Louise Bourgeois gestorben

„Der Künstler opfert der Kunst das Leben, nicht weil er es will, sondern weil er nicht anders kann.“ – Louise Bourgeois

„My luck was that I became famous so late that fame could not destroy me.“ – Louise Bourgeois

Die französisch-amerikanische Malerin und Bildhauerin Louise Bourgeois ist tot.
Die als eine der wichtigsten Künstlerinnen der Gegenwart geltende New Yorkerin starb am Montag im Alter von 98 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes. Das bestätigte ihre Agentin Wendy Williams. Weltbekannt sind vor allem die riesigen Bronze-Spinnen von Bourgeois, unter denen Menschen wie kleine Insekten wirken.

Louise Bourgeois © BBC/Arena

Die 1911 in Paris geborene Bourgeois galt als Grande Dame der Gegenwartskunst. Ihr Werk ist in zahlreichen großen Museen vertreten, darunter im New Yorker Museum of Modern Art, im Centre Pompidou in Paris, in der Londoner Tate Gallery und im Museum Ludwig in Köln. 1993 bestückte Bourgeois den amerikanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, 1999 wurde sie als Teilnehmerin dieser Kunstschau mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Frankreich hatte sie 1938 für ihren Ehemann Robert Goldwater, einen Kurator am Museum of Modern Art, verlassen.

Louise Bourgeois galt zeitlebens als eine Künstlerin mit großen Selbstzweifeln – in Bezug auf ihre Rolle als Tochter, später als Ehefrau, Mutter und Künstlerin. „Ich habe Angst vor allem, einfach vor allem“, sagte sie einmal. Die Sorge, Anforderungen der Familie nicht gerecht zu werden, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk der Künstlerin, deren Werke in Deutschland unter anderem in der Akademie der Künste Berlin oder in der Kunsthalle Bielefeld zu sehen waren.

Zu den frühen Motiven der Bildhauerin gehört der nackte weibliche Körper, dem ein Haus auf den Kopf gestülpt ist. Zehn Jahre lang, von 1945 bis 1955, befasste sich die dreifache Mutter immer wieder mit der „Femme Maison“, deren Zuhause gleichzeitig ein Gefängnis ist. Persönliche Enttäuschungen und tiefer Schmerz spiegeln sich in den Installationen der Grande Dame der Bildhauerei ebenso wie Hass und Wut. „The reticent child“ (Das verschlossene Kind) nannte sie im Jahr 2003 eine Anordnung von vier weiblichen und zwei kindlichen Figuren, zwischen denen es keine Annäherung gibt. Louise Bourgeois verarbeitet darin die Trauer über das Verhältnis zu ihrem Sohn Alain, einem Jungen, der die Liebe seiner Mutter nicht erwidern konnte. „Es ist schwer, ein Künstler zu sein und die Tür zu den Träumen verschlossen zu halten“, schrieb die am Anfang ihrer Karriere in den Kreisen der Surrealisten lebende Bourgeois.

Von drastischer Kompromisslosigkeit ist das 1974 entstandene altarähnliche Werk „Destruction of the father“ (Zerstörung des Vaters). Mehr als 20 Jahre nach dem Tod ihres dominanten Vaters richtete – und ehrte – Louise Bourgeois den Mann mit einem kannibalistischen Mahl, das in rotes Licht getaucht ist. Aus Stoff-Fetzen genähte lebensgroße Puppen von Bourgeois – mit meist üppigen Brüsten, Stummelarmen und unübersehbarem weiblichen Genital – betonen die Opferrolle der Frau, und unterstreichen einmal mehr den Ruf der gebürtigen Pariserin als radikal-feministische Künstlerin. dpa

Bourgeois war auch Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste Wien, wobei sie die bisher einzige Künstlerin war, der diese Ehre zuteil wurde. Sie war auch Trägerin des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Es handelt sich um die höchste Auszeichnung der Republik Österreich auf diesem Gebiet, die maximal 36 Österreicher und 36 Ausländer (jeweils zur Hälfte Künstlern und Wissenschaftlern) gleichzeitig besitzen dürfen.

Reaktionen:
Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien zum Ableben von Louise Bourgeois: „Traurig und bestürzt musste ich den Tod von Louise Bourgeois zur Kenntnis nehmen. Louise Bourgeois war nicht nur eine starke selbstbewusste Frau, sondern wohl auch eine der wichtigsten, herausragendsten und wunderbarsten Künstlerinnen unserer Zeit, fernab von Zeitgeist und Kunstbetriebsamkeit. Bis zuletzt verstand sie es die Kunstwelt mit ihren immer innovativen und radikalen Ideen und Werken zu verzaubern. Eine unglaubliche Kreativität und Fantasie, aber auch Freiheitsliebe und Menschlichkeit beseelte ihre Arbeiten. Noch vor wenigen Wochen konnte ich wunderbare Werke von Louise Bourgeois für eine nächstes Jahr geplante Ausstellung auswählen, wobei ich wieder einmal fasziniert war von ihrer Sensibilität und Präzision. Die Kunsthalle Wien ist stolz darauf, die wohl wichtigste Ausstellung ihres Spätwerks (Aller-Retour, 25. November 2005 – 12. Februar 2006) gezeigt zu haben, in der sie eindrucksvoll ihre unglaubliche künstlerische Frische unter Beweis stellte. Sie war eine Frau, die mich als Mensch und Künstlerin zutiefst beeindruckte, dafür gilt ihr mein herzlicher Dank.“
(Quelle: OTS, APA)

links:

zu diesem Anlass zeigt das Guggenheim Museum online die Retrospektive der Künstlerin aus dem Jahr 2008 noch einmal, online

Tate, online – blog:  work of the week: „maman“ von Louise Bourgeois

Hommage des Centre Pompidou an Louise Bourgois

video aus der 3sat Mediathek, „Stations: Louise Bourgeois“

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