Bilder die die Welt bewegten – im Kunsthaus Wien

Derzeit präsentiert die neue Ausstellung „Kontroversen“ im KUNST HAUS WIEN eine spektakuläre Problemgeschichte der Fotografie. Sämtliche der rund 100 Fotos waren Gegenstand von Kontroversen – teils gesellschaftlich-medialer, teils rechtlicher Art.
Zu erleben ist eine zum Teil berührende, manchmal aufregende Reise durch die Welt und den Wandel von öffentlich gewordenen Fotografien. Unter den gezeigten Bildern finden sich zahlreiche weltberühmte Aufnahmen, darunter Arbeiten von Fotografen wie Man Ray, Robert Capa, Lewis Carroll, Henri Cartier-Bresson, Oliviero Toscani, Robert Mapplethorpe oder Todd Maisel.

Michael Light
OAK, 8.9 Megatons, Enewetak Atoll 1958, 2003
© 2003 Michael Light

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion führten tausende Atombombentests durch. Die Risiken, die dadurch für ihre Soldaten und die im Umkreis der Testgebiete lebenden Menschen entstanden, scheint die US-amerikanische Regierung unterschätzt zu haben. Der Sicherheitsabstand zum Detonationsort wurde von elf auf drei Kilometer verringert. Fotografien der Tests dienen später als Beweisstücke in den Gerichtsverfahren, die von Überlebenden der Experimente und Bewohnern der vom radioaktiven Niederschlag betroffenen Regionen angestrengt werden. Nach ihrer Freigabe werden die ehemals unter Verschluss gehaltenen Dokumente auch für künstlerische Zwecke verwendet. Michael Light etwa präsentiert in seiner Ausstellung „100 Suns“ (100 Sonnen) und dem gleichnamigen Bildband bearbeitete Aufnahmen der Atom-versuche im Großformat. Er signiert und verkauft somit aus Archiven stammende Dokumente, die er aus der Anonymität holt und denen er einen neuen Stellenwert verleiht, indem er sie in Museen und Galerien zeigt.
Die Verwertung von Archivmaterial erweist sich als probates Mittel für die Umwandlung von Gebrauchsgegenständen in Kunstwerke, eine seit der Erfindung der Ready-mades durch Marcel Duchamp bekannte Übung. Light eignet sich Dokumente aus staatlichen Archiven an und verfremdet sie zu Objekten politischer und künstlerischer Kritik.

Gerichtliche, ethische und politische Kontroversen begleiten die gesamte Geschichte der Fotografie seit ihrer Erfindung im Jahre 1839. Die Regeln, die heute für journalistische und künstlerische Bilder gelten – oder eben nicht gelten – sind Ergebnisse dieser Konflikte und Diskussionen. Dennoch werden sie immer wieder von neuem hinterfragt. Die Ausstellung KONTROVERSEN. JUSTIZ, ETHIK UND FOTOGRAFIE dokumentiert diese spannungsgeladene
Historie durch zahlreiche Fallbeispiele. Dabei entsteht ein packender Parcours aus rund hundert Fotografien, die alle eine individuelle Geschichte erzählen. Dem Ausstellungsbesucher wird die Möglichkeit geboten, sich selbst ein Bild zu machen – denn der Mittelweg zwischen vorauseilender Zensur und kompromissloser Verteidigung der Meinungsfreiheit ist zwangsläufig das Ergebnis einer schwierigen subjektiven Entscheidung.
Arbeiten, die Grenzen überschritten oder neu definiert haben und damit nicht nur über das Medium Fotografie, sondern vor allem über Zeit, Gesellschaft und Justizentscheidungen Aufschluss geben, kurz: Sie fokussiert auf große, aber oft auch problematische Momente der Fotografie. Fotos werden seit Lewis Hines „Baumwollpflückerin in Texas“ (1912) erfolgreich als Mittel zum Schutz der Bedürftigsten eingesetzt, Fotos können aber auch selbst zum Teil einer zynischen Informationsgesellschaft werden, wenn Fotografen z.B. wegen einer Aufnahme in den Verdacht unterlassener Hilfeleistung geraten.
Mit „Der fallende Soldat“ (1936) lieferte Robert Capa die weltweit erste Aufnahme des Sterbens, Todd Maisels Bild „Die Hand, 11. September“ erschien trotz der Übereinkunft von TV- und Printmedien im Zusammenhang mit 9/11 keine Bilder von Leichen zu zeigen. Bis in die Gegenwart hinein werden so die Grenzen gesellschaftlicher Tabuzonen verfolgt.

