Herwig Zens‘ Tagebuch

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Eröffnung, v.l.n.r: Andreas Roseneder alias René Desor, Galeriebesitzerin Karoline Schinner, Laudatorin Traute Molik-Riemer, Prof. Herwig Zens

Es war eine äußerst vergnügliche Ausstellungseröffnung: In der Galerie Schinner, Mattersburg – klein, aber fein – wurde unter dem Titel „Von Tag zu Tag“ das grafische Tagebuch von Herwig Zens präsentiert. Es ist ein Vergnügen und eine intellektuelle Wohltat, den Erläuterungen – nebst kleinen ironischen Spitzen, die seine gesellschaftlichen und politischen Beobachtungen und Schlussfolgerungen betreffen – des Grafikers und Professors der Kunstakademie in Wien zu lauschen. Ich könnte das stundenlang! Ich erinnerte mich – und im Gespräch dann auch ihn selbst – daran, welch einschneidendes Erlebnis für mich vor Jahren sein Vortrag über die Mönche vom Berg Athos war. Auch diese Begegnung war eine Bereicherung, wie man sie empfinden kann, wenn in dem alltäglichen intellektuellen Grau plötzlich ein heller Lichtstrahl auftaucht!

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Das grafische Tagebuch von Herwig Zens, re. : detail

Herwig Zens begann mit seinem grafischen Tagebuch auf einer Kupferabfallplatte mit dem Einritzen des Datums – wie er meint „mehr oder weniger sinnlos“ – und mit dem Einritzen von Bemerkungen zum Tag. Das war im November 1977.
Seither ist sein Tagebuch auf 500 Druckplatten angewachsen und fester Bestandteil seines täglichen Lebens. Die Druckplatten haben eine Größe von 5×40 cm. Er betreibe es mit Leidenschaft, auch wenn er manchmal sinnlose Bemerkungen hinzufüge „wie zum Beispiel der letzte Beitrag auf der ausgestellten neusten Platte, die Bemerkung: Fahrt nach Mattersburg“.
Sein Tagebuch sei öffentlich, er habe kein Problem damit, so Zens bei der Eröffnung.
1995 ließ er erstmals alle Tagebuchplatten an einem Stück drucken – insgesamt 20 Meter. Diese Fassung wurde auf der art multiple in Düsseldorf noch im selben Jahr als „längste Radierung der Welt“ präsentiert. 10 Jahre später benötigte er für den Gesamtdruck bereits 40 Meter, da seine Einträge immer ausführlicher wurden.
In Deutschland arbeite man an einem eigenen digitalen online-Tagebucharchiv, welches dann die gezielte Suche nach Schlagworten innerhalb seines grafischen Tagebuchs ermögliche. So könne man dann nach Orten, wie z.B. Paris oder Athos oder – Mattersburg suchen! Und diese könne man dann auch bestellen! (Ich werde mich erkundigen und dann den link dazu hier einfügen)

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Andreas Roseneder (alias René Desor) las bei der Eröffnung seinen Text „termdata“, der sich mit den Gepflogenheiten von täglichen Aufzeichnungen und der heutigen Möglichkeiten befasste und ließ seine eigenen Tagebuch – bzw. blog-Erfahrungen einfließen.

zens_pal2.jpg Neben dem Tagebuch gilt es in der Galerie Schinner auch Grafiken aus Herwig Zens‘ Palermo-Zyklus zu entdecken.
Jede einzelne davon ist eine Entdeckungsreise für den Betrachter.
Bis 6. Jänner 2008 kann man in die wunderbare Welt des Herwig Zens in der Galerie Schinner eintauchen!

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2 Gedanken zu “Herwig Zens‘ Tagebuch

  1. – und gestern (2. 2. 2011) überreichte Staatssekretär Josef Ostermayer im Bundeskanzleramt dem renommierten Maler und Grafiker sowie langjährigen Professor der Akademie der bildenden Künste in Wien, Herwig Zens das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
    Herzliche Gratulation!

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