Zu Gast bei Peter Noever – „Die Grube“

Was für ein Sonntag! Ein sonniger Tag mit einem außergewöhnlichen Kunsterlebnis!
Glücklicherweise hatte ich gestern erfahren, dass heute Peter Noever – künstlerischer Leiter des MAK (Museum für angewandte Kunst), Designer, Ausstellungsmacher und Autor zahlreicher Bücher über Design, Architektur und Kunst – im Rahmen des „European Heritage Day“ ausnahmsweise die Pforten zu seinem ganz privaten Land-Art-Projekt öffnete: „Die Grube“!


Peter Noever begrüßt seine Gäste

„Der Künstler erwartet seine Gäste um 14:30 Uhr vor dem Eingang zum Weinkeller“ lautete der Einladungstext. Whow, da muss ich hin, dachte ich. Peter Noever’s „Grube“ auf seinem sonst unzugänglichen, höchst privatem Grundstück („Zutritt verboten!“ – Schilder rundum) zu erleben – noch dazu mit persönlichem Empfang durch den Hausherrn – das war schon eine besondere Gelegenheit!

Das große Interesse an seinem Projekt scheint den Hausherr überrascht zu haben. Wie er in seiner Begrüßung anmerkte, seien ihm die Trinkgläser ausgegangen, damit habe er nicht gerechnet aber er freue sich über die große Anzahl an Besuchern.
Es folgte eine sehr launige Geschichte der „Grube“.

Die Grube
Seit 1971 arbeitet Peter Noever an diesem speziellen Ort in Breitenbrunn im Burgenland: „Die Grube“ ist nicht nur ein Land-Art-Projekt. Sie steht für die schrittweise Annäherung an einen Ort, eine Landschaft, die vor allem durch ihren Kontext, den Weingärten und einen aufgelassenen Steinbruch geprägt ist. Die Grube ist eine work-in-progress, wurde im Laufe der Jahre ergänzt und erweitert.
Ausgangspunkt ist ein 200 Jahre alter Weinkeller, dessen Eingang gleichzeitig das Entrée in die Grube ist. Der Keller ist an seinem Ende geöffnet und führt in die Grube. Hier kann man in einem uneinsichtigen, geschützten Halbrund auf Steinblöcken Platz nehmen, nur der Himmel darüber – keine Blickachsen in irgendwelche Nachbarschaften – ein sehr intimer Platz und trotzdem ein Gefühl von Freiheit und Naturerlebnis. Moderne Architektur, Design und Kunst auf der Basis der burgenländischen Kulturlandschaft unter Einbeziehung traditioneller Verfahren und Bräuche, z.B. gekalkte Mauern, Plumps-Klo,… – manche Ausführungen sind bestens dazu geeignet, den Besucher an das verlorene Wissen der Vorfahren und die Unwichtigkeit mancher Konsumgewohnheiten zu erinnern. Manchmal sind die besten Lösungen so einfach, dachte ich.


oben: Quergang, gekalkt in strahlendem Weiß

oben:
Stiege Richtung Steinbruch

Gegenüber des Kellerausgangs geht es über Stiegen in einen dreieinhalb Meter in die Erde vertieften und seitlich mit weiß gekalkten Betonmauern befestigten Gang (75 m lang und nach oben offen!), der das Grundstück in zwei Teile teilt. Er führt direkt zum aufgelassenen Steinbruch. Exakt in der Mitte des Gangs kann man rechts oder links über Stufen nach oben direkt in die Landschaft „auftauchen“.
Die eigenen Schritte hallen auf den Stiegengängen, ich ertappte mich dabei, wie ich versuchte in einem Rhythmus zu gehen – das würde ich gerne länger und für mich allein noch einmal versuchen!

Stiegenhaus von oben

Und dort gibt es einiges zu entdecken: seien es die 36 „cubes“ aus Beton, das „Klosett mit Betonplateau oder „die Sitzgruben“ des Bildhauers Walter Pichler, … und die Faszination eines in den üppigsten Herbstfarben leuchtenden, zugewachsenen alten Steinbruchs.

Bewundert wird die „Grube“ von vielen internationalen Architekturkritikern. So ist sie für den berühmten Architekten Carlo Scarpa „ein neuentdecktes Stonehenge“ und für den Kulturkritiker Bernard Rudofsky „ein offenes Labyrinth von einem Meister des Unterstatements inmitten von Weinbergen gebaut“.


„Cubes“, 36 Beton-Cuben – rechstes Bild: der kommunikative Hausherr Peter Noever im Gespräch


Das „Klosett mit Betonplateau“ verließen fast alle Besucher mit einem Schmunzeln!
Es ist ein kommunikativer Doppelsitzer mit Ausblicks-Schlitz!


Die „Sitzgruben“ von Walter Pichler – komfortabel, naturnah und kommunikativ!


Auf dem Rückweg: in der Mitte vorne ist der Weinkeller

Auf dem Kunst-Spaziergang traf ich immer wieder auch Bekannte und Kunstinteressierte, die eine gemeinsame Grundstimmung mit mir teilten: eine große Freude darüber, dieses Angebot eines künstlerischen Visionärs UND Ausführenden wahrgenommen zu haben!
Nun werde ich diesen Tag erst einmal für mich selbst reflektieren – und dann eventuell meinen Bericht ergänzen.
Inzwischen – für Interessierte – ein link: Peter Noever – Website

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2 Gedanken zu “Zu Gast bei Peter Noever – „Die Grube“

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