Beispiele aus der Ausstellung:


OLIVIERO TOSCANI
Kissing Nun, 1992
© VBK, Wien 2010
Durch seine Zusammenarbeit mit dem italienischen Bekleidungskonzern Benetton in den Jahren 1982 bis 2000 erlangt der Fotograf Oliviero Toscani weltweite Bekanntheit. In den in diesen Jahren erscheinenden Werbekampagnen zeigt er sich stets provokant und direkt. Seine Plakate, in denen es um Aids, Krieg oder die Todesstrafe geht, entfachen polemische Diskussionen. Während er nach Ansicht der einen beim Zielpublikum einen Nachdenkprozess in Gang setzt, benutzt er in den Augen der anderen menschliches Leid für seine Zwecke.
„Kissing-Nun“ stellt den sinnlichen, profanen Kuss dem heiligen Gelübde der in den Ordensdienst eingetretenen Männer und Frauen gegenüber. Das Sujet, das einen Bruch des Zölibats darstellt, schockiert einen Teil der Öffentlichkeit. In Italien geben die Behörden schließlich dem Druck des Vatikans nach und untersagen die Verbreitung des Bildes. In Frankreich fordert die Selbstregulierungsstelle der Werbebranche auf zahlreiche Beschwerden religiöser Vereine hin die Entfernung der Plakate. In England dagegen wird „Kissing-Nun“ mit dem Eurobest Award ausgezeichnet. Umgekehrt wird das Foto eines noch blutverschmierten Neugeborenen mit Nabelschnur für eine Werbekampagne desselben Konzerns in Frankreich und Italien akzeptiert, in England aber zensuriert.


Frank Fournier
Omayra Sánchez, Armero, Kolumbien, 1985
© Frank Fournier / Courtesy Contact Press Images
Armero, Kolumbien, 1985, wenige Tage nach dem Ausbruch des Vulkans Nevado Del Ruiz. In der durch die Eruption ausgelösten Schlammlawine finden 24.000 Menschen den Tod. Die Fotografie von Frank Fournier zeigt Omayra Sánchez, ein kleines Mädchen, das bis zum Hals im Schutt und Schlamm feststeckt. Zwei Tage und drei Nächte hindurch versuchen die Rettungskräfte, das Mädchen zu befreien, doch die Bergeausrüstung trifft nicht rechtzeitig ein. Schließlich fordert die Erschöpfung ihren Tribut, Omayra stirbt an Herzversagen.  Ihre Würde und ihre Tapferkeit bewegen die ganze Welt. Fournier erkennt rasch, dass er nicht helfen kann. Hunderte von Opfern brauchen sofort ärztliche Hilfe, um zu überleben. Angesichts des Gefühls der Ohnmacht, das ihn befällt, wird ihm klar, dass das einzig Sinnvolle, was er tun kann, darin besteht, Bilder von Omayras Leiden in die Welt zu tragen. Aber auch noch nach der Auszeichnung seines Bildes mit dem World Press Photo Award im Jahr darauf quälen ihn Zweifel: Ist es möglich, Leiden zu zeigen, ohne dabei die Würde der Leidenden zu verletzen? Würden wir uns jedoch noch an die Tragödie von Armero erinnern, wenn uns dieses Foto nicht so erschüttert hätte?


