Central Europe Revisited I – ein deutliches Signal

revisited.gifFotos by Galerie Hilger

Ein mehr als beeindruckendes Signal setzte die Esterházy Privatstiftung am gestrigen Sonntag! Unter dem Titel „Central Europe Revisited I“ wurde im bis zum letzten Platz gefüllten Haydnsaal im Schloss Esterhazy in Eisenstadt unter größtem Publikumsinteresse die Ausstellung von zeitgenössischer Kunst aus Kroatien, Österreich, der Slowakei und Ungarn – den historisch einstmals dem Esterházy-Wirkungskreis zugeordneten Ländern – vorgestellt. Die kuratorische Leitung des kulturellen Dialogs hatte Dr. Lóránd Hegyi, zusammengearbeitet wurde mit der Galerie Hilger, Wien.
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Foto: v.l.n.r.: Dr. Stefan Ottrubay(Generaldirektor der Esterházy Privatstiftung), Galerist Ernst Hilger und Dr. Lóránd Hegyi (Kurator) by Thomas Preiss, APA Fotograf

Nun hat das Schloss Esterházy eine großzügig angelegte Galerie, die sich hervorragend für die Ausstellung zeitgenössischer Kunst eignet: die „Sala Terrena“, zuvor als Wirkungsstätte des Esterházyischen Weingutes bekannt, zeigte sich leicht und „durchsichtig“ – einen einladenden Durchblick vom Schlosshof in den Schlosspark ermöglichend. Sie soll auch einen Hinweis „.. auf die zukünftige Bedeutung des Raumes in unmittelbarem kulturellen Zusammenhang..“ anzeigen.

2.jpg Foto: Thomas Preiss

Ich hatte mich schon vorher darauf eingestellt, dass sicherlich sehr viele (darbende, kunsthungrige nach internationalen zeitgenössischen Kunst-Häppchen..) Kunstinteressierte mit großem Interesse der Einladung der Esterházys folgen werden – das Besucherinteresse war dann wirklich dementsprechend! Selbst die tropischen Temperaturen und der „Tag des Herrn“ konnte eine beachtliche Besucherschar nicht davon abhalten, sich selbst „ein Bild zu machen“. Man wurde schließlich nicht nur mit neuen Ideen konfrontiert sondern auch bei einem wahrhaft „fürstlichen“ Empfang auch kulinarisch verwöhnt. Ob die jährliche „Garden Party“ der Queen auch nur annähernd so anregend und abwechslungsreich ist?

3.jpgZu Kunst und -szene:
Es schien, als hätte man schon sehr lange auf eine Wiederbelebung der internationalen künstlerischen Auseinandersetzung, eine „Blutauffrischung“ sozusagen, warten müssen! Endlich wird in Eisenstadt wieder ansprechende, anregende Kunst von auswärts – aber nicht ganz auswärts, denn immerhin handelte es sich um Künstler aus dem Großpannonischen Raum – diskutiert. Ein fruchtbringender Dialog kündigt sich an!

Man kann sich nun im Burgenland endlich wieder mit internationaler zeitgenössischer Kunst an Ort und Stelle beschäftigen, sich vergleichen, besprechen, hinterfragen! Es gibt wieder Anregendes für einheimische Künstler, die sich manchmal der Lethargie des gegenseitigen Ausstellungsbesuches hingeben – wobei jedem sowieso hinlänglich bekannt ist, was der andere tut.

Nicht sehr aufregend, nicht sehr anregend! Es gibt nur wenige Künstler, die neue Ideen nicht nur am Stammtisch besprechen, sondern auch in die Tat umsetzen, siehe.

Die Ausstellungstätigkeit hat sich hier in den letzten Jahren – mit einigen rühmlichen Ausnahmen (wie z.B. die Ausstellung der New Yorker Künstlerin Marlene Tseng Yu – allerdings war dies eine „durchgekämpfte“ Privatinitiative! Hut ab davor! und die Ausstellungstätigkeit der Edition NN-Fabrik in Oslip) – lediglich auf das „Umrühren im eigenen, regionalen künstlerischen Süppchen beschränkt. Oder in so manchem mit internationalem Mäntelchen bedeckten EU-Künstlerprojekt, dass der politischen Imagepflege Einzelner dient (- was aber nun niemanden davon abhalten soll, trotzdem die morgen eröffnete Ausstellung des fantastischen slowakischen Bildhauers Milan Lukacs in der Bgld. Landesgalerie in Eisenstadt zu besuchen. Seine Kunst entspricht internationalem Standard!).

Ich selbst bin beeindruckt davon, wie der Direktor der Esterházy Privatstiftung, Dr. Stefan Ottrubay, in den letzten Jahren zielstrebig und visionär die Last des zu verwaltenden historischen Schlachtschiffes namens Esterházy in moderne Zeiten steuerte und dabei in einen renommierten Luxusliner verwandelte. Soll nicht heißen, dass die pikturesken, vorbildlich renovierten – und kulturell wiederbelebten! – Burgen und Schlösser nun ausschließlich einem elitären Publikum vorbehalten wären. Nein, ganz sicher nicht! Aber die Qualität des Dargebotenen hält internationalen Vergleichen stand und die kulturellen Aktivitäten des hervorragenden Teams der Esterházyschen Kulturabteilung rüttelt erfreulicherweise so manchen Kulturverantwortlichen im Burgenland aus dem regionalen Dornröschenschlaf.

Persönlich bin ich ein bisschen traurig darüber, dass die geplante Ausstellung auf Burg Forchtenstein „Blaues Blut und Druckerschwärze“ nun leider nicht stattfindet. (Die Dokumentenwissenschaft hat mich schon im Studium begeistert, auf die Inkunabeln aus der Bibliotheca Esterházyana hatte ich mich schon sooo gefreut… schade!)
Aber das August-Open-Air Sommerkino auf Burg Forchtenstein mit Werner Herzog’s „Nosferatu“ oder Andy Warhol’s „Dracula“ – das wär schon auch was für mich!

Resumée: Eine sehenswerte Ausstellung in einem ansprechenden Ambiente und ein vielversprechender Start der Kulturinitiative der Esterházy Privatstiftung in Sachen zeitgenössischer Kunst und die Hoffnung darauf, dass auch mit anderen – internationalen Galeristen – eine Zusammenarbeit angestrebt wird und die Aktivitäten nicht zur kommerziellen „Hilger“-Dependance werden! Dazu ist Wien viel zu nahe – und die Welt zu groß!

Ausstellungsdauer „Central Europe Revisited I“ : 16. Juli bis 16. September, täglich von 11:00 – 19:30 Uhr, http://www.esterhazy.at

Ausgestellt sind Werke folgender Künstler:
Attila Adorján (Ungarn), Erik Binder (Slowakei), Tomislav Buntak (Kroatien), Maria Bussmann (Österreich), Petra Feriancová (Slowakei), Ivana Franke (Kroatien), Dominika Horáková (Slowakei), Marek Kvetán (Slowakei), Denisa Lehocká (Slowakei), Andreas Leikauf (Österreich), Zsuzsa Moizer (Ungarn), Hajnal Németh (Ungarn), Goran Petercol (Kroatien), Renata Poljak (Kroatien), #Dubravka Rakoci (Kroatien), Lois Renner (Austria), Eva Schlegel (Austria), Ágnes Szépfalvi (Ungarn), Tamás Trombitás (Ungarn), Sebastian Weissenbacher (Österreich), XYZ (Slowakei) Matej Gavula und Milan Tittel , Leo Zogmayer (Österreich)

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2 Gedanken zu “Central Europe Revisited I – ein deutliches Signal

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