Plädoyer für kreative Zeitgenossen

Obwohl der Standard gestern mit der Schlagzeile „Sinkende Einnahmen, steigende Kosten“ in seinem Beitrag über den Kunstmarkt ein eher dunkelgraues Bild über die Verkaufszahlen von Kunst vermittelte, relativiert sich für mich das Thema bei näherer Betrachtung.
Man muss bei dieser Analyse immerhin feststellen, dass sich die – sogenannten – negativen Zahlen der Auktionshäuser
1. in 2- bis 3-stelligen Millionenhöhen bewegen
2. die Rückgänge hauptsächlich im Bereich „alter“ Kunst (bzw. verstorbener Künstler) bewegen
3. die zeitgenössische Kunst am meisten gefragt war (! schau-schau!)
4. die Umsätze sich rekordverdächtig gesteigert haben, lediglich die Gewinne der Auktionshäuser gesunken sind! (von deren Personalaufwand und Marketingaktionen kein einziger Schöpfer eines Kunstwerkes profitiert – da schon lange tot!)

Vielleicht ist das eine ganz gute Entwicklung für zeitgenössische Künstler, die in der Gegenwart die Früchte ihrer Arbeit ernten sollen – nicht wie bisher, wo nach dem Ableben der Künstler ein wildgewordenes Marktgeschehen die Preise ihrer Kunstwerke in ungeahnte Höhen schraubt. Und vielleicht wäre das endlich auch ein Wink mit dem Zaunpfahl an die öffentliche Kunstförderung, sich mehr der zeitgenössischen Kunst und ihren Proponenten zuzuwenden – solange es noch möglich ist, den Kunstinteressierten auch durch die Präsenz des Kunstschaffenden den Zugang zur einzig wahren Interpretation des Werkes zu ermöglichen.
Wer, ausser dem Künstler selbst, ist fähiger dazu, das Kunstwerk zu deuten? Den Hintergrund zu erzählen? Den roten Faden im Gesamtwerk zu entknoten? – Sicherlich kein Künstlerbiograph, der das 50 Jahre nach dem Tode des Künstlers publiziert!

Wahrscheinlich tut es der Kunst auch gut, sich von dem globalen Wildwuchs im Kunstmarkt etwas zurückzunehmen. Vielleicht ist das eine Chance für „echte“ Kunstsammler, tasächliche „Kunst-lieb-haber“, die von ihren gekauften Kunstwerken umgeben sein wollen, mit ihnen tagtäglich in Kommunikation sein wollen – und ihre Lieblinge sicher nicht gekauft haben, um mit der Höhe des Kaufpreises jemand zu beeindrucken, auszubooten oder das Image aufzupolieren. Oder damit anstelle der (no-na!) unsicheren Aktien eine sichere Anlegeform zu haben.

Die Beschäftigung mit der Kunst sollte wieder mit den Attributen „spannend, aufregend, anregend, phantasievoll, bereichernd, inspirativ, …“ gekoppelt sein und weniger mit dem diesbezüglichen Unwort „kommerziell“!

Es ist auch übermäßig Information und Kunstinterpretation aus dritter Hand vorhanden – und daher höchst an der Zeit, die Künstler selbst zu Wort kommen zu lassen! Und mit ihnen in einen Dialog zu treten – nicht nur über das einseitige Betrachten von Kunstwerken. Und ihnen durch die Förderung zu Lebenszeiten ein Leben zu garantieren, dass ihnen ermöglicht, weiterhin unser aller Dasein (- wie auch zuvor das von vergangenen Generationen -) durch ihre kreative Arbeit unverzichtbar zu bereichern!
Jetzt und heute!

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