DAVID LACHAPELLE
Angelina Jolie, Horseplay, 2004
©
David LaChapelle Studio / Courtesy Fred Torres Collaborations)
Wiewohl David LaChapelle ein Künstler von Weltrang ist, wird so manchem Verleger bange, wenn er den Namen des Fotografen hört. Aufgrund seiner von Sinnlichkeit und Ambiguität geprägten Ästhetik kommt es bei der breiten Veröffentlichung seiner Arbeiten nicht selten zu Konflikten.
Im Mai 2004 erscheint dieses Foto auf dem Titelblatt des Magazins „Photo“. Das Bild kündigt eine Fotostrecke mit dem Titel „Frauen und Pferde“ an. Die Verantwortlichen für den Vertrieb in der Schweiz unterwerfen sich aus Angst, die Bilder könnten in den Verdacht der Sodomie geraten, der freiwilligen Selbstzensur und verzichten darauf, die betreffende Ausgabe in den Handel zu bringen. Lieber wollen sie ganz sicher gehen, nicht gegen das gesetzliche Verbot der Verbreitung von Bildern, die „sexuelle Handlungen mit […] Tieren“ zum Inhalt haben, zu verstoßen. Jedoch ist es in der Schweiz erlaubt, ein pornografisches oder sodomitisches Bild in Umlauf zu bringen,  wenn dieses von schützenswertem kulturellem oder wissenschaftlichem Interesse ist.
Die Vertriebspartner hätten sich auf diese Ausnahmebestimmung berufen können. Dieselbe Ausgabe von „Photo“ erscheint im Übrigen weltweit – ohne die geringsten Probleme. In unserer Gesellschaft, in der Konflikte zunehmend vor Gericht ausgetragen werden, bleibt der Mittelweg zwischen vorauseilender Zensur und kompromissloser Verteidigung der Meinungsfreiheit zwangsläufig das Ergebnis einer schwierigen subjektiven Entscheidung.

KONTROVERSEN. JUSTIZ, ETHIK UND FOTOGRAFIE
bis 20. Juni 2010

KUNST HAUS WIEN
Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien.
Telefon +43 1 712 04 95, Fax +43 1 712 04 96.

Öffnungszeiten: täglich 10.00 – 19.00 Uhr
Eintrittspreise: € 9,-, ermäßigt € 7,-
Führungen: Sonn- und Feiertag um 15.00 Uhr und gegen telefonische Voranmeldung

Bruno Gironcoli – (k)ein Nachruf von daheim?

Bruno Gironcoli, einer der bedeutendsten Künstler unseres Jahrhunderts, starb vor einigen Tagen im Alter von 73 Jahren. Man könnte sagen, seine Kunst habe ihn „umgebracht“, denn die Arbeit mit den giftigen Dämpfen seiner Arbeitsmaterialien war Ursache seines schweren Leidens. Die Verarbeitung von Polyester hatte ihn krank gemacht und auch seltsam körperlich entstellt. Manchmal dachte ich, dass er eigentlich ganz gut zu seinen ausserirdisch anmutenden Figuren und Objekten passe – er hatte selber etwas „Magisches“.

Ich hatte einmal die Gelegenheit, in einer kleinen Giesserei in der Steiermark in einer Ecke (Bild oben: im Hintergrund Gironcoli’s Skulptur) auf eine Plastik von Bruno Gironcoli zu stossen, die dort auf ihre Bearbeitung oder Fertigstellung (oder Abholung?) wartete. Selbst in dieser unprätentiösen  Werkstattumgebung und ziemlich versteckt: mystisch, unwirklich, phantasievoll und nicht zu übersehen! (blogbeitrag über diese Giesserei)

und hier das fertige Original : am Vorplatz zum Klagenfurter Hauptbahnhof

Dass Gironcoli in seiner Arbeit ein visionärer Wegbereiter für unzählige Bildhauerkollegen und -studenten (- er leitete bis 2004 die Meisterschule für Bildhauerei der Akademie der bildenden Künste in Wien) ist unbestritten. Und dass er kompromisslos war: sich selbst und seiner Kunst gegenüber!
Und er war – man möchte fast sagen „natürlich“ (!?!) – international viel mehr geschätzt als in seiner Heimat Österreich, bestes Beispiel dafür ist das Gironcoli-Museum in Herberstein, dass anscheinend die Arbeit des Künstlers lediglich fürs eigene Renommé benützt.

Was ich ganz besonder ignorant und arrogant empfand, als ich –  auch heute wieder – die Webseite des Bruno Gironcoli-Museums besuchte: da findet man Hinweise und Infos über Veranstaltungen und kommerzielle Hinweise für Besucher –
und kein einziges Wort, kein Hinweis, ja nicht einmal eine Zeile in der Biografie des Künstlers, dass er verstorben ist. Kein Statement des Museumskurators, oder ähnliches,…schrecklich!

