Hilfe oder Kolonialisierung? Wie gut ist „gut gemeint?“

In den Vormittagsstunden erreichte mich heute folgende OTS (Originaltext der APA Austria Presse Agentur)-Aussendung im Rahmen meines „Kultur“-Abos:

„Pressegespräch: Danke Nicole Ebner! Die Volontärin kehrt aus dem Kongo zurück

Wien (OTS) – Die 25-jährige Hotelkauffrau und Freiwilligenhelferin Nicole Ebner hat sich in den vergangenen Wochen für die Eröffnung des „Cafe Mozart“ in der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa eingesetzt. In diesem Projekt der Don Bosco Schwestern, werden Jugendliche zu Bäckern und Konditoren ausgebildet. Vergangene Woche war die Salzburger Volontärin der Don Bosco Freiwilligenorganisation VIDES während heftiger Unruhen in der Stadt mit 20 Jugendlichen im Cafe Mozart eingeschlossen.
Nicole Ebner berichtet nach der überstandenen Krisensituation über ihre Erfahrungen als Freiwilligenhelferin der Don Bosco Schwestern: ———- [Anm.: es folgt die Einladung und der Termin zum Pressegespräch———–]

„Cafe Mozart“ – eine einzigartige Bäckerei im Kongo

Seit 1926 widmen sich die Don Bosco Schwestern (FMA) gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos im Gebiet der heutigen Demokratischen Republik Kongo der Ausbildung und Betreuung von Mädchen und Burschen aus ärmsten Verhältnissen. Die oberösterreichische Ordensfrau Sr. Hildegard Litzlhammer FMA initiierte 1997 den Aufbau einer Schule in Kinshasa und ein Programm für die Betreuung von Straßenkindern. Diese Jugendlichen erhalten jetzt im neu eröffneten „Cafe Mozart“ eine qualifizierte Bäcker- und Konditorausbildung. Durch die gute Lage im Diplomaten- und Universitätsviertel erhofft man sich viel Kundschaft. Mit den Einnahmen aus dem laufenden Betrieb wird die vielfältige Arbeit der Don Bosco Schwestern für Straßenkinder finanziert. Zahlreiche österreichische Initiativen unterstützen das Projekt wie die Don Bosco Partnerorganisation Jugend Eine Welt und die Caritas Oberösterreich………..“

Soweit die OTS-Aussendung. Hmmhh?
Ich versuche nun, meine erste Reaktion in einem Wort zu beschreiben: Entsetzen!
Warum? Nicht darum, weil diese hochlöbliche, verdienstvolle Don Bosco Vereinigung ihre größten Anstrengungen unternimmt, um Jugendlichen in vielen benachteiligten Regionen zu helfen! Nicht darum, weil unzählige Freiwillige, Spender und sonstige Unterstützende mit Rat und Tat dabei sind! Nicht darum, dass man mit größten Anstrengungen erreicht hat, eine Ausbildungsmöglichkeit für Jugendliche in einer sehr armen Region zu schaffen! Dazu meine allerhöchste Hochachtung!
Was mich so entsetzt hat, waren zwei ins Auge springende Umstände:
1. dass man in den Kongo (!!!???!!! hallo, das ist in Afrika!!!) ein“Café Mozart“ exportiert – ohne Berücksichtigung, dass dort eine vielfältige Kultur vorhanden ist. Eine Jahrtausende alte Kultur (auch Esskultur!) – angeblich stammt der Mensch ja von „der Mutter“ Afrika ab – welche sowohl dem Klima angepasst ist als auch den Menschen, die dort wohnen! Absurder geht’s wohl nicht, oder?
Doch, es geht! Denn:
2. denkt man bei der Errichtung dieses Cafés an die elitären Konsumenten des Diplomatenviertels…!!!
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: afrikanische Jugendliche praktizieren bzw. lernen den Beruf des alpenrepublikanischen Zuckerbäckers, um damit die sich temporär in Afrika aufhaltenden bzw residierenden Botschaftersgattinnen, etc. mit europäischen Süßigkeiten zu versorgen.
????? hallo???!! ist da jemand?
Warum ist es diesen Jugendlichen nicht möglich, im Rahmen einer Ausbildung die Highsociety in Kinshasa mit den Köstlichkeiten der afrikanischen Küche bekannt zu machen? Mit Stolz und Freude die eigene Kultur zu re- und präsentieren?! Was für eine Motivation könnte ein afrikanischer Jugendlicher haben, den man die Weihen des K+K-Zuckerbäckers aufdrängt und den man in seiner Arbeit schon wieder abhängig macht: von den Rohstoffen (die natürlich nicht in Afrika zuhause sind) und von den reichen Konsumenten?

Mein zweiter Gedanke umkreiste meine Horrorvision des „Café Mozart“-Marketings: lauter junge, afrikanische Mini-Mozarts mit Perücke, Livrée und Flugzetteln in der Hand, laufen täglich durch das Reichenviertel und zu den Bus- und Flughafen-Terminals, um reiche Kunden in ihr Café Mozart zu locken.
Brrrr, igggitt!!!
Wo bleibt da der respektvolle Umgang miteinander, in gleicher Augenhöhe?

Zitat von irgendwem, kein Ahnung wer das war: „Gut ist das Gegenteil von gut gemeint.

Advertisements

Ein Gedanke zu “Hilfe oder Kolonialisierung? Wie gut ist „gut gemeint?“

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s