„in der heutigen Budgetrede kam nicht einmal das Wort Kultur vor…“

Heute morgen las ich diesen Satz in einem Bericht über die gestrige Budgetrede des „neuen“ Finanzministers Molterer. (Für Nichtösterreicher: ich spreche hier über die mit der Kultur und Landschaft so sachersüß philharmonisch walzernde werbende Alpenrepublik Österreich).
Und dass die Kulturschaffenden darüber „nicht sehr erfreut“ sein würden. Mich selbst hat diese Meldung mehr als erstaunt. Ich konnte nicht fassen, dass die neue Regierung unter der sonst scheinbar so kunstfreundlichen –  und dies im Wahlkampf ständig beteuernden – SPÖ dies zulassen würde. Geschweige denn, dies sogar abzusegnen! Wo sind all die „kunstverständigen“ Politiker, die sich geradezu darum reißen, Vernissagen zu eröffnen, Theaterpremieren und sonstige kulturelle Adabei-Ansammlungen nur ja nicht zu versäumen, sich ständig mit Künstlern „schmücken“, sich für imageträchtige Prestigefotos von ihren PR-Leuten vor aussagekräftige moderne Kunst zu platzieren und Kunstwerke als Insignien der Macht missbrauchen? Wo sind sie, die so gerne den Künstlern auf die Schulter klopfen, wenn eine Kamera in der Nähe ist? Haben sie im Parlament geschlafen, als dieses Thema behandelt wurde? War die Parlamentskantine zu diesem Zeitpunkt besser besucht als der Sitzungssaal? Es scheint, dass nur ein einziger Parlamentarier die Absurdität eines gekürzten (!!!) Kulturbudgets mitbekommen hat, wo doch schon alle Kulturschaffenden und -initiativen inklusive der großen Theater ihre ganze Hoffnung auf Angleichung (nicht einmal auf große Erhöhungen – dieser Illusion waren sie sich doch bewusst!) durch die neue Koalition unter der deklariert kunstfreundlichen SPÖ setzten. Der Abgeordnete, der sich nicht in der Kantine aufhielt und nicht schlief war ein grüner Abgeordneter! Ihm ist der Ausspruch im Titel zuzuschreiben.
Ich habe später sämtliche online-news durchforstet. Das kann doch nicht sein, dass da nicht irgendwo eine Spur Protest zu lesen ist! Oder zumindest leise Kritik? Bei der APA? Nein? Oder haben auch die Journalisten geschlafen? Den Künstlern sagt man ja ohnehin nach, spät aufzustehen. Nachtarbeiter eben. Die kreativen Einfälle können sich in der Nacht besser entfalten!?!
Ich hoffe auf morgen, wenn ich die Zeitung lese und ein wachgewordener Kunstschaffender endlich Stellung bezieht. Oder zahlt sich so ein Kampf nicht mehr aus im Festivalsumpf und Touristen- bzw Massenkultur-Mekka?
Bitte, nur einer! Wenigstens?!

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Ein Gedanke zu “„in der heutigen Budgetrede kam nicht einmal das Wort Kultur vor…“

  1. Heute ist Freitag (Karfreitag) der 6. April 07, und das Ergebnis meiner Medienbeobachtung der letzten Tage bringt mich wirklich in Karfreitagsstimmung:
    Es gab keinerlei Protest irgendwelcher Kunstschaffender bzw. Kulturinitiativen bezüglich des Kulturbudgets!
    Der Schluss, den man daraus ziehen muss: alle Künstler und Kunstschaffenden sind glücklich und zufrieden!
    Na dann: Frohe Ostern!

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