Die letzte Zeile in der Gironcoli-Biografie auf der Webseite des Gironcoli-Museums lautet:
„Der Künstler lebt in Wien.“

Es gibt aber doch einge seriöse Quellen & Artikel mit mehr Infos (direktlinks):

DerStandard
DerStandard-Fotoblog von Matthias Cremer (Fotos von Gironcoli-Plastiken & Bruno Gironcoli)
Die Presse
Wiener Zeitung
Salzburger Nachrichten
Bruno Gironcoli, Wikipedia
Galerie Altnöder (auch einige Fotos und Werkbilder!)
kunstmarkt.com

audio: Radiobeitrag Ö1

Die älteste & teuerste Kamera der Welt wird versteigert

Am 29. Mai 2010 versteigert WestLicht Photographica Auction in Wien eine historische Sensation ersten Ranges: Einen „Daguerréotype“, die erste kommerziell hergestellte Kamera!


Peter Coeln, CEO von WestLicht Photographica Auction in Wien, mit dem ‚Daguerreotype Giroux‘ von 1839. Die erste kommerziell verkaufte Kamera der Welt wird bei der WestLicht Photographica Auction am 29. Mai 2010 in Wien versteigert. Der Schätzpreis liegt zwischen 500.000 – 700.000 Euro.

Die hölzerne Schiebekastenkamera wurde im September 1839 von Alphonse Giroux, dem Schwager von Louis-Jacques-Mandé Daguerre in Paris hergestellt. Daguerre, der Erfinder des ersten praktikablen fotografischen Verfahrens, hat die Kamera zum Zeichen ihrer Authentizität persönlich signiert. Nur fünf Tage nach der öffentlichen Bekanntmachung der Erfindung der Fotografie erschien am 24. August 1839 in Paris die erste Anzeige für den „Daguerréotype“ im „Journal des Débats“. Es ist nicht überliefert, wie viele Kameras insgesamt von Giroux hergestellt wurden – da es aber sehr bald preisgünstigere und verbesserte Kameras zu kaufen gab, wird die Gesamtzahl eher bescheiden gewesen sein. Heute sind weltweit nur einige wenige Exemplare bekannt, die sich alle in öffentlichen Museen befinden.


Die Hersteller-Plakette des ‚Daguerreotype Giroux‘ von 1839 mit der eigenhändigen Unterschrift des Erfinders Daguerre.

Der „Daguerréotype Giroux“, der bei WestLicht Auktion versteigert wird, war bisher völlig unbekannt und wurde niemals publiziert. Die Kamera war seit Generationen in norddeutschem Privatbesitz. Bemerkenswert ist der hervorragende Originalzustand des über 170 Jahre alten Gerätes. Niemals vorher wurde eine solche Kamera zum Verkauf in einer Auktion angeboten. Die deutsche Fassung der Originalanleitung aus 1839 ist auch Bestandteil dieses sensationellen Fundes.


Der ‚Daguerreotype Giroux‘ von 1839
Es wird erwartet, dass der von WestLicht Auktionen gehaltene Weltrekordpreis für eine Kamera in der Höhe von 576.000 Euro um einiges übertroffen wird. Der Startpreis beträgt Euro 200.000, der Schätzpreis Euro 500.000 – 700.000.
Der „Daguerréotype“ ist derzeit im Fotomuseum WestLicht
ausgestellt.

fotocredits: alle Fotos © Westlicht, Pressefotos

Nachtrag, 31. Mai 2010:

Die Kamera wurde versteigert: der erzielte Rekordpreis betrug 732.000 Euro!
Artikel daüber die Versteigerung in der „Presse

Einblick in das Sammel-Konzept

Von immensem Interesse für Künstler (zumindest was die Ankäufe zeitgenössischer Kunst betrifft), scheinbar undurchschaubar für Museumsbesucher und manchmal für die Öffentlichkeit wie das subjektive Kunstwerk-Roulette: die Sammeltätigkeit großer Museen.

