zum 70er: Peymann gibt „Zunder“

peymann.jpg„…Claus Peymann ist der personifizierte Theaterdonner – in mehrerlei Hinsicht. Als Regisseur und Theaterleiter hat er die Bühne zum Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung gemacht wie kein anderer vor oder nach ihm. Seien es seine unkonventionellen Aktualisierungen der Klassiker in den 70er Jahren in Stuttgart; die Auseinandersetzungen mit der politischen Klasse und das Spektakel um Thomas Bernhards „Heldenplatz“ in Wien; oder die vielen Uraufführungsinszenierungen der Stücke von Bernhard, Peter Turrini, Elfriede Jelinek oder George Tabori – mit all dem hat Claus Peymann „politische Zeitgenossenschaft“ auf der Bühne demonstriert – und Theatergeschichte geschrieben…“ [zit: deutschlandfunk]

Hier die OTS-Aussendung der Zeitschrift NEWS vom 30. Mai 07:

Peymann im Geburtstagsinterview:
„Burg ist Kasperltheater für Unterbemittelte, Shakespeare-Dramaturgie dramaturgischer Offenbarungseid“

Alt-Burgtheaterdirektor Claus Peymann, der am 7. Juni Siebzig wird, übt in einem sechsseitigen Geburtstagsinterview für die morgen erscheinende NEWS- Ausgabe schwere Kritik am aktuellen Zustand des Hauses. Peymann: „Ich habe soeben beim Berliner Theatertreffen „Viel Lärm um nichts“ gesehen, eine unsägliche Aufführung, die zeigt, dass das Burgtheater wieder bei seinen Anfängen angelangt ist: beim Kasperltheater für Unterbemittelte. Dort ist jetzt das Spaßtheater angekommen, das in Berlin schon wieder vorbei ist.“

Das Konzept, zwei Jahre lang nur Shakespeare zu spielen, bezeichnet Peymann als „dramaturgischen Offenbarungseid. Offensichtlich hat da niemand mehr Lust, sich ernsthaft mit Schauspielern, zeitgenössischer Literatur und überhaupt mit dem Theater auseinanderzusetzen. Die Branche lacht darüber wie über die 22 Mozart-Opern in Salzburg. Das ist nur eine kopfgeborene Verlegenheitslösung. Oder sind die Burgdramaturgen zu viel mit ihrer persönlichen Karriereplanung beschäftigt?“

Peymann weiter: “ Wir arbeiten an unserem eigenen Untergang mit diesem Faxen- und Schnellschusstheater in Konkurrenz zum Fernsehen, zu den Videoclips, zur Soap-Opera. Da halte ich leichten Herzens den Vorwurf aus, wir hätten aus dem BE ein Museum gemacht. (…) Aber die Menschen werden auch noch nach dem Atomkrieg spielen, an den Stränden und im Wald, wenn das Burgtheater ein Parkhochhaus oder die Staatsoper eine Disco geworden ist.“

Die Wiener Zeit bezeichnet er als „Königsetappe“. „So gut wie unsere dreizehn Jahre waren, kann es niemals wieder werden. Aber für diesen Weltrekord waren wir nicht nur allein verantwortlich. Das Land und seine Kultur war fest in der Hand der Ewiggestrigen. Einen besseren Boden als dieses heruntergekommene Wien, als dieses wirklich heruntergekommene Burgtheater konnte es nicht geben. Deshalb bin ich in Wien meinen Feinden am dankbarsten. Es war großartig, auf dieses reaktionäre Ensemble zu treffen, auf diese Lemuren und dieses Horrorkabinett mit seinem falschen Hochmut und seinen unerhörten Privilegien. Dazu diese Stadt! Die war reif zum Sturm. Wir haben sie gestürmt.“

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