Empfehlung: Der unglaubliche Auftritt von Joshua Bell

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Amerika’s beliebtester Ausnahmemusiker Joshua Bell (Grammy-, Echo-, Emmi-Gewinner, „Classical Artist of the Year“, etc.) gab in Zusammenarbeit mit der Washington Post ein „experimentales“ Sonderkonzert: als Straßenmusiker, unerkannt, in Jeans, T-Shirt und Baseball-Kappe, in der Metrostation eines sehr belebten Büroviertels, unweit seines Appartments, mit versteckter Kamera gefilmt und beobachtet von den Mitarbeitern der Washington Post.
Normalerweise mit höchsten Konzertgagen engagiert, landeten dort in seinem offenen Geigenkasten $32.17 während der 3/4 Stunde seines unerkannten Auftritts. (Das Experiment endete, nachdem ihn die Besucherin eines seiner vorangegangenen Konzerte erkannt hatte.)
Mit einem Programm, das jeden Konzertsaal mehrfach füllen würde: von der „Chaconne“ und von Bach, Schubert’s „Ave Maria,….. – die schönsten und schwierigsten Musikstücke. Mit seiner Stradivari, die er irgendwann um 3,5 Mio $ erstanden hat.

„…Für Joshua Bell war das offenbar ein gelungener Lernprozess über Kunstöffentlichkeit, den Wert des Künstlers und zudem eine Grenzerfahrung sein Tun und seinen Ruhm betreffend: „Wenn ich für Eintrittskartenbesitzer spiele, habe ich schon einen Wert. Da habe ich nicht das Gefühl, dass ich erst akzeptiert werden muss, denn da bin es bereits“. Bell machte sich wohl schon vor dem Metro-Auftritt seine Gedanken über die neue Spiel- und Hörsituation, über seine „unbekannten“ Zuhörer: „Was ist, wenn ich ihnen nicht gefalle? Was, wenn sie meine Anwesenheit übel nehmen?“

Da hat sich ein berühmter Musiker von den Medien überreden lassen zu einer raren, soziologisch aufschlussreichen Musikaktion, zu einem Selbstversuch mit dem Publikum als dem „flüchtigen“ Wesen. Bar jeden Schutzes durch Karriere und Konzertsituation wollte Joshua Bell gewiss nicht nur sich und anderen einen Spaß machen, sondern auch erkennen, dass, umgekehrt, die alltäglichen, in allen Städten und Straßen der Welt von mittleren, kleinen und noch kleineren Musikern betriebenen ambulanten Klangaktionen auch Musik hervorbringen. Und dass sein eigener Status als Virtuose, als privilegierter, vom Erfolg verwöhnter Starmusiker auch dank dieser Erfahrung nicht ohne Verstörung bleibt….“ (Zit.: Süddeutsche Zeitung)

eine Empfehlung: den Artikel „Pearls Before Breakfast“ in der Washington Post zu lesen, und – für alle mit schneller Internetverbindung – die 3 Video-Cuts von der versteckten Kamera anzusehen.

Website Joshua Bell
Website CNN über den Gewinner des $75.000,- Fisher Prize, April 2007
Das ganze (!) Joshua Bell-U-Bahn-Konzert in voller Länge, jedoch nur als Audio-Vergnügen: hier

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