Annette Messager
Gonflés, dégonflés, 2005/2006
Installation aus 28 aufblasbaren Elementen aus bemalter Seide, mit Motor; Dimensionen variabel
Foto: Marcus J. Leik
© VBK, Wien, 2009

Unter dem Titel „Aspekte des Sammelns“ lud das Essl Museum – bezüglich der Auswahl der Museen: diese erfolgte in erster Linie durch persönliche Kontakte des Sammlers Karlheinz Essl –  zehn internationale Ausstellungshäuser zur Teilnahme an diesem Projekt ein. Sie alle – und natürlich auch der Gastgeber Karlheinz Essl selbst –  erhielten € 200.000,-  für den Ankauf von Kunstwerken, die Auswahl der Werke trafen die jeweiligen Museumsdirektoren, beziehungsweise Kuratoren. Esgab lediglich die Empfehlung, den Fokus auf aktuelle Kunst zu richten. Nach der gemeinsamen Präsentation der Werke im Essl Museum wandern die Kunstwerke für mindestens 10 Jahre als Dauerleihgaben in die einzelnen teilnehmenden Museen:

1. ARKEN Museum for Moderne Kunst – Ishøj/Dänemark
2. India Habitat Centre – New Delhi/Indien
3. LOUISIANA Museum for Moderne Kunst – Humlebæk/Dänemark
4. MART Museo di arte moderna e contemporanea di Trento e Rovereto – Italien
5. MdM Museum der Moderne – Salzburg/Österreich
6. MOT Museum of Contemporary Art – Tokio/Japan
7. ms Muzeum Sztuki w Łodzi – Polen
8. Muzej suvremene umjetnosti – Zagreb/Kroatien
9. Städel Museum – Frankfurt a. M./Deutschland
10. TATE Liverpool – Großbritannien


Sarah Morris
1972 [Rings], 2006
Household gloss paint on canvas
289 x 578 cm
Courtesy White Cube
© Sarah Morris

Was haben nun die einzelnen Kuratoren für ihr Museum eingekauft? Pardon, „eingekauft“ stimmt so nicht, denn sie haben sich lediglich eine Leihgabe „erkauft“, die Werke bleiben selbstverständlich im Besitz des Zahlenden, Baumax-Besitzer Karlheinz Essl.
„….elf Ankaufskonzepte – der zehn Teilnehmer und des Essl Museums – zeigen eine größtmögliche Vielfalt. Die Bandbreite reicht von dem Erwerb einer einzelnen Arbeit (Tate, MOT, Essl) über die Ergänzung von Sammlungsschwerpunkten (MdM, Louisiana), zu einer kuratorischen Recherche von Einflüssen einer älteren auf die jüngere Künstlergeneration (Städel), einem thematisch bestimmten kuratorischen Konzept (MART, MSL) bis zu breiten Ankäufen von junger Kunst (MSU, IHC). Eines wird dabei besonders deutlich: die Fülle an Möglichkeiten, Sammlungen zu erweitern und zu vertiefen und wie wichtig und notwendig es ist, diese zu fördern und zu stärken…..“ Zitat Essl-Museum.

Kaufentscheidungen, u.a.:

das Muzeum Sztuki w Lodzi erwarb abstrakte Kunst (u. a. von Heimo Zobernig),
das MART in Rovereto Skulpturen italienischer Künstler,
das Museum of Contemporary Art in Tokio eine neue Video-Installation von Pipilotti Rist,
die Tate Liverpool eine Reflexion über das Logo der Olympischen Spiele von Sarah Morris,
für das Salzburger Museum der Moderne ergänzte Direktor Toni Stooss den Sammel-Schwerpunkt Menschenbilder mit Schnitzereien Stephan Balkenhols sowie einer typischen Muntean/Rosenblum-Arbeit,
und für sein eigenes Museum kaufte Essl eine Installation aus 28 sich aufblasender Organe und Körperteile von Annette Messager an.

Kunterbunt scheint diese Auswahl und für den orientierungssuchenden Künstler oder Kunstinteressenten heißt es verwirrenderweise: „Alles ist möglich“. – und das wiederum gehört ja zu den spannenden Aspekten in der Kunst und in der Kunstsammlung!

more: youtube-link zum Essl-Videokanal

„Aspekte des Sammelns“
Essl Museum, Kunst der Gegenwart
Dauer: 20.11.09 – 28.02.2010
Kuratoren: internationale Museumsdirektoren
Ausstellungsorganisation: Anna Szöke, Andreas Hoffer

An der Donau-Au 1
3400 Klosterneuburg / Wien
Österreich
T: +43 (0)2243/370 50 DW 150
F: +43 (0)2243/370 50 DW 22
E: anmeldung@essl.museum

ins Stammbuch geschrieben – oder: zum heutigen Reformationstag

alt – aber nicht unaktuell:

 

Johann Wolfgang von Goethe

Johann Wolfgang Goethe: Dem 31. Oktober 1817

Dreihundert Jahre hat sich schon
Der Protestant erwiesen,
Daß ihn von Papst- und Türkenthron
Befehle baß verdrießen.

Was auch der Pfaffe sinnt und schleicht,
Der Prediger steht zur Wache,
Und daß der Erbfeind nichts erreicht,
Ist aller Deutschen Sache.

Auch ich soll gottgegebne Kraft
Nicht ungenützt verlieren,
Und will in Kunst und Eigenschaft
Wie immer protestiren.

Peter Infeld’s Spuren

Gestern im „Haus der Kultur“, Halbturn, und  – scheinbar –  wie an den vorangegangenen Vernissagen in Peter Infeld’s Kunstrefuigum: zur Präsentation eines ungewöhnlichen Künstlers (Robert Zeppel-Sperl) eine große Versammlung von Freunden des Hausherrn, Kunstliebhabern und Künstlern, ein Musik-Special der besonderen Art, herausragende Gästebetreuung.

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Gestern nahm Peter Infeld’s Portrait den Platz des Kunstsammlers bei der Ausstellungseröffnung ein, rechts von seiner Witwe.

Und doch war in den gedämpften Unterhaltungen zu spüren, dass die Trauer um den kürzlich verstorbenen Hausherrn Peter Infeld (+ 15. April 2009) allgegenwärtig war. Peter Infeld verstarb vor einigen Wochen – und es war dies die erste Veranstaltung in seinem „Haus der Kultur“ nach seinem Ableben. Ich habe schon viele Male die Ausstellungseröffnungen in Halbturn besucht und sie immer als ein ganz besonderes Ereignis empfunden. Auch wenn Peter Infeld als Gastgeber sich dank seiner Schüchternheit nicht wirklich in der Menge sonnte und sich oft nach der offiziellen Eröffnung auf seinen Stammtisch im Hintergrund zurückzog: er war präsent! Und konnte manchmal erst dann, wenn der Großteil der Besucher bereits den Heimweg angetreten hatte, seinen Entertainer-Qualitäten freien Lauf lassen: ob durch Gesang oder durch Vortrag seiner eigenen Gedichte – oder manchmal beides hintereinander – und mit Anekdoten und Erlebnissen seine Gäste unterhalten. Er hatte schon seine liebenswürdigen Eigenheiten, wie viele andere Kreative auch.
Und er hat unzweifelhaft eine Lücke hinterlassen: als einer der größten Kunstsammler und -förderer und als Mensch.
Eines der letzten Interviews mit Peter Infeld führte René Desor vor einigen Wochen, nachzulesen unter „at the end of a rainbow“ auf seinem blog.

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Der Künstler Robert Zeppel-Sperl war mit Peter Infeld sehr befreundet, was sich in der Benennung eines seiner 2 Gästezimmer ausdrückt:  in seinem Halbturner Refugium gibt es ein „Zeppel-Sperl-Zimmer“! Zur gestrigen Ausstellungseröffnung waren auch zwei künstlerische Weggefährten gekommen: Franz Ringel und Wolfgang Herzig.

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Wilfried’s (links) „4 Xang“ konnte feinfühlig und gekonnt mit Stimmakrobatik und Humor die Stimmung aufhellen, ganz im Sinne des verstorbenen Hausherrn!

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– zu später Stunde gab es noch einen musikalischen „Nachschlag“ im Innenhof
(prominente Zuhörer, links, sitzend: Fria Elfen und Andreas Roseneder)

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im Innenhof: Skulptur von Bruno Gironcoli

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Es fällt einem wirklich schwer, die gesammelten Eindrücke und Emotionen die über diesem Ereignis lagen in Worte zu fassen, aber ein Dankeschön! an Peter Infeld angesichts seines Engagements in Sachen Kunst – und damit ist selbstverständlich auch seine Förderung und Unterstützung der Musikszene gemeint – muss sein!
Peter, Leute wie du sind rar gesät! Wie schön, dich kennengelernt zu haben.

links:
Infeld Haus der Kultur
Das Unternehmen „Thomastik-Infeld“ von Peter Infeld
Die Sammlung Infeld