surrealisten lebende Bourgeois.

Von drastischer Kompromisslosigkeit ist das 1974 entstandene altarähnliche Werk “Destruction of the father” (Zerstörung des Vaters). Mehr als 20 Jahre nach dem Tod ihres dominanten Vaters richtete – und ehrte – Louise Bourgeois den Mann mit einem kannibalistischen Mahl, das in rotes Licht getaucht ist. Aus Stoff-Fetzen genähte lebensgroße Puppen von Bourgeois – mit meist üppigen Brüsten, Stummelarmen und unübersehbarem weiblichen Genital – betonen die Opferrolle der Frau, und unterstreichen einmal mehr den Ruf der gebürtigen Pariserin als radikal-feministische Künstlerin. dpa

Bourgeois war auch Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste Wien, wobei sie die bisher einzige Künstlerin war, der diese Ehre zuteil wurde. Sie war auch Trägerin des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Es handelt sich um die höchste Auszeichnung der Republik Österreich auf diesem Gebiet, die maximal 36 Österreicher und 36 Ausländer (jeweils zur Hälfte Künstlern und Wissenschaftlern) gleichzeitig besitzen dürfen.

Reaktionen:
Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien zum Ableben von Louise Bourgeois: “Traurig und bestürzt musste ich den Tod von Louise Bourgeois zur Kenntnis nehmen. Louise Bourgeois war nicht nur eine starke selbstbewusste Frau, sondern wohl auch eine der wichtigsten, herausragendsten und wunderbarsten Künstlerinnen unserer Zeit, fernab von Zeitgeist und Kunstbetriebsamkeit. Bis zuletzt verstand sie es die Kunstwelt mit ihren immer innovativen und radikalen Ideen und Werken zu verzaubern. Eine unglaubliche Kreativität und Fantasie, aber auch Freiheitsliebe und Menschlichkeit beseelte ihre Arbeiten. Noch vor wenigen Wochen konnte ich wunderbare Werke von Louise Bourgeois für eine nächstes Jahr geplante Ausstellung auswählen, wobei ich wieder einmal fasziniert war von ihrer Sensibilität und Präzision. Die Kunsthalle Wien ist stolz darauf, die wohl wichtigste Ausstellung ihres Spätwerks (Aller-Retour, 25. November 2005 – 12. Februar 2006) gezeigt zu haben, in der sie eindrucksvoll ihre unglaubliche künstlerische Frische unter Beweis stellte. Sie war eine Frau, die mich als Mensch und Künstlerin zutiefst beeindruckte, dafür gilt ihr mein herzlicher Dank.”
(Quelle: OTS, APA)

links:

zu diesem Anlass zeigt das Guggenheim Museum online die Retrospektive der Künstlerin aus dem Jahr 2008 noch einmal, online

Tate, online – blog:  work of the week: “maman” von Louise Bourgeois

Hommage des Centre Pompidou an Louise Bourgois

video aus der 3sat Mediathek, “Stations: Louise Bourgeois”