Georges Braque, unterschätzte Größe?

002_braques

Georges Braque: „Landschaft in der Provence, L’Estaque“ (Paysage de Provence, l’Estaque), 1907
Privatbesitz, Deutschland © VBK, Wien, 2008/09

Wer einen Gesamteindruck von Braque’s künstlerischen Arbeiten gewinnen wollte, musste bisher durch die ganze Welt reisen. Seine Werke befinden sich in namhaften Sammlungen auf dem ganzen Globus. An der zur Zeit stattfindenden Braque-Ausstellung im Kunstforum in Wien haben die wichtigsten Sammlungen weltweit mitgewirkt: mit über achtzig Werken von über fünfzig internationalen Leihgebern bietet das Bank Austria Kunstforum bis zum 1. März 2009 einen umfassenden Einblick in das beeindruckende Oeuvre des französischen Malers. Eine Chance, die sich in Mitteleuropa das letzte Mal vor über zwanzig Jahren geboten hat und in Österreich noch gar nie.

1922_man_ray
Man Ray: „Georges Braque, 1922“, © VBK, Wien 2008/09
Mit dem Zusammentreffen zweier herausragender künstlerischer Begabungen begann eine außergewöhnliche Beziehung zwischen Georges Braque und Pablo Picasso. Mit Bewunderung, Unverständnis und auch mit Ablehnung. Vier Jahre nachdem George Braque aus der Normandie kommend in die Hauptstadt zieht, malt er Landschaften noch im impressionistischen Stil. Sein Einflussgebiet aber verändert sich. Er war umgeben von den wichtigsten, jungen und extrem innovativen Künstlern seiner Zeit. Er bewundert Matisse, Derain, Dufy und Friesz. Es vergehen keine zwei Jahre und er ist einer der ihren, der Fauves, der jungen Wilden. ( „…der Kubismus: man ist in einem Käfig von wilden Tieren…“)- Braque pendelt zwischen dem Pariser Bezirk Montmartre, wo auch Picasso sein Atelier eingerichtet hat, und den südlichen Regionen am Mittelmeer. Dort, in der Provence, entstehen Braques erste fauvistische Landschaftsbilder reiner Farbe. Ab 1908 greift in seinen Bildern zusehends die Fläche Raum und Braques Entwicklung einer kubistischen Malerei beginnt. Seine ersten kubistischen Arbeiten, er will sie im Salon d’Automne in Paris ausstellen, werden von der Jury abgelehnt. „C’est ma femme“ („Das ist meine Frau“) gibt Pablo Picasso der intensiven künstlerischen Zusammenarbeit Ausdruck, die in den darauf folgenden Jahren beginnt.

007
Georges Braque: „Stillleben mit Tenora“ (Nature morte à la Tenora), 1913
The Museum of Modern Art, New York © VBK, Wien, 2008/09
Zusammen bringen sie mit der Stilrichtung des Kubismus die bahnbrechendsten Innovationen des noch jungen Jahrhunderts hervor. Trotz intensiver Zusammenarbeit und Braques Innovationsgeist stand stets Picasso im Vordergrund.
Der extrovertiertere Picasso – der introvertierte, arbeitende Braque.
Er praktizierte nicht die erzählerische Malerei, sondern war eher ein Systematiker. Als Deko-Maler verwendete er erstmals die Schablonenschrift, machte plastische Collagen mit malerischer Sinnlichkeit und dreidimensionale Gegenstände aus Papier, Karton und Zeitungsausschnitten. Viele seiner Ideen wurden von Picasso aufgegriffen und verarbeitet. Picasso war das Marketinggenie, Braques der introvertierte, arbeitende. Braque war in seiner Lebensführung ein typischer Franzose und genoss das Leben. Später zog er sich zurück in sein Atelier und pflegte eine meditative Arbeitsweise.
012_braques
Georges Braque: „Der Billardtisch“ (Le Billard), 1945
Tate, London, Purchased with assistance from the gift of Gustav and Elly Kahnweiler,
The Art Fund, Tate Members and Dr. V.J. Daniel Bequest 2003
© VBK, Wien, 2008/09

Georges Braque – in Kürze:
– geboren 13.5.1882 in Argenteuil, gestorben am 31. 8. 1963 in Paris.
– Studium in Paris an der Ecole des Beaux-Arts unter Bonnat
– zunächst Mitglied der „Fauves“, Freundschaft mit Othon (Emile) Friesz
– 1908 beeinflusst durch das Werk Cezannes entwickelt er gemeinsam mit Picasso einen neuen Stil: den Kubismus!
– 1917 kam er verwundet aus dem 1. Weltkrieg zurück und verfolgt ab dann seinen Weg selbständig, bis 1920 schuf er ausschließlich Stilleben, dann auch Landschaften und Menschen.
– beeinflusst von Matisse und der Antike
– vor 1914 entwickelt er die Technik der „papier collés“
– nach 1930 auch Gipsreliefs, Keramiken und Bildhauerarbeiten

Ausstellung: „Georges Braque“, bis 1. März 2009, Bank Austria Kunstforum, Wien

Advertisements

Ein Gedanke zu “Georges Braque, unterschätzte Größe?

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s