„Lust auf Linz“ oder: „x-1=2008, x=?!“

Ich hab mir nicht viele Gedanken darüber gemacht, was – wenn überhaupt! und in welchem Umfang – mir eventuell ins Haus schneien würde. Ob überhaupt jemand reagiert, und in welchem Zeitrahmen. Aber ich habe da einige Leute gewaltig unterschätzt!
Nun halte ich 2 ausführliche Kataloge in Händen, zugesandt mit freundlichem Begleitschreiben aus Linz: „Linz 2009, Programmbuch 1/3“ und das aufwendig gestaltete „Linz Buch“.

Meine Neugier auf neue Kunstprojekte führte mich auf die Webseite von Linz 2009.

Schon auf der Startseite begann für mich die Faszination beim Anblick dieser Headline:
„Politik liebt Kunst“.
Hmmhh?!
Nun ja, ich weiß dass die Politik die Kunst braucht, und zwar mehr als ihr lieb ist und auf jeden Fall mehr als sie bereit ist zuzugeben! Ich weiß auch, dass die Politik die Kunst „ge-“ und „miss-“ -braucht und das oft schamlos in aller Öffentlichkeit. Und dass die Anzahl des Ge- und Missbrauchs von Kunst durch die Politik sich nicht im gleichen Verhältnis in der Kunstförderung zeigt – die Kunst schon lange ein günstiger Kostenfaktor zur politischen Gewinnmaximierung ist. Wenig Einsatz, maximale Ausbeute: Künstler quetschen selbstausbeuterisch und durch hohen persönlichen und privaten finanziellen Einsatz das Letzte aus sich heraus, „damit das Projekt gelingt“. Politiker schmücken sich mit den Ergebnissen.
So das gewohnte Bild.

Ein ganz anderes Bild bekam ich, als ich die vielen Termine las, an denen der Intendant von Linz 2009 Martin Heller mit Politikerinnen und Politikern bei der Veranstaltung „Politik liebt Kunst“ darüber spricht, was ihnen Kunstwerke und Kunst bedeuten. „Öffentlich, in der Sammlung des Lentos, und hoffentlich mit Gewinn auch für die Kulturpolitik „- – – wie man auf der Webseite anmerkt.
martin_heller_038.jpg
Martin Heller, Intendant von Linz 09
by Marc Wetli Zürich, Oktober 2006

Das war die erste Veranstaltungsserie, um die ich Linz beneidete. Solche Diskussionen – zumindest ernstgemeinte – sind hierzulande schier unmöglich.

In „meinem“ kleinen, touristisch offenem, aber künstlerisch eher „nicht-klimatisierten“ Bundesland schier unmöglich. „Kunst ja – aber nur, wenn sie touristisch verwertbar ist!“ – scheint die Devise hier zu sein. Auch wenn namhafte Künstler sich in diesem Niemandsland ansiedeln oder Wochenend-Domizile haben – die wenigsten davon ziehen eine ernsthafte Ausstellungstätigkeit hier in Erwägung (siehe Walter Pichler, der zur Zeit eine fantastische Ausstellung in Innsbruck hat. Er wird seine – verständlichen – Gründe haben!)

Da ist es kein Wunder, wenn wir (ich weiß mich mit meiner Meinung in guter Gesellschaft) bewundernd und fast neidisch nach Linz blicken und die Aktivitäten 2008 und 2009 in Linz in unseren Terminkalender schreiben!

Link: Linz 2009

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2 Gedanken zu “„Lust auf Linz“ oder: „x-1=2008, x=?!“

  1. ist es nicht ein bißchen gewagt, Linzer verhältnisse auf den Pannonischen raum umzulegen? ich meine, hier gibts auch keine Donau, kein Lentos, keine klangwolke. hier der donaustrom an der peripherie, – wovon sicher Bratislava profitiert, mittendrin ein steppensee mit operettenflair, haydnwolke & sonnenwerbung. & der Walter Pichler sitzt ganz unten im süden – könnte ja schon die Steiermark oder Slowenien sein… kennt doch Kunst wie die Liebe keine politischen grenzen!
    – um das schlagwort „Politik liebt Kunst“ zu entkräften…

    apartes neues outfit übrigens! LGrené

  2. du hast recht. es ist schon klar, dass man diese beiden regionen nicht wirklich vergleichen kann. vielleicht entspricht mein beitrag eher einem unerreichbaren wunschtraum